Rallye Dakar "Die Rallye ist brutal"

Die Rallye Dakar gilt als eines der gefährlichsten Rennen der Welt. Den stressigsten Job hat dabei Thomas Cerf-Mayer - er ist der Chef-Logistiker beim Wahnsinn in der Wüste.

Ein Interview von mit Fotos von Dennis Möbus


Die Rallye Dakar führt über 9000 Kilometer, mehr als 500 Teilnehmer starten auf Motorrädern, Quads, in Trucks und Geländewagen. Nachdem sie drei Jahrzehnte lang in Afrika abgehalten worden war, zog die Veranstaltung 2009 wegen Terrordrohungen nach Südamerika um. Die Rallye führt in diesem Jahr durch Argentinien und Bolivien.

Momentan läuft die 38. Auflage der Rallye Dakar, sie startete am 2. Januar in Buenos Aires, der Zieleinlauf ist am 16. Januar in Rosario, Argentinien. Alle Teilnehmer und der gesamte Begleittross - rund 2800 Menschen - fahren durch die Wüste und müssen sowohl starke Hitze als auch Minustemperaturen durchstehen. Sie zählen dabei auf einen 31-Jährigen und dessen 150 Helfer: Thomas Cerf-Mayer ist der Chef-Logistiker der Rallye Dakar.

Zur Person
  • Dennis Möbus
    Thomas Cerf-Mayer,geboren in Aberdeen, Schottland, ist zum ersten Mal Chef-Logistiker der Dakar. Der 31-Jährige ist bei A.S.O angestellt, einem französischen Unternehmen, das große Sportereignisse organisiert - darunter auch das Radrennen Tour de France.
SPIEGEL ONLINE: Herr Cerf-Mayer, wie muss man sich ein Fahrerlager vorstellen, das Platz für mehrere Tausend Menschen und Hunderte Fahrzeuge bietet - und das jeden Tag umzieht?

Cerf-Mayer: Es ist eine kleine Stadt mit Restaurants, Krankenhaus und Polizeistation. Wir haben etwa 15 Trucks im Einsatz, die das gesamte Material von einem Ort zum nächsten transportieren. Eigentlich sind es sogar zwei Zeltstädte, um sicherzustellen, dass die Fahrer tatsächlich immer eine Infrastruktur vorfinden, wenn Sie das Etappenziel erreichen. Wird das eine Lager nach dem Start abgebaut, steht das nächste bereits.

SPIEGEL ONLINE: Wie kriegen Sie alle Teilnehmer satt?

Cerf-Mayer: Pro Tag servieren wir etwa 7000 Essen. Dafür arbeiten wir mit Sodexo zusammen, einem Unternehmen für Catering und Mitarbeiterverpflegung aus Frankreich. Während der Dakar unterhält Sodexo drei Küchen pro Etappe mit jeweils 70 Mitarbeitern.

SPIEGEL ONLINE: Was steht auf der Karte?

Lunchpaketausgabe - täglich erhalten alle Teilnehmer eine Verpflegung

Lunchpaketausgabe - täglich erhalten alle Teilnehmer eine Verpflegung

Cerf-Mayer: Wir arbeiten nur mit lokalen Anbietern zusammen, alles andere wäre zu kompliziert. In Argentinien gibt es hervorragendes Fleisch und wir wissen, dass sich die Teilnehmer am Abend auf ein T-Bone-Steak freuen. In Bolivien servieren wir Quinoa-Gemüse, ein Hauptnahrungsmittel dort. Es bedarf ein Jahr Vorbereitung, um mit einem Ernährungswissenschaftler den Speiseplan für die Rallye zusammenzustellen. Das Essen muss extremen Temperaturen standhalten - von brüllender Hitze im Zentrum Argentiniens bis zu Minustemperaturen während der Nächte in den Anden.

Das Wetter ist eine der Herausforderungen der Dakar. Wegen großer Hitze und starker Regenfälle wurde die Rallye auch in diesem Jahr unterbrochen und eine Etappe sogar gestrichen.

SPIEGEL ONLINE: Während einer Rallye nehmen die Fahrer oft mehrere Kilo ab. Trifft das auch auf Sie zu?

Cerf-Mayer: Ja, aber bei mir ist das nicht viel, nur etwa zwei bis drei Kilo. Die perfekte Diät nach Weihnachten!

SPIEGEL ONLINE: Wozu brauchen Sie eine Polizeistation in der Zeltstadt?

Cerf-Mayer: Für die Sicherheit der Teilnehmer, aber insbesondere auch für die Zuschauer. Gerade in Argentinien sind die Menschen verrückt nach der Dakar. Tausende von Fans stehen an der Strecke, um den Fahrern zuzujubeln. Wir müssen die Straßen absichern, damit es nicht zu Unfällen kommt. Dafür brauchen wir die Polizei vor Ort.

In ihrer knapp 40-jährigen Geschichte forderte die Dakar rund 70 Tote . Dieses Jahr starb ein 63-jähriger Zuschauer, der von einem Fahrzeug erfasst wurde. Bereits beim Auftakt der Veranstaltung, dem Prolog in Buenos Aires, kam es zu einem Horror-Crash mit Schwerverletzten. Die Chinesin Guo Meiling vom hessischen Team Xraid hatte die Kontrolle über ihren Mini Cooper verloren und war in die Zuschauermenge gerast.

SPIEGEL ONLINE: Wie bereiten Sie sich als Dakar-Manager auf das hohe Risiko vor?

