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Renault will nach Nordamerika: Nie wieder ein "French car"

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Rückkehr nach Nordamerika: Renault Twizy soll es richten Fotos
Renault

Zwei Anläufe, zweimal ist Renault gescheitert - jetzt soll es klappen. Die Franzosen wollen zurück nach Nordamerika. Schaffen soll das der Elektro-Stadtwagen Twizy.

Québec City - Fortschrittlich, radikal, spartanisch - irgendwo in diesem Spannungsfeld bewegt sich der Twizy von Renault. Mit ihrem Elektro-Zweisitzer wollen die Franzosen in Nordamerika wieder Fuß fassen. Dort, wo Renault nach zwei gescheiterten Anläufen sich Anfang der Achtzigerjahre vom Markt zurückgezogen hat, dort wo "French car" noch heute als geflügeltes Wort für mieses Auto steht.

Renault ist jedenfalls seither weder in den USA noch Kanada vertreten. Zwar steht der Allianzpartner Nissan ganz gut da in den beiden Ländern, mit seiner Luxustochter Infiniti sogar auