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Elektromobilität: Regierung kündigt weitere Förderung von E-Autos an

Stromtankstelle für E-Autos: Bislang weniger als 3000 Ladestationen in Deutschland Zur Großansicht
DPA

Stromtankstelle für E-Autos: Bislang weniger als 3000 Ladestationen in Deutschland

Zu wenige Ladestationen, zu geringe Reichweite: Elektroautos entlasten die Umwelt, finden aber kaum Abnehmer. Nun will die Bundesregierung nachbessern - und nimmt dafür wohl doch Millionensummen in die Hand.

Die Bundesregierung ist für ihr Millionenziel bei Elektroautos zu einer zusätzlichen Förderung der mit Strom angetriebenen Fahrzeuge bereit. Die Elektromobilität habe bei den europäischen Nachbarländern nur mit staatlicher Förderung einen Sprung in der Verbreitung gemacht. "Deutschland wird um eine weitergehende Förderung nicht herumkommen", sagte Bundeskanzlerin Angela Merkel (CDU) am Donnerstag auf der Elektromobilitätskonferenz der Bundesregierung in Berlin.

Die Industrie fordert zum Beispiel eine Sonderabschreibung für Firmenwagen. Die Regierung werde nochmals alle Instrumente studieren. Entschieden sei noch nichts, doch solle noch in diesem Jahr eine Antwort gefunden werden. "Ich habe einigermaßen klare Vorstellungen, was die Bundesregierung noch zu leisten hat", so Merkel.

Die Bundesregierung hat sich vorgenommen, bis 2020 eine Million Elektroautos auf die Straße zu bringen. Bundesverkehrsminister Alexander Dobrindt (CSU) hält daran weiter fest: "Natürlich sind das ambitionierte Ziele", sagte der CSU-Politiker zum Auftakt der großen Konferenz. "Ich glaube, dass wir dieses Ziel erreichen können."

Wunsch und Realität liegen noch weit auseinander

Dabei hinkt der Absatz der klimafreundlichen E-Autos den Regierungszielen bislang hinterher. Anfang 2015 gab es laut Verband der Automobilindustrie (VDA) rund 25.300 steckdosentaugliche Autos. Problem sind vor allem die hohen Anschaffungskosten und die geringe Reichweite.

"Im internationalen Vergleich der Leitmärkte liegt Deutschland im Mittelfeld", erklärten die vier an E-Mobilität beteiligten Bundesministerien. Die Regierung sieht deswegen bei der Entwicklung von Elektroautos in Deutschland Nachholbedarf. Dafür will die Bundesregierung auch in weitere alternative Antriebstechnologien investieren. Zwischen 2016 und 2018 sollen 161 Millionen Euro in die Wasserstoff- und Brennstoffzellentechnik fließen.

Außerdem wird das Netz an Wasserstofftankstellen ausgebaut - bis Ende des Jahres sollen 50 Wasserstofftankstellen in den Metropolregionen und entlang der Hauptautobahnen errichtet werden. Bis 2023 könnten mithilfe der Industrie weitere 350 Tankstellen hinzukommen. Bereits angekündigt hatte Dobrindt, dass Autobahnraststätten quer durch die Republik bis 2017 mit 400 neuen Schnellladesäulen für E-Autos ausgestattet werden sollen.

"Aufpassen, sich und das Projekt nicht lächerlich zu machen"

Auch die deutschen Flughäfen wollen die E-Mobilität ausweiten. "Unser Ziel ist der flächendeckende Einsatz von Fahrzeugen mit E-Antrieb", sagte der Hauptgeschäftsführer des Flughafenverbands ADV, Ralph Beisel, einer Mitteilung zufolge. Er forderte zugleich die Bundesregierung auf, die Anschaffung von Bussen und anderen Fahrzeugen mit E-Antrieb besser zu fördern.

