Autogramm Range Rover Hybrid: Der leise Riese

Von Tom Grünweg

Autogramm Range Rover Hybrid: Der Flüster-Offroader Fotos
Range Rover

Geländewagen in der Zwei-Tonnen-Liga sind nichts für klimabewusste Eigner. Das Land-Rover-Luxusmodell Range Rover will dieses Manko nun durch einen Hybridantrieb wettmachen. Das Öko-Feigenblatt funktioniert, zumindest ein bisschen.

Der erste Eindruck: Nichts, man hört absolut nichts. Wo sonst nach einem Druck auf den Starknopf dumpf ein Diesel brummt oder ein V8 losbrüllt, herrscht in der Hybrid-Version des neuen Range Rover absolute Ruhe. Erst nach ein paar Sekunden ist das Gebläse der Klimaanlage zu hören, und wenn der Wagen anrollt, erklingt nur ein fernes Summen.

Das sagt der Hersteller: "Die Fahrleistungen eines V8-Motors und der Verbrauch eines Vierzylinders", so umreißt Entwickler Ross McMurrain die Zielsetzung für das Hybridmodell. Das Auto sei der erste Geländewagen "mit einem Diesel-Hybrid", betont McMurrain. Im Vergleich zum Modell ohne unterstützenden Elektroantrieb schluckt das Hybridmodell um bis zu 26 Prozent weniger Sprit.

Die Entwickler beteuern, dass auch die Hybridvariante kompromisslos geländegängig sei. "Da gibt es keine Einschränkungen", sagt McMurrain. Im Gegenteil: "Mit dem hohen, sofort verfügbaren Drehmoment der E-Maschine schlägt sich der Wagen auf schwierigen Untergründen sogar noch besser."

Die aktuelle Testfahrt gehörte noch zum Entwicklungsprogramm. Drei Prototypen sind gegenwärtig auf einer letzten Versuchsstrecke über 16.000 Kilometer von England nach Indien, um den Antrieb noch einmal aufs Äußerste zu belasten. "Die Anforderungen an einen Range Rover sind eben doch ein bisschen anders als bei einem Toyota Prius", begründet McMurrain den Aufwand.

Das ist uns aufgefallen: Die Unauffälligkeit des Antriebs. Das Zusammenspiel der Motoren funktioniert so reibungslos, dass man schon sehr genau aufpassen muss, um den aktuellen Betriebszustand mitzubekommen. Land Rover hat kein neues Mäusekino für den Bordcomputer programmiert, sondern lediglich den Drehzahlmesser im Cockpit ausgetauscht. An seiner Stelle kann man jetzt den Ladezustand des Akkus und die abgerufene Leistung ablesen. Und wenn die grüne EV-Lampe leuchtet, fährt das Auto rein elektrisch. Akustisch ist die Sache einfacher als optisch, denn im elektrischen Betrieb ist die Ruhe an Bord wirklich frappierend, und erst wenn der Dieselmotor mitmischt, hört man den Unterschied.

Rein theoretisch sollte einem natürlich auch der Nachdruck auffallen, mit dem der zwei Tonnen schwere Range Rover mit Hybridantrieb beschleunigt. Vor allem im Sportprogramm, wenn die Elektronik die beide Motoren auf möglichst schnelle Spurts trimmt. Doch weil Sir Range auch ohne den elektrischen Booster nicht gerade untermotorisiert ist, sind die Unterschiede am Ende marginal.

Es gibt aber dann doch ein sicheres Indiz für den Hybridantrieb, nämlich die Verbrauchsanzeige. Die vom Hersteller proklamierten 6,4 Liter blieben zwar unerreicht, aber Stop-and-Go-Verkehr und jede Menge Ampelspurts mit kaum mehr als acht Litern im Schnitt - das ist für ein Fahrzeug dieser Kategorie kein schlechtes Ergebnis.

Das muss man wissen: Herzstück des Hybridantriebs ist die bekannte Top-Version des drei Liter großen V6-Diesels mit 292 PS, die Land Rover mit einer in das ZF-Achtganggetriebe integrierten E-Maschine mit einer Leistung von 48 PS kombiniert. Dazu gibt es einen Lithium-Ionen-Akku von Johnson Controls mit einer Kapazität von 1,76 kWh und eine Leistungselektronik von Continental, die den Energiefluss steuert.

Die Systemleistung erreicht 340 PS, und das maximale Drehmoment liegt mit zusammen 700 Nm auf dem Niveau des V8-Diesels. Kein Wunder also, dass die Wuchtbrumme in 6,9 Sekunden auf Tempo 100 stürmt und wenn es sein soll mit weit über 200 Sachen über die Autobahn walzt. Die knapp drei Zentner Zusatzgewicht des Hybridpakets ändern daran nichts.

Weil der Hybrid-Antrieb bei der Entwicklung des Autos von Anfang an mit auf dem Plan stand, gibt es keinerlei Einschränkungen beim Platzangebot. Das gilt auch für den Range Rover Sport, der den neuen Antrieb ebenfalls erhält.

Die Premiere des Hybridautos wird auf der IAA gefeiert, jetzt bereits war SPIEGEL ONLINE bei der letzten Testfahrt des Autos dabei. Ab Oktober ist der Hybrid-Range bestellbar, die exakten Preise jedoch wird Land Rover erst auf der IAA bekannt geben. Aber die Richtgröße für den ab Januar lieferbaren Range Rover Hybrid liege bei etwa 120.000 Euro, heißt es bei den Briten. Damit wäre der Hybrid rund 30 Prozent teurer als der V6-Diesel und zehn Prozent teurer als der V8-Selbstzünder. Man muss also verdammt viel unterwegs sein, damit sich das Hybridfahren irgendwann rechnet.

