Deutsche Umwelthilfe Auch bei Renault verdächtig hohe Abgaswerte gemessen

Erst Opel, jetzt Renault: Im Zuge der VW-Abgasaffäre hat die Deutsche Umwelthilfe erneut die Herstellerangaben zu Stickoxid-Emissionen in einem Labor nachprüfen lassen. Dabei ergaben sich wieder Ungereimtheiten.

Espace im DUH-Test: "Werte, die wir in dieser Höhe noch nie gemessen haben."
Deutsche Umwelthilfe

Espace im DUH-Test: "Werte, die wir in dieser Höhe noch nie gemessen haben."


Die Deutsche Umwelthilfe (DUH) erhebt erneut Vorwürfe gegen einen Autohersteller. Bei Abgastests seien bei einem Renault Espace mit Dieselmotor hohe Abweichungen von den vom Hersteller angegebenen Stickoxid-Emissionen festgestellt worden. Bei mehreren Messungen mit dem Familienwagen sei der Grenzwert um das 13- bis 25-Fache überschritten worden. Das teilte die DUH auf einer Pressekonferenz in Berlin mit.

Vor einigen Wochen hatte die DUH ähnliche Abweichungen bei einem Opel Zafira festgestellt. Wie schon bei der vorangegangenen Untersuchung ließen die Umweltaktivisten nun auch den Renault Espace von der Abgasprüfstelle der Berner Fachhochschule testen.

Nach Angaben der DUH wurden im Schweizer Prüflabor mehrere Messungen im offiziellen NEFZ-Prüfzyklus durchgeführt. Dabei sei der Wagen teils nach den Vorschriften des offiziellen Testverfahrens sogenannten Vorkonditionierungen unterzogen worden.

Die Vorkonditionierungen werden bei den Fahrzeugen vor den eigentlichen Tests vorgenommen, um eine Vergleichbarkeit herzustellen. Um zum Beispiel zu gewährleisten, dass nicht Ablagerungen im Brennraum die Messergebnisse während des Zyklus negativ beeinflussen, besteht ein Teil der Vorkonditionierung darin, den sogenannten Außenstadtanteil des NEFZ-Zyklus zu fahren, und zwar exakt drei mal. Diese dreifache Wiederholung ist gesetzlich vorgeschrieben, wird also vor jeder Messung durchgeführt - und ist deswegen von einer Software einfach als Konditionierung zu erkennen.

Bei den Tests in der Schweiz sei der Espace aber teils auch unter abweichenden Bedingungen oder gar nicht vorkonditioniert worden. Dabei ergaben sich laut DUH auffällige Schwankungen:

  • Bei Tests mit warm gefahrenem Motor seien NOx-Emissionen von bis zu 2061 mg/km gemessen worden. Nach der Euro-6-Norm für Dieselfahrzeuge sind 80 mg/km erlaubt.

  • Eine Einhaltung beziehungsweise Unterschreitung des Grenzwertes habe sich bei zwei Zyklen mit kaltem Motor und einer Vorkonditionierung mit Außenstadtzyklus ergeben.

  • Eine Messung mit kaltem Motor und Vorkonditionierung mit einem NEFZ-Zyklus habe ebenfalls eine Überschreitung mit einem Wert von 235 mg NOx/km ergeben.

  • Die Abgasprüfstelle der Berner Fachhochschule kommt laut DUH in ihrem Prüfbericht zu folgendem Ergebnis: "Die gemessenen NOx-Werte von sechs NEFZ-Messungen überschreiten den Grenzwert von 80 mg/km. Zwei Tests zeigen Werte tiefer als 80 mg/km."

Der Renault Espcace habe bei den Tests nur dann gut abgeschnitten, sagte DUH-Chef Jürgen Resch, wenn er wie vorgeschrieben auf die am Folgetag stattfindende Prüfungen vorbereitet worden sei. Aber: "Alle Abweichungen in der Vorkonditionierung beziehungsweise Tests mit warmem statt kaltem Motor führten zu Dieselabgaswerten, die wir in dieser Höhe noch nie gemessen haben", sagte Resch.