Wirtschaftsminister Gabriel sagte, man müsse aufpassen, dass man nicht durch das beständige Wiederholen "von nicht erreichbaren Zielen am Ende sich und das Projekt lächerlich macht". Er sei dafür, die Ziele dennoch nicht zu reduzieren und sich lieber etwas einfallen zu lassen, um sie zumindest annähernd zu erreichen.

Schon länger war über eine Förderung von E-Autos spekuliert worden. Medien berichteten unter Berufung auf Regierungskreise von einem Paket von rund drei Milliarden Euro bis 2020. Im Gespräch sind auch Sonderabschreibungen für E-Autos in Dienstflotten. Das Finanzministerium prüft nach eigenen Angaben diese Möglichkeit, macht das Instrument aber von einer Begleitfinanzierung durch die Länder abhängig. Von verschiedenen Seiten wird seit Längerem eine weitergehende Förderung gefordert. Die Grünen etwa sind der Ansicht, dass es ohne direkte Kaufprämien von mehreren tausend Euro für Privatkunden nicht geht.

joe/dpa/Reuters

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insgesamt 256 Beiträge
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1. Bei der Energiewende, die uns kein Industrieland der ..
kenterziege 15.06.2015
Welt nachmacht, verbrennen wir das Geld der privaten Stromverbraucher per Umlage. Ergebnis: Doppelt so hoher Strompreis, wie vergleichbare Länder. Beim E-Auto, dass keine Sau haben will ( Originalausspruch eines Nissan-Händlers, der sich gegenüber dem Importeur geweigert hatte teure Standards für die E-Mobilität zu akzeptieren) verbrät der Staat Steuergeld für witzlose Schaufensterprojekte. Alle die Protagonisten sollte sich eine Kernfrage stellen: Wieso verkaufen sich E-Fahrräder ohne staatliche Unterstützung so überwältigend? Könnte es sein, dass die gegenüber dem "Tret"-Rad einen Mehrwert haben, für den man bereit ist das doppelte zu zahlen? Welchen Mehrwert haben e-Autos? Sie haben zu hohen Preisen einen Minderwert. Ich sehe sie nur als Postfahrzeug!
2. Den Umsatz von Produkten mit unausgereifter Technologie zu fördern
Georg_Alexander 15.06.2015
ist in erster Linie INEFFIZIENT. Warum nicht die Forschung und Entwicklung der mobilen Energiespeichertechnologie mit einem Bruchteil des Aufwands öffentlich und direkt fördern? Es gibt zur Zeit keine alternativen Speichertechnologien, die dem Öl den Rang ablaufen könnten. Sicher, davon haben die Automobilhersteller erst langfristig etwas. Und Politiker sind mehrheitlich eher für unausgereifte Schnellschüsse zu haben, die ihnen von den Marketingstrategen der Automobilhersteller eingeflüstert werden... grrrr. Solange für das E-Auto eine Ladezeit von 1 Min. pro Fahrkilometer nicht deutlich unterschritten wird und damit nur eine Reichweite von 150 Kilometer erreicht wird, solange bin ich jedenfalls nicht bereit ein auch noch so subventioniertes E-Auto zu kaufen. Wie unpraktisch sind E-Dienstflotten: Dreifacher Bestand an Fahrzeugen und damit Parkplatzbedarf, da 2/3 der Fahrzeuge immer am Laden sind.
3. Unsere Industrie kann nur bla bla...
piperisch 15.06.2015
"Wir brauchen Förderung! Wir brauchen Subventionen!" Mehr kriegt unsere Industrie nicht hin. Tesla macht es vor. Auto mit genug Reichweite und Komfort gebaut, was natürlich seinen Preis hat. Patente sind freigegeben. Tankstellennetz wird grade hochgezogen. Alles ohne bei Mutti zu betteln.
4. Lächerlich
spiegkom 15.06.2015
"Elektroautos entlasten die Umwelt" --> Da habe ich allerdings schon etwas anderes gelesen. Dobrindt (CSU) "Ich glaube, dass wir dieses Ziel erreichen können." 2 Mio E-Autos bis 2020 (5 Jahre). --> Ich lach mich tot. "Wirtschaftsminister Gabriel sagte, man müsse aufpassen, dass man nicht durch das beständige Wiederholen "von nicht erreichbaren Zielen am Ende sich und das Projekt lächerlich macht". Er sei dafür, die Ziele dennoch nicht zu reduzieren und sich lieber etwas einfallen zu lassen, um sie zumindest annähernd zu erreichen." --> Na also, will sich also doch lächerlich machen. Habe von Siggi nichts anderes erwartet. Ein Träumer, der sich Wirtschaftsminister nennt.
5. Elektromobilität ist genau richtig
pace335 15.06.2015
für die Post oder die Müllabfuhr, aber nicht für den privaten Gebrauch. Naja in einer Großstadt würde vielleicht sogar noch ein Elektroroller sinn machen aber als autoähnliches Gefährt?
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Welche Typen von Elektroautos gibt es?
Reiner Elektroantrieb
Diese Fahrzeuge haben keinen klassischen Antriebsstrang mehr, der vom Motor die Bewegungsenergie auf die Räder überträgt. Stattdessen sind in den Radnaben Elektromotoren, die Energie kommt aus einem Akku, der an der Steckdose aufgeladen werden kann. Weil die Speicherkapazität der Batterien noch nicht mit einem klassischen Automobil vergleichbar ist, haben einige Elektromobile einen sogenannten Range Extender an Bord - einen kleinen Generator, der die Elektromotoren mit Energie versorgt, wenn der Akku leer ist.