Cerf-Mayer: Die Rallye ist brutal. Zwar tun wir alles, um tragische Unfälle zu vermeiden. Doch der Sport ist extrem - vergleichbar mit Paragliding, dort kommen etwa genauso viele Menschen ums Leben.

SPIEGEL ONLINE: Haben Sie während der Rallye Zeit, über so etwas nachzudenken?

Cerf-Mayer: Eher nicht. Ich stehe gegen 3 Uhr morgens auf, etwa um vier organisiere ich den Einsatz unserer Helikopter. Mein Tag endet meist um 22 Uhr herum, nachdem die Fahrer für den nächsten Tag gebrieft wurden.

SPIEGEL ONLINE: Wie viele Helikopter sind bei der Rallye im Einsatz?

Hubschrauber im Einsatz bei der Dakar

Hubschrauber im Einsatz bei der Dakar

Cerf-Mayer: Durchschnittlich etwa zehn Hubschrauber. Jeder hat einen speziellen Auftrag: Mindestens zwei Helikopter sind für die Filmaufnahmen zuständig, wenigstens vier für die medizinische Versorgung. Ohne sie startet die Dakar nicht, sie sind mit das Wichtigste auf der Rallye.

Plötzlich wirkt Cerf-Mayer abwesend, es klingt, als führe er nebenbei an anderes Gespräch.

Cerf-Mayer: Entschuldigen Sie, können Sie mich in fünf Minuten noch einmal anrufen? Ich muss was regeln...

Kurze Zeit später: SPIEGEL ONLINE: Wie viele Anrufe bekommen Sie denn täglich während der Rallye?

Cerf-Mayer: Etwa 200.

SPIEGEL ONLINE: Wie hält ihr Handy-Akku denn so viele Anrufe durch?

Cerf-Mayer: Ich besitze drei Telefone. Nach den Helikoptern ist die Kommunikation der zweitwichtigste Faktor für den Erfolg. In Gegenden, die keine Netzabdeckung haben, wie beispielsweise in den Anden, haben wir eine Telekommunikationsfirma beschäftigt - die stellt mit mobilen Empfangsstationen sicher, dass wir dort eine gute Verbindung haben.

SPIEGEL ONLINE: Wie bewegen Sie sich während der Dakar von Etappe zu Etappe?

Cerf-Mayer: Ich reise per Flugzeug. Zwischen den einzelnen Etappenzielen liegen oft 800 Kilometer - das bedeutet eine Stunde Flug statt zehn Stunden Autofahrt. Die Flugzeuge bekommen wir von einer chilenischen Firma. In Bolivien wiederum stellt uns die Armee die Flieger.

SPIEGEL ONLINE: Das klingt alles sehr teuer. Was verschlingt denn die Logistik während der Dakar?

Cerf-Mayer: Dazu möchte ich mich nicht im Detail äußern. Aber es sind Millionen von Euro.



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insgesamt 8 Beiträge
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Seite 1
udlinger 15.01.2016
1.
...schade, dass über die Rallye nicht mehr und vor allem besser berichtet wird. Die Übertragungen bei Eurosport - wenn sie nicht gerade von Überziehungen der vorhergehenden Filmberichte maßlos verschoben werden - sind jedenfalls unterirdisch...
scottbreed 15.01.2016
2. Klasse und ein Wahnsinn
Ich halte die Rallye Dakar für die Kaiser Disziplin, dagegen wirkt die Formel 1 oder die dtm wie naja billiges Bier.. Man muss sich das vorstellen, links oder rechts 200 Meter Tiefe Abgründe und fahren da mit 150 oder 200 Sachen da lang... Einmal nicht aufgepasst und du bist tot. oder jeder kennt son Waldweg und die fahren da wie die irren da mit 150 Sachen lang und nur einmal sich verbremst und du knallt gegen son Baum oder Fels.. also das nenne ich noch Sport wo alles stimmen muß.. Dagegen schmiert die Formel 1 oder dtm richtig ab..
benmartin70 15.01.2016
3.
Zitat von udlinger...schade, dass über die Rallye nicht mehr und vor allem besser berichtet wird. Die Übertragungen bei Eurosport - wenn sie nicht gerade von Überziehungen der vorhergehenden Filmberichte maßlos verschoben werden - sind jedenfalls unterirdisch...
Tja "König" Fussball verdrängt leider alle anderen interessanten Sportarten in Deutschland aus der Aufmerksamkeit. Man muss sich nur an manchen Tagen hier den Sportteil anschauen......
kaspar181 15.01.2016
4. Königsdisziplin?
Da wird also der Sportart und ihrem Veranstalter, der auf knapp 2 Tote die letzten 40Jahre pro Veranstaltungen kommt noch gehuldigt... Ich hoffe der Veranstalter ist zu Recht stolz auf seine Arbeit
spon_3055608 15.01.2016
5. Weiterführung der Unsinns mit andern Mitteln
Man sollte endlich mit den haarsträubenden Unsinn endlich Schluss machen. Wozu soll das gut sein? Unsinniger Logistikaufwand, Tonnen von Sprit werden für nichts und wieder nicht verpulvert und meistens gibt's Tote und Verletzte. Eine Transposition einer sinnfreien Luxusveranstaltung in die Dritte Welt zum Schaden der Umwelt,- die nur als Staffage herhalten muss,- von der niemand was hat;- am allerwenigsten die Einheimischen.
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