Das werden wir nicht vergessen: Wie behutsam man das Gaspedal streicheln muss, wenn man rein elektrisch fahren möchte. Und wie schnell die Flüsterfahrt wieder vorbei ist. Denn mehr als Tempo 50 und mehr als 1,6 Kilometer Reichweite gibt der Akku selbst im günstigsten Fall nicht her. Das sei auch gar nicht das Ziel gewesen, sagt Entwickler McMurrain. "Der Mischbetrieb ist viel effizienter." Wer weiter und schneller stromern möchte, der muss auf die Plug-in-Hybrid-Variante warten - die angeblich bereits in Arbeit ist.

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insgesamt 27 Beiträge
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1. another Chelsea tractor…
Wile_E_Coyote 28.08.2013
…ist aber ganz praktisch, „umweltfreundliche” fahrzeuge, also hybride wie dieser, sind von der citymaut in London befreit, wer sich nur einen alten Vauxhall Vectra leisten kann, hat halt pech gehabt...
2. Wer will mit so einem Techno-Monster auf die Piste?
dros 28.08.2013
Das Teil ist eine Fehlkonstruktion. Das Auto ist viel zu teuer und technisch zu kompliziert um damit wirklich auf die Piste zu gehen. Zwar wird es hierzulande sowieso nur in der Stadt fahren, allerdings gibt es da bessere Alternativen. Die Range-Rover werden häufig als Rolls-Royce-Ersatz in Schwellenländern gefahren, nur dafür sind die viel zu komplex geworden. Damit traut sich der Despot von heute doch nicht mehr vor die Tür, mit dem Landcruiser oder G aber schon.
3. Schwellen
saywer,tom 28.08.2013
Zitat von drosZwar wird es hierzulande sowieso nur in der Stadt fahren, allerdings gibt es da bessere Alternativen. Die Range-Rover werden häufig als Rolls-Royce-Ersatz in Schwellenländern gefahren, nur dafür sind die viel zu komplex geworden.
Wie ich gestern in der Tagesschau sah, lässt sich sogar Cameron mit so einem Monster in die Downing Street kutschieren. Da scheinen in dem Schwellenland GB die Schwellen besonders hoch zu sein (oder die Löcher in den Strassen noch tiefer als bei uns).
4. Immer diese Dickschiffe...
tgu 28.08.2013
wann kommt endlich aus Europa ein Auto mit Hybrid-Antrieb ähnlich dem Toyota Prius? Diese Technologie ist auf Umweltsich her völlig überflüssig in in diesen Autos (Touareg Hybrid, Panamera Hybrid, S-Klasse Hybrid, Ferrari Hybrid,...), die im Vergleich zur Golfklasse in winzigen Stückzahlen über unsere Straßen Rollen. Der Umwelt ist es ziemlich egal, ob die paar tausend Autos 1 Liter weniger Sprit auf 100 km verbrauchen, aber die Millionen Autos der Golf-Klasse, wenn die nur 0,5 Liter weniger verbrauchen, macht es schon mehr Sinn.
5.
z_beeblebrox 28.08.2013
Zitat von tguwann kommt endlich aus Europa ein Auto mit Hybrid-Antrieb ähnlich dem Toyota Prius? Diese Technologie ist auf Umweltsich her völlig überflüssig in in diesen Autos (Touareg Hybrid, Panamera Hybrid, S-Klasse Hybrid, Ferrari Hybrid,...), die im Vergleich zur Golfklasse in winzigen Stückzahlen über unsere Straßen Rollen. Der Umwelt ist es ziemlich egal, ob die paar tausend Autos 1 Liter weniger Sprit auf 100 km verbrauchen, aber die Millionen Autos der Golf-Klasse, wenn die nur 0,5 Liter weniger verbrauchen, macht es schon mehr Sinn.
Sie haben anscheinend den Sinn der Sache nicht verstanden: Dank dussliger EU-CO2-Gesetze (schöngefärbt durch massive Lobbyarbeit der Autoindustrie) gilt es, die großen Traktoren so umzubauen, dass die EU-Norm hinsichtlich CO2-Ausstoß und vor allem in Bezug auf den CO2-Flottenverbrauch erfüllt wird. Das hat mit Kundenwünschen nix zu tun. Obwohl ich mir vorstellen kann, dass viele Mütter, welche ihre Kinder mit diesen SUVs zum 2 km entfernten Kindergarten fahren, dann stolz ihren Mitstreiterinnen erzählen können, sie haben jetzt einen (ach so) umweltfreundlichen und verbrauchsgünstigen Traktor.
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Fahrzeugschein
Hersteller: Land Rover
Typ: Range Rover Hybrid
Karosserie: Geländewagen/Pickup/SUV
Motor: V6-Diesel + Elektromaschine
Getriebe: Achtgang-Automatik
Antrieb: Allrad
Hubraum: 2.993 ccm
Leistung: 340 PS (250 kW)
Leistung (E-Motor): 48 PS
Von 0 auf 100: 6,9 s
Höchstgeschw.: 218 km/h
Verbrauch (ECE): 6,4 Liter
CO2-Ausstoß: 169 g/km
Kofferraum: 909 Liter
umgebaut: 2.030 Liter
Maße: 4999 / 1983 / 1835
Preis: 120.000 EUR


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