Rallye Dakar 2009 Gleicher Name, anderer Kontinent

Zum 30. Mal startet am 3. Januar die Rallye Dakar - diesmal in Buenos Aires. Nachdem Terrordrohungen im vergangenen Jahr zur Absage des Wüstenrennens durch Nordwestafrika führten, wechselten die Veranstalter kurzerhand den Kontinent.

Von Gesa Rathke


Russland, China oder Südamerika – drei Regionen waren als Austragungsort für die neue Dakar im Rennen. Argentinien und Chile erhielten schließlich den Zuschlag. Offiziell lautete die Begründung, dass dort die geografische Vielfalt am größten sei. Die Strecke führt von Buenos Aires über wilde Bergpisten in den Anden, staubige Trails in Patagonien und der Pampa sowie durch die Atacama-Wüste in Nordchile zurück in die argentinische Hauptstadt. Klar ist aber auch: In Argentinien ist Motorsport äußerst populär, und für die teilnehmenden Werksteams dürfte auch die Werbewirkung reizvoll sein.

Insgesamt 530 Teams aus 49 Nationen sind gemeldet. Mit 230 Motorrädern, 30 Quads, 188 Autos und 82 Trucks werden sich die Rallye-Recken am 3. Januar von Buenos Aires aus in Richtung Pazifik begeben, um von dort nach einem Ruhetag wieder zum Atlantik zurückzuheizen. In 14 Tagesetappen legen die Fahrer 9574 Kilometer zurück, davon 5652 Kilometer als Wertungsprüfungen.

Ist die Dakar wirklich noch die Dakar, als die sie in den vergangenen Jahrzehnten berühmt und berüchtigt wurde? Die Beteiligten beteuern das unisono. Die Anforderungen seien im Vergleich zu den früheren Rennen durch die afrikanische Sahara nicht geringer geworden. Im Gegenteil: das Terrain der Rallye sei extrem vielfältig und teilweise noch extremer als bislang.

In den Anden, auf bis zu 4700 Metern Höhe, dürften viele Fahrer mit der dünnen Luft zu kämpfen haben; dann muss zweimal die Atacama durchquert werden, die trockenste Wüste der Welt und die mit den höchsten Dünenfeldern. Temperaturunterschiede von bis zu 40 Grad zwischen Tag und Nacht werden erwartet. "Im Vorfeld ist es sehr schwierig einzuschätzen, wie die neue Dakar tatsächlich aussieht und welche für Herausforderungen sie bietet", sagt Volkswagen-Werksfahrer Giniel de Villiers. "Es gibt viele Unbekannte in diesem Jahr."

Vorbereitung in einer Kältekammer

Auch für die Techniker und Ingenieure bedeutet die Rallye neue Herausforderungen. Das VW-Werksteam etwa bereitete sich unter anderem in einer Kältekammer auf die Dakar vor. Dort wurden die Autos – VW startet mit vier sogenannten Race-Touareg 2 – auf die extremen Temperaturen, die zu erwartende Luftfeuchtigkeit und den geringen Luftdruck eingestellt. Insbesondere galt es, die Motorelektronik anzupassen, um einem möglichen Leistungsverlust des 280 PS starken Fünfzylinder-Turbodiesel-Motors entgegenzuwirken.

"Nicht nur für Fahrer und Beifahrer wird bei der Überquerung der Anden die Luft dünn", erklärt Volkswagen Motorsport-Direktor Kris Nissen. Auch für das Material bedeute die extreme Höhenlage eine ungewöhnliche Belastung. Das gilt speziell für den Doppel-Turbolader der Rallye-Renner. Um ein mögliches Überdrehen aufgrund der dünnen Luft zu verhindern, misst ein Sensor permanent die aktuelle Höhenlage, nach der wiederum die Motorelektronik unter anderem die Drehzahl reguliert.

VW-Renner mit besseren Sprungeigenschaften

Neu am VW-Renner, mit dem die Wolfsburger endlich einmal ganz nach vorn fahren wollen, sind unter anderem das Dämpfungssystem, das die Sprungeigenschaften des Race Touareg verbessern soll sowie eine eine leicht geänderte Sitzposition des Fahrers. Die hat den Zweck, zusammen mit der flacheren Fronthaube, die Sicht der Besatzung im Innern der 50 Kilogramm leichten Karbon-Karosserie optimieren.

Aber nicht nur die Vorbereitung, auch deren Wartung stellt höchste Anforderungen an die Teams. Allein VW transportiert insgesamt 23 Fahrzeuge und 80 Leute nach Südamerika – darunter vier Service-Lkw, drei Gepäck-Lkw und einen mobilen Ersatzteilservice. Schon das Gewicht der Ersatzteile für die vier Rennautos beträgt 50 Tonnen. Und zwei mobile Duschen gehen ebenfalls auf die Reise einmal quer durch Südamerika und zurück.

Mitsubishi diesmal auch mit Diesel-Rennautos

Der erfolgreichste Rennstall der Dakar-Geschichte, Mitsubishi, tritt in diesem Jahr mit vier dieselgetriebenen Racing Lancer an. Ein Sieg mit dem neu entwickelten Motor würde für das Team Repsol Mitsubishi Ralliart nicht nur den dreizehnten Mitsu-Triumph bedeuten, sondern auch den ersten Diesel-Gesamtsieg überhaupt.

Es könnte also zum Diesel-Duell der Werksteams von VW und Mitsubishi kommen. Die Voraussetzungen sind ähnlich; beide starten mit vier Autos und sowohl die VW- als auch die Mitsubishi-Fahrzeuge werden von rund 280 PS starken Motoren angetrieben. Bei Mitsubishi handelt es sich um drehmomentstarke Drei-Liter-Turbodiesel, die anstelle der zuletzt an den Start gebrachten Geländewagen Pajero Evolution mit Benzinmotor, die Dakar unter die Räder nehmen werden. Am 18. Januar, wenn der Vollgas-Tross wieder in Buenos Aires am Ziel erwartet wird, werden die Dakar-Fans wissen, wessen Rechnung bei dieser Wettfahrt durchs Unbekannte aufgegangen ist.



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