Falsche Messwerte: Polizei beklagt fehlerhafte Blitzgeräte

Tempokontrolle an der Bundesstraße: "Sie füllen damit ihr Stadtsäckel" Zur Großansicht
dapd

Tempokontrolle an der Bundesstraße: "Sie füllen damit ihr Stadtsäckel"

Bei Radarkontrollen treten nach Angaben der Polizei häufig Messfehler auf. Der Hintergrund: Kommunen würden die Geräte oft nur schlampig installieren - und sich mit den Bußgeldern die Kassen füllen.

Goslar - Die Messwerte von Blitzgeräten in Deutschland sind häufig falsch, kritisiert Johann-Markus Hans von der Deutschen Hochschule der Polizei in Münster. Beim Blitzen kann es nach Hans' Einschätzung vor allem an fest installierten Anlagen häufiger zu Messfehlern kommen.

Ein Grund dafür sei, dass jede Kommune ihr Personal eigenständig lernen lasse, wie ein Blitzer bedient wird, sagte Hans. Er forderte deshalb eine einheitliche Ausbildung von Polizei und Kommunen. Zugleich wies er darauf hin, dass sich Kommunen beim Thema Blitzer nur ungern reinreden ließen: "Sie füllen damit ihr Stadtsäckel auf. Die Polizei macht die Messungen für die Verkehrssicherheit und gibt das Geld in den Landeshaushalt."

Hersteller hüten Geheimnisse

Volker Fürbeth, Gutachter für Verkehrsmesstechnik, bestätigte die oftmals schlampige Arbeitsweise der Kommunen. Der Sachverständige der Industrie- und Handelskammer (IHK) forderte ebenfalls, dass das Personal für die korrekte Installation der Anlagen besser geschult werde.

Seiner Ansicht nach müssten aber auch die Messergebnisse exakter kontrolliert werden. Derzeit sei das kaum möglich, weil die Hersteller der Blitzgeräte die genaue Funktionsweise ihrer Produkte nicht bis ins Detail preisgeben.

Zudem seien aus datenschutzrechtlichen Gründen ausschließlich Gerichte dazu befugt, sich komplette Messserien von der Polizei aushändigen zu lassen. Anwälte dürften dagegen lediglich das einzelne Messergebnis ihrer Mandanten auswerten und hätten somit keinen Vergleich zu vorherigen oder nachfolgenden Messwerten bei der Geschwindigkeitskontrolle.

Laut einem ZDF-Bericht kamen Experten kürzlich nach der Auswertung von 15.000 Bußgeldverfahren zu dem Schluss, dass acht Prozent der Vorwürfe falsch seien, weil die Messergebnisse der Radarfallen fehlerhaft waren. In 25 Prozent der Fälle sei die Beweisführung zumindest mangelhaft gewesen.

cst/dapd

Diesen Artikel...
  • Aus Datenschutzgründen wird Ihre IP-Adresse nur dann gespeichert, wenn Sie angemeldeter und eingeloggter Facebook-Nutzer sind. Wenn Sie mehr zum Thema Datenschutz wissen wollen, klicken Sie auf das i.
  • Auf anderen Social Networks teilen

News verfolgen

HilfeLassen Sie sich mit kostenlosen Diensten auf dem Laufenden halten:

alles aus der Rubrik Auto
Twitter | RSS
alles zum Thema Sicherheit im Straßenverkehr
RSS


  • Drucken Senden
  • Nutzungsrechte Feedback
Facebook

Quiz
Sind Sie sicher unterwegs? Testen Sie Ihre Verkehrskenntnisse im großen Fahrprüfungs-Quiz von SPIEGEL ONLINE.

Klicken Sie hier, um das Quiz zu starten.


Aktuelles zu