Zehn Tipps für Radfahrer So kommen Sie sicher durch Herbst und Winter

Die kalte Jahreszeit hat begonnen, jetzt wird es für Radfahrer gefährlicher auf der Straße. Doch das Unfallrisiko lässt sich leicht verringern.

Oliver Tjaden / ADFC

Von Christian Frahm


Regen, Matsch, Dunkelheit - im Herbst und im Winter wird es auf den Straßen ungemütlich. Aber nicht nur das. Durch Schmuddelwetter und schlechte Lichtverhältnisse steigt die Unfallgefahr für alle Verkehrsteilnehmer deutlich an. Besonders gefährdet sind jedoch Radfahrer.

Sie quälen sich über schmierig gewordene Radwege oder werden von Autofahrern in der Dämmerung übersehen. Das besondere Risiko auf zwei Rädern in Herbst und Winter lässt sich jedoch minimieren, wenn man die folgenden Regeln beachtet.

1. Licht an: Nebel, Regen und die frühe Dämmerung sorgen in den kommenden Monaten für schlechte Sichtverhältnisse. "Es reicht nicht, eine gute Lichtanlage am Rad zu haben - man muss sie auch einschalten - und zwar schon in der Dämmerung", rät Verkehrsreferent Wilhelm Hörmann vom Allgemeinen Deutschen Fahrrad-Club (ADFC). Gesetzlich vorgeschrieben sind eine Frontleuchte mit weißem Reflektor, eine Rückleuchte mit zwei roten Reflektoren, Reflexstreifen an den Reifen oder Reflektoren an den Speichen sowie gelbe Reflektoren an den Pedalen. Achtung: Die Beleuchtung sollte so eingestellt werden, dass die Mitte des Lichtkegels etwa zehn Meter vor dem Rad auf die Straße fällt. Ist die Lampe zu hoch justiert, werden andere Verkehrsteilnehmer geblendet. Die Beleuchtung darf per Dynamo, aber auch mit Batterien oder einem Akku betrieben werden. Abnehmbare Lampen müssen so am Fahrrad fixiert sein, dass sie sich nicht von selbst verstellen können. Stirnlampen oder Lampen, die am Helm oder am Arm des Radlers befestigt sind, entsprechen nicht der Straßenverkehrsordnung und dienen höchstens als Zusatzlicht.

2. Tempo runter: Feuchtes Laub auf den Radwegen ist im Herbst eine besondere Gefahr. Daher sollten Radfahrer auf die Fahrbahn achten und gegebenenfalls etwas langsamer unterwegs sein. "Fahren Sie fünf Minuten früher los als sonst, nehmen Sie ein bisschen Tempo raus, und vermeiden Sie abrupte Schlenker und scharfe Bremsmanöver", sagt Hörmann. Zudem greifen bei Nässe Felgenbremsen nicht mehr so gut, der Bremsweg verlängert sich.

3. Aufmerksam fahren: Kein spezieller Herbsttipp, sondern es ist stets wichtig, mit den Fehlern anderer Verkehrsteilnehmer zu rechnen. Vorausschauendes Fahren und der Schulterblick vor dem Abbiegen reduzieren die Gefahr, herannahende Fahrzeuge oder Fußgänger zu übersehen.

4. Winterreifen aufziehen: Der Wechsel von Sommer- auf Winterreifen ist auch beim Fahrrad zu empfehlen. "Auf einem Zweirad ist die Rutschgefahr besonders hoch und die Bodenhaftung umso wichtiger", sagt Klaus Engelhart vom Reifenhersteller Continental. Daher gebe es spezielle Pneus. "Die Winterreifen sind aus einer speziellen Gummimischung gefertigt, die auf die winterlichen Bedingungen abgestimmt ist", erläutert Engelhart. So machen beispielsweise Partikel aus Siliziumkarbid die Lauffläche des Reifens rau, was den Grip verbessert. Fahrrad-Winterreifen gibt es von diversen Herstellern. Es gibt sogar Reifen mit Spikes, die - anders als bei Autos hierzulande - für Fahrräder erlaubt ist.

5. Reifendruck verringern: Wer keine Winterreifen auf die Fahrradfelgen aufzieht, dem rät der ADFC, den Luftdruck der Reifen auf den Mindestdruck zu reduzieren (ist auf der Reifenflanke angegeben). Damit vergrößert sich die Auflagefläche des Reifens, was für mehr Halt und Stabilität sorgt.

6. Sattel absenken: Um im Notfall schneller reagieren zu können, kann man auch den Sattel um einige Zentimeter tiefer stellen. So gelangt man schneller mit den Füßen auf den Boden, um sich und das Fahrrad abzufangen oder wieder ins Gleichgewicht zu bringen.