Beispiele: Tesla Model S, VW E-Up, VW E-Golf, Renault Zoe, BMW i3, Ford Focus Electric, Nissan Leaf, Mercedes B-Klasse E-Drive
Hybridantrieb
Hybridautos haben zusätzlich zum klassischen Verbrennungsmotor einen Akku an Bord. Wenn der leer ist, springt der Benziner an. Eine Variante sind sogenannte Mild-Hybrid-Systeme, bei denen der Stromantrieb nur parallel unterstützend läuft, um den Benzinverbrauch zu reduzieren. Der Akku wird in der Regel durch Bremskraftrückgewinnung und einen Dynamo geladen. Zukünftige Hybridfahrzeuge sollen aber auch an der Steckdose aufladbar sein.

Beispiele: Toyota Prius, Toyota Prius+, VW Golf GTE, Porsche Panamera S E-Hybrid, Porsche 918 Spyder, Volvo V60 PiH, BMW i8
Brennstoffzellenantrieb
Bei diesen Fahrzeugen tankt man statt Benzin flüssigen Wasserstoff. In einer chemischen Reaktion wird das Hydrogen in der Brennstoffzelle in elektrische Energie umgewandelt, die dann das Fahrzeug antreibt. Anders als bei reinen Elektrofahrzeugen ist die Infrastruktur für den Wasserstoff eine ungelöste Frage. Vorteil der Brennstoffzellenfahrzeuge ist ihre größere Reichweite.

Beispiele: Hyundai ix35, Honda FCX Clarity, Hamburger Nahverkehrsbusse (Mercedes-Benz), Toyota Mirai
Range Extender
Im Gegensatz zu den herkömmlichen Elektroautos haben Range Extender einen Verbrennungsmotor an Bord, der anspringt, wenn die Ladung der Batterie zur Neige geht. Vorteil: Die Reichweite steigt auf das Niveau eines Autos mit konventionellem Antrieb. Vorreiter dieser Spezies ist der Opel Ampera, der die Kraft des Verbrenners aber auch nutzt, wenn die volle Leistung zum Beispiel auf der Autobahn abgerufen wird.

Beispiele: Opel Ampera (baugleich mit Chevrolet Volt), BMW i3 (optional mit Benzinmotor)


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