Rad-Ratgeber Schöner strampeln

Raus aufs Rad! Auf Deutschlands Straßen hat die Pedalsaison begonnen. Cross oder Fixie, Cityflitzer oder doch ein Holland-Modell? SPIEGEL ONLINE zeigt Ihnen, welcher Fahrradtyp Sie sind, was vernünftige Exemplare kosten - und wann kleine Händler besser sind als große Märkte.

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Fahrräder sind etwas ganz Besonderes. Das sage ich nicht, weil ich gern darauf herumfahre. Sondern weil die Händler einfach anders ticken als normale Verkäufer, die man aus dem Kaufhaus oder dem Baumarkt kennt.

In den Fahrradläden, die ich bisher kennengelernt habe, arbeiten fast überall Überzeugungstäter. Schrauber aus Leidenschaft.

Während in anderen Branchen Multis wie Saturn, Ikea und H&M dominieren, ist der Fahrradverkauf immer noch ein bisschen so organisiert wie anno dazumal. Es gibt zwar inzwischen größere Märkte, doch die Mehrzahl der Geschäfte ist gemütlich klein. Das liegt vor allem am Produkt Fahrrad selbst.

Kaufmännisch gesehen sind Velos nämlich nicht sonderlich lukrativ. "Räder brauchen viel Stellplatz, viel Beratung und auch Service", sagt Markus Fritsch. Der Branchenexperte versorgt über seine Web-Seite Velobiz.de Händler und Hersteller mit Rad-News.

Viele Geschäfte und Dutzende verschiedene Marken machen dem Käufer die Entscheidung allerdings nicht leicht. Jeder Händler hat ein anderes Sortiment. Aber welches Rad ist besser?

Welcher Radtyp Sie sind - die Fotostrecke gibt Ihnen einen ersten Überblick:

Fotostrecke

10  Bilder
Cross oder Fixie: Was für ein Radtyp sind Sie?

Wer ein klassisches Cityrad oder ein sportlicheres Trekkingbike sucht, muss über Marken kaum nachdenken. Das Einsteigersegment für vernünftige, gute Räder beginnt bei etwa 500 Euro, und hier unterscheiden sich die Modelle der Hersteller kaum. Alle montieren dieselben Schaltungen, Bremshebel und Nabendynamos. Praktisch alle lassen die Rahmen in Taiwan produzieren, dem Mittelpunkt der globalen Fahrradindustrie. Die Konstruktionen aus Stahl oder Aluminium mögen sich in Details unterscheiden, stammen aber unter Umständen aus ein und derselben Schmiede von der Insel vor dem chinesischen Festland.

Made in Taiwan

Der Schriftzug auf dem Rahmen, die Lackierung und vielleicht das eine oder andere Ausstattungsdetail - mehr bleibt den Herstellern kaum, um ihr Produkt herauszuheben aus der Masse.

Das macht es uns Kunden leichter. Wer auf Marken nicht so großen Wert legt, kann sich einfach das Rad aussuchen, auf dem er am besten fährt.

Womit wir schon bei der nächsten Frage sind: Wo findet man dieses Traumrad? Beim kleinen Händler um die Ecke - und dort womöglich zu Apothekenpreisen? Im Megamarkt? Oder bei einem Online-Versender?

Im Prinzip überall, meint Branchenkenner Fritsch: "Das Qualitätsniveau der Fahrräder ist grundsätzlich nicht so dramatisch unterschiedlich. Die Produkte sind beim Fachhändler, im Fachmarkt und beim Online-Versender durchaus vergleichbar."

Wo man kauft, hängt letztlich davon ab, wie viel Service man braucht. Um mit dem Internet anzufangen: Ich habe selbst schon ein Bike online gekauft - ein Rennrad. Das hat jedoch gleich mehrere Nachteile: Man kann keine Probefahrt machen. Eine persönliche Beratung ist kaum möglich. Und eine Gratisinspektion nach 200 Kilometern natürlich auch nicht.