Renault will Testergebnisse "analysieren und aufklären"

Warum seine Organisation gerade den Renault Espace 1.6 dCi mit Baujahr 2015 als Testfahrzeug wählte, erklärte Resch so: Der Wagen sei "in anderen Tests mit erschreckend hohen Realemissionen aufgefallen".

Renault betonte, dass alle im Verkauf erhältlichen Modelle den vorgeschriebenen Werten entsprächen. "Im August hat der ADAC das gleiche Espace Modell ebenfalls getestet und festgestellt, dass die Normwerte eingehalten werden", teilte das Unternehmen mit.

"Renault wird schnellstmöglich alle nötigen Maßnahmen ergreifen, um die Testergebnisse zu analysieren und aufzuklären." Die angewandten Testverfahren seien nicht durchgängig konform mit den Regelmessverfahren, argumentierte der Autobauer. "Wie in dem Bericht der Universität vermerkt, ergaben die Tests breit gestreute Ergebnisse und erfordern "weitere Messungen"."

Resch richtete sich in einer Mitteilung zu den Testergebnissen an die Politik: "Wir fordern das Bundesverkehrsministerium dazu auf, sowohl den bereits vor einem Monat übermittelten Prüfbericht über einen Opel Zafira Diesel als auch diese neuen Prüfergebnisse zum Anlass zu nehmen, um eigene behördliche Nachprüfungen anzustellen."

Solche Nachprüfungen sind bereits vom Kraftfahrt-Bundesamt vorgenommen worden; die Behörde hatte dazu vor zwei Wochen mitgeteilt, dass neben den Autos von Volkswagen auch bei anderen Herstellern "erhöhte Abgaswerte" festgestellt worden seien.

Das KBA verschweigt bisher jedoch die betroffenen Autobauer - die Messergebnisse würden zuerst mit den Autoherstellern und anderen Behörden besprochen und ausgewertet. "Erst danach liegen rechtlich belastbare Ergebnisse vor", hieß es. Auf Anfrage von SPIEGEL ONLINE teilte das KBA am Montag mit, dass es dafür noch keinen Termin gebe.

Auslöser des Abgasskandals war ein Geständnis von VW. Mitte September musste der Konzern gegenüber der amerikanischen Umweltbehörde EPA einräumen, im großen Stil bei Abgasprüfungen manipuliert zu haben. Anfänglich waren von dem Skandal nur Dieselmodelle betroffen, inzwischen ist klar, dass VW auch die Verbrauchswerte von Benzinfahrzeugen in Deutschland falsch angegeben hat. Weltweit sind mehr als elf Millionen Autos von dem Skandal betroffen.

Anmerkung der Redaktion: In einer früheren Version des Textes hieß es, der getestete Renault Espace stamme aus den Modelljahren 2009 bis 2015. Das ist falsch; tatsächlich zählt der Wagen zur neuesten Baureihe des Espace, die erst seit 2015 auf dem Markt ist.

cst/dpa



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insgesamt 114 Beiträge
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Seite 1
tommyblux 24.11.2015
1. Oh...
Welch Überraschung!
dlmb 24.11.2015
2.
Ich glaube diesen DUH-Typen nichts mehr. Warum die Medien den überhaupt noch eine Plattform für ihre Spielchen geben, ist mir unklar. Sinnvoller ist es, auf die Ergebnisse der KBA-Tests zu warten.
bloub 24.11.2015
3. wen wundert es?
wenn alle marken prüft, wird man bei jeder etwas finden, weil alle betrügen bei dem thema.
jasper366 24.11.2015
4.
Zitat von dlmbIch glaube diesen DUH-Typen nichts mehr. Warum die Medien den überhaupt noch eine Plattform für ihre Spielchen geben, ist mir unklar. Sinnvoller ist es, auf die Ergebnisse der KBA-Tests zu warten.
Naja, die nutzen jetzt die Situation um wieder mal auf sich aufmerksam zu machen. Wahrscheinlich läuft die Abmahngeschichte nicht mehr so und man braucht wieder Geld... Aber wirklich schade das sich Spiegel und Co dazu hinreißen lassen, jedesmal deren gequirlte K*** zu übernehmen und einen Artikel schreiben.
rexsayer 24.11.2015
5. Und erst Dacia ! Wie sieht es da aus ?
Dacia kost doch fast nix.
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