Rasenmäher-Wettrennen: Trecker im Tiefflug

Tiefer gelegt, breite Reifen, frisierte Motoren: Im nordrhein-westfälischen Waltrop liefern sich aufgemotzte Rasenmäher ein wildes Wettrennen - bei dem garantiert nicht ein einziger Grashalm gekrümmt wird.

Rasende Rasenmäher: Trecker im Tiefflug Fotos
DDP

Die Vehikel sind normalerweise eher gemächlich unterwegs. Für die Fahrer geht es gleichmäßig hin und her, auf Geschwindigkeit kommt es nicht an, dafür aber auf Spurtreue. Ein Rasenmäher soll ja Bahn für Bahn jeden Halm erfassen und sauber auf die gewünschte Länge trimmen. Traum eines jeden Großrasenbesitzers sind natürlich nicht die Geräte, die sie mühsam vor sich her schieben müssen, sondern die Selbstfahrer mit Sitz, Fachleute sprechen von einem "Aufsitzmäher", die aussehen wie geschrumpfte Traktoren.

Der eine oder andere wird sich schon überlegt haben, ob es nicht ein bisschen fixer geht, wobei natürlich der gepflegte Powerslide der Feind eines jeden Rasens ist. Also weiter - systematisch rauf und runter, und immer schön vorsichtig um Büsche und Bäume herum.

Nur ein kleiner Ort im Ruhrpott hält sich nicht an diese Rasenmäher-Etikette.

In Waltrop - nördlich von Dortmund, 29.800 Einwohner - lässt die Landjugend einmal im Jahr Rasenmäher rasen. Ein Wettrennen auf freiem Acker, Heuballen markieren den Parcours, es besteht Helmpflicht.

Die Rennmaschinen erinnern allerdings nur noch sehr entfernt an das bekannte zahme Gartengerät. Breite Schlappen mit groben Stollen sind die Regel, die meisten Renner sind tiefer gelegt, die Motoren frisiert - und der Spindelmäher selbstredend abmontiert. Geschätzte 20 PS treiben die Renntrecker auf gefühlte 80 Sachen, laut genug sind sie jedenfalls, es röhrt und dröhnt, wie es beim Motorsport eben krachen muss.

Die Rennleitung schreibt außer Helm allerhand Sicherheitsausrüstung vor: Handschuhe natürlich, Brustpanzer, festes Schuhwerk. Aber die Piloten wagen sich auch in Shorts und T-Shirt auf die Piste. Schnelle Kurvenfahrt wird gelegentlich mit Traktionsverlust bestraft - um es vorsichtig zu formulieren. Deshalb haben die meisten Fahrer eine Kurventechnik entwickelt, bei der sie ihren Renntrecker per Gewichtsverlagerung auf allen vier Rädern halten.

Böse Zungen behaupten, die Zuschauer würden nur wegen der spektakulären Unfälle kommen. Aber vielleicht wollen sie einfach nur sehen, was die Rennzwerge leisten können, wenn man ihnen freien Lauf lässt - und die Fahrer mal so richtig schön Dreck fressen müssen.

oka

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Forum - Diskussion über diesen Artikel
insgesamt 3 Beiträge
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1. Sehr sehr spät
win95c 22.08.2010
Wenn Spiegel-onlinie erst jetzt darauf kommt dann muss ich sagen sehr sehr spät. Das gibt es nicht nur im nordrheinwestfälischen Waltrop sondern schon überall. Da gibt es richtige Meisterschaften u.a. nachzulesen unter www.rasenmaeherrennen.de mit weiterführenden Infos.
2. "bei dem garantiert nicht ein einziger Grashalm gekrümmt wird."
mbberlin, 23.08.2010
Und der Heidendreck, den diese Motoren verblasen, ist natürlich irrelevant. ;-)
3. Spindelmäher?
mee2 23.08.2010
Das dürften in der Regel wohl eher Sichelmäher gewesen sein.
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