Wer genau weiß, was er will, und ein guter Schrauber ist, für den ist das alles kein Problem. Jemand, der um Werkzeug gern einen Bogen macht, sollte lieber beim Händler kaufen.

Multis und Einkaufsgemeinschaften

Ob man dann zum Fachmarkt geht oder zum kleinen inhabergeführten Geschäft, ist auch eine Typfrage. Bei dem einen ist das Sortiment größer, bei den anderen kleiner, dafür geht es persönlicher zu. "Die Preisunterschiede zwischen kleinen Geschäften und Märkten sind kleiner, als man denkt", sagt Fritsch. "Kleine Händler sind oft in Einkaufgemeinschaften organisiert, durch die sie ihren Kunden ebenfalls ein attraktives Preis-Leistungs-Verhältnis anbieten können."

Ich selbst habe mit dem Kauf beim Händler um die Ecke die besten Erfahrungen gemacht. Kleinere Reparaturen werden gratis gemacht, auch die Beratung stimmte. In größeren Märkten war das nicht immer der Fall.

Dies bestätigt auch Branchenkenner Fritsch: "Ein Fahrrad ist nur so gut, wie es zum jeweiligen Kunden passt oder auf ihn angepasst wird. Und hier kann die individuelle Beratung eines engagierten Fachhändlers durchaus einen großen Einfluss darauf haben, wie zufrieden ein Kunde später mit seinem Fahrrad ist."

Alle, die ein ganz besonderes Rad suchen, sind ohnehin auf spezialisierte Fachhändler angewiesen. Nur dort bekommt man Velos wie Utopia oder Tout Terrain, die speziell für die Bedürfnisse von Radwanderern konstruiert sind. Und auch sogenannte Custom Bikes bekommt man dort, also individuell angepasste Räder.

In der Regel bieten die Läden Custom Bikes unter einer eigenen Marke an. Das Spektrum reicht von der Auswahl des Sattels und der Griffe bis hin zum Stahlrahmen, der passend zu eigener Arm-, Bein- und Oberkörperlänge zusammengeschweißt wird. Dafür muss man als Kunde dann natürlich mehr zahlen. Ein handgefertigter Stahlrahmen kostet das Vielfache eines gewöhnlichen Cityrades.