7. Pedale rutschfester machen: Jeder kennt es - bei Regen oder Schnee rutscht man häufiger mal von den Pedalen ab. Einige Firmen bieten spezielle Pedale mit einer rauen Oberfläche an oder sogenanntes Griptape, ein Klebeband, das mehr Halt geben soll.

8. Regelmäßige Pflege: Alle beweglichen Teile sollten regelmäßig geschmiert werden, um sie vor Nässe, Schmutz oder Streusalz zu schützen. Vor allem die Kette ist besonders anfällig und sollte daher ab und zu gereinigt und geölt werden. Der ADFC empfiehlt, vor jedem Fahrtantritt mindestens die Beleuchtung zu überprüfen.

9. Passende Kleidung tragen: Helle Kleidung sowie Zusatzreflektoren an Jacke, Hose oder Helm sorgen für ein Plus an Sicherheit. Als Alternative kann man auch die Warnweste aus dem Pkw tragen, um von anderen Verkehrsteilnehmern besser gesehen zu werden.

10. Notfalls die Straße nutzen: Radwege werden oft gar nicht oder erst zuletzt geräumt, obwohl Städte und Gemeinden dazu verpflichtet sind, "verkehrswichtige" innerörtliche Radwege von Laub und Schnee zu befreien. Wird das versäumt, entfällt auch bei ausgeschilderten Radwegen die Benutzungspflicht. Der ADFC empfiehlt, dann auf die Fahrbahn auszuweichen.

E-Bikes und Pedelecs brauchen im Herbst und Winter übrigens eine Extrabehandlung. Bei niedrigen Temperaturen lässt die Leistungsfähigkeit des Akkus nach, die Reichweite sinkt. Wer keinen Platz in der Garage hat, kann den Akku mit speziellen Neoprenhüllen vor Kälte schützen. Lässt man das E-Bike länger draußen stehen, sollte man den Akku mit in die Wohnung nehmen.



Forum - Diskussion über diesen Artikel
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Seite 1
fatherted98 28.10.2015
1. Licht Licht Licht...
...solange blinde Eulen durch die Gegend fahren, braucht man sich über die Unfallzahlen nicht zu wundern...naja...auch die allgemeine Agressivität auf der Straße tut Ihr Übriges. Ich verzichte in der dunklen Jahrszeit morgens mit dem Rad zu Arbeit zu fahren...nach drei Fast-Unfällen im letzten Jahr hört bei mir die Saison Anfang Oktober auf.
Hornet63 28.10.2015
2. Tipp 11 fehlt
Fahrrad stehen lassen, wenn die Witterungsverhältnisse es nicht mehr zulassen. Ich sehe jeden Winter Leute, die Fahrrad auf Schnee- und Eisdecken fahren, und zwar mit Normalbereifung. Es gibt wahrlich angenehmere Methoden, seine Gesundheit zu riskieren.
fjr 28.10.2015
3.
Der wichtigste Tipp fehlt: Sich an die StVO halten. Das tun 99,999% der Radfahrer leider überhaupt nicht. Fahren im Gegenverkehr, gegen die Fahrtrichtung der Einbahnstraße, auf gesperrten Flächen, auf Gehwegen, zu dritt nebeneinander, ... . Was man da täglich alles sieht, wenn man 20 Minuten zu Fuß durch eine deutsche Stadt geht, da stehen einem die Haare zu Berge. Und der Hammer: Wenn ich schon kein Licht anmache, dann ziehe ich mir auch schwarze Klamotten an.
and_over 28.10.2015
4. der wichtigste Punkt ist Nr. 9!
Liebe Radfahrer, lasst die Schickimickibüroklamotten weg und holt euch eine Winterarbeitsjacke in neongelb (nach EN 471 ;) ), damit werdet ihr auch gesehen. Ich habe im Herbst einen Radfahrer nur dadurch geshen, dass er eine Arbeitshode mit Reflexstreifen anhatte. Das Licht an seinem Rad ging komplett in den verschiedenen umgebenden Lichtquellen unter. Grüsse vom neongelben Rollerfahrer :-)
spon-41d-frm9 28.10.2015
5. mit Warnweste mehr Respekt
vor kurzen hab ich mir auch eine Warnweste gekauft und trage die jetzt auch wenn ich spät abends heimradel. Ich habe festgestellt dass mir mehr Respekt entgegengebracht wird als ohne. Autofahrer die sonst weiterfahren würden haben doch noch gebremst und mir den Vorrang gelassen
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