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26. Februar 2013, 14:44 Uhr

Autogramm Renault Clio Grandtour

Große Klappe, viel dahinter

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Außen kompakt, innen viel Platz - diesen Anspruch erfüllen kleine Kombis. Der jüngste Typ dieser Klasse ist der Renault Clio Grandtour. Der Wagen wurde schicker und billiger als das Vorgängermodell - und wartet mit cleveren Apps auf.

Der erste Eindruck: Trés chic! Wir haben den Clio als Langweiler in Erinnerung, beim Anblick des neuen Renault Clio Grandtour bekommt man geradezu Herzklopfen. Geschickt haben die Designer den Schwung des Fünftürers auf die Kombivariante übertragen. Auch innen ist das Auto optisch gelungen - und beweist Mut zur Farbe.

Das sagt der Hersteller: Produktmanagerin Nadine Belting weiß, dass kleine Kombimodelle in Deutschland nur eine winzige Nische bedienen. "Im vergangenen Jahr wurden in diesem Segment gerade einmal 40.000 Autos verkauft", räumt sie ein. Das Vorgängermodell von Renault hatte daran einen Anteil von etwa zehn Prozent. "Mit dem neuen Modell wollen wir diesen Prozentsatz ordentlich ausbauen", sagt Belting. Konkurrenzfabrikate wie Skoda Fabia Combi oder Seat Ibiza ST sollen vor allem durch ein flotteres, verführerischeres Design abgehängt werden. Selten sei ein derart praktisches Auto so hübsch geraten, wirbt Nadine Belting für den neuen Wagen.

Das ist uns aufgefallen: Frisch und fröhlich - so empfängt der neue Clio die Passagiere. Egal wie trist und grau das Wetter ist, kaum sitzt man vor dem zum Beispiel in knalligem Rot oder auch tiefblau gehaltenem Armaturenbrett mit der im Stil eines Tablet-Computers eingefassten Mittelkonsole und greift zum Lenkrad mit den lackierten Speichen, kommt Freude auf. Von einem Sparkurs, der sonst oft das Innenleben solcher Kleinwagen bestimmt, bemerkt man hier nichts.

So munter wie das Design ist auch der Motor. Aus 1,5 Litern Hubraum holt der Diesel des Testwagens 90 PS und 220 Nm, mit denen man zügig durch die Landschaft schnürt. Allerdings würde dem Getriebe ein sechster Gang gut zu Gesicht stehen, wobei der Wagen auch mit antiquiertem Fünfgang-Räderwerk auf einen Normverbrauch von vorbildlichen 3,6 Litern kommt. Und auch etwas mehr Schallschutz könnte nicht schaden. Doch der Vierzylinder hängt gut am Gas, dreht beim Überholen bereitwillig und spontan hoch und wirkt alles in allem dynamischer, als es die Zahlen auf dem Datenblatt vermuten lassen.

Mit dem Kombimodell führt Renault außerdem für alle Clio-Modelle das neue Infotainment-System R-Link ein. Neben der Internetanbindung gehört zu dem System auch ein eigener App-Store. Dort gibt es bislang - zum Teil sogar kostenlos - rund 50 kleine Programme, die einem den Autofahreralltag erleichtern oder die Wartezeit im Stau verkürzen sollen. Das Angebot reicht vom E-Mail-Vorleser über ein Nachrichtenportal, einen Verbrauchstrainer bis hin zum persönlichen Horoskop. Selbst der Motor lässt sich online tunen - zumindest akustisch. Denn mit der App "R Sound Effect" reicht ein Knopfdruck, dann dröhnt, passend zur Drehzahl, ein fetter V8-Motor oder spaciger Ufo-Sound aus den Boxen.

Das muss man wissen: Der Kombi ist gut 20 Zentimeter länger als der Fünftürer und bietet bei nun 4,27 Meter Länge entsprechend mehr Platz. Statt 300 fasst der Kofferraum hier 443 Liter und lässt sich durch Umklappen der Rücksitzlehnen auf 1380 Liter vergrößern. Das sind rund hundert Liter mehr als beim Vorgängermodell, aber nicht ganz so viel wie beim Skoda Fabia Combi (480-1460 Liter). Dazu kommt im Renault ein 85 Liter großes Fach unterhalb des Ladebodens. Wem die normale Ladelänge von 1,62 Metern nicht genügt, der kann auch noch den Beifahrersitz flachlegen und so zum Beispiel Schrankwandbretter von knapp 2,50 Metern transportieren.

Wie den normalen Clio gibt es auch den Grandtour zunächst mit vier Motorisierungen. Zwei Benziner mit 74 und 90 PS und zwei Dieseln, die aus 1,5 Litern 75 oder 90 PS schöpfen, stehen zur Wahl. Weil der Kombi genau wie der Fünftürer um mehr als einen Zentner leichter wurde und serienmäßig mit einer Start-Stopp-Automatik bestückt ist, geht der Verbrauch um bis zu 20 Prozent zurück. Die Diesel schlucken beide mit 3,6 Liter je 100 Kilometer, die Verbrauchswerte der Benziner liegen zwischen 4,5 und 5,5 Liter.

Der Verkauf des Clio Grandtour beginnt Anfang April zu Preisen ab 13.800 Euro. Das sind genau 1000 Euro mehr als beim Fünftürer - aber 400 Euro weniger als beim Vorgängerauto.

Das werden wir nicht vergessen: Das Erschrecken beim Blick auf die Ladekante des Kombi. Die ist zwar so niedrig, dass man die Koffer ohne Kraftakt in den Wagen wuchten kann. Doch in den besseren Ausstattungsvarianten besteht sie aus einer glänzende Kunststoffplanke, die wirkt, wie mit schwarzem Klavierlack überzogen. Das sieht klasse aus, aber sicher nur ganz kurz. Zumindest an dieser Stelle des Autos wäre weniger mehr gewesen.

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