insgesamt 121 Beiträge
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Seite 1
fucus-wakame 12.05.2010
1. Guter Bericht
Ein sehr guter Bericht, danke, liebe Spiegel-Redaktion. Jetzt fehlt nur noch, daß die Fahrräder auf die Straße kommen. Radfahrer zahlen Steuern (sie haben ja oftmals ein Kfz). Wichtig ist doch nur, daß die Radfahrer entsprechende Präsenz im Straßenverkehr zeigen. Denn sie stellen einen relevanten Beitrag für den Umweltschutz dar.
guru-guru 12.05.2010
2. Sch,,, Wetter
bei uns in München geht die Radl Saison diesmal offensichtlich erst nach den Pfingstferien los. Schuld daran dürften die Isländer sein...
Chance, 12.05.2010
3. Ja genau...
Zitat von sysopRaus aufs Rad! Auf Deutschlands Straßen hat die Pedal-Saison begonnen. Cross oder Fixie, Cityflitzer oder doch ein Holland-Modell? SPIEGEL ONLINE zeigt Ihnen, welcher Fahrradtyp Sie sind, was vernünftige Exemplare kosten - und wann kleine Händler besser sind als große Märkte. http://www.spiegel.de/auto/aktuell/0,1518,694129,00.html
Wer den Cityflyer als Crossbike bezeichnet sollte schon beim Lesen des Namens hinterfragen ob er wirklich richtig liegt. Ein Crossbike definiert sich schon über ein paar andere Dinge als die fehlende Lichtanlage, oder ist ein Rennrad jetzt auch nen Crossbike? Besten Gruß, C
Torfstecher, 12.05.2010
4. ...
Was gerade Fahrrad-Neulinge beachten sollten: manchmal ist weniger mehr. - Weniger Gänge: kein Mensch braucht 27 Gänge, die sich nur minimal unterscheiden. Besser zur Nabenschaltung greifen. Vielleicht nicht ganz so "cool", aber alltagstauglicher. - Federgabel, Federrahmen, usw. sind Mist. Machen das Fahrrad schwer, das Fahrverhalten schwammig und sind wirklich nur für hardcore-biker im schweren Gelände sinnvoll. Wer hauptsächlich auf Straßen fährt, ist mit einem ideal-standard-Rahmen aus Stahl bestens beraten. Bloß keinen Aluminiumrahmen andrehen lassen - das Material macht einen Rahmen viel zu steif (und dann muss da ne Federgabel ran, um so einen Rahmen wieder "komfortabler" zu machen, was wiederum das Gesamtgewicht und die Fahreigenschaften negativ beeinflusst). Nochwas zu den "coolen" Rädern ohne Lichtanlage und Schutzbleche: völliger Blödsinn und höchstens für Schönwetterfahrer geeignet. Nichts, aber wirklich gar nichts geht über ein gutes Lichtsystem am Fahrrad. Wer schon mal mit wiederaufladbaren Lichtanlagen zum Anklippen hantiert hat, weiß, dass das alles Murks ist. Es gibt jetzt Nabendynamos und das ist wirklich ein Segen. Und ohne Schutzbleche zu fahren, ist blöd (ich könnte mich immer wegschmeißen, wenn ich diese Typen ohne Schutzbleche, aber dafür mit Dreckstreifen auf dem Rücken sehe ^^). Und ein allgemeiner Tipp zum Schluß: Ein Fahrrad ist nur so gut, wie es gefahren wird. Das tollste Crossbike in der Garage bringt nichts, wenn es nicht gefahren wird, weil der Sattel zu unbequem ist :)
chrome_koran 12.05.2010
5. Bitte geben Sie einen Titel für den Beitrag an!
Zitat von fucus-wakameEin sehr guter Bericht, danke, liebe Spiegel-Redaktion. Jetzt fehlt nur noch, daß die Fahrräder auf die Straße kommen. Radfahrer zahlen Steuern (sie haben ja oftmals ein Kfz). Wichtig ist doch nur, daß die Radfahrer entsprechende Präsenz im Straßenverkehr zeigen. Denn sie stellen einen relevanten Beitrag für den Umweltschutz dar.
Ob sie ein Kfz haben oder nicht, das ist unterschiedlich und für diesen Fall irrelevant. Radfahrer gehören auf die Radwege, wo diese vorhanden sind. Punkt. Keine Ausrede, keine Diskussion. Oder habt Ihr es gern, wenn Autos Radwege blockieren? Außerdem gehören endlich AKZ auf die Räder. Kleine Quizfrage: Welche Fahrzeuge wurden als Erstes mit amtlichen Kennzeichen ausgestattet? Eben :-) Dann ist Schluß mit bei Rot dreist rüberstrampeln und dabei F*ckfinger zeigen usw. Und immer schön daran denken: StVO bedeutet nicht "Strampeln VOrwärts" und ist auch keine freundliche Empfehlung der Behörden, sondern für ALLE VT bindend. Besonders §1 beachten, dann wird schon alles gut. Eine gute und unfallfreie Fahrt vom überzeugten Autofahrer und gern-auch-Radfahrer (der aber die Preise mancher Räder überhaupt nicht im Stande zu akzeptieren ist… 3.000 Euro, das waren mal 6.000 Mark = ein guter Gebrauchtwagen…) P.S. Neulich habe ich einen Radler dezent angehupt, da er trotz ausgezeichnet erhaltenen Radwegs (ich weiß es, denn ich benutze den Weg täglich) dreist auf der Fahrbahn fuhr - dreist, da besonders langsam, schön breit und das im Berufsverkehr. Da zeigte er mir den "F*ck". Was er nicht wusste: hinter mir fuhr ein Peterwagen. Der Sportsfreund wird sich nun wegen Beleidigung verantworten *lach* :-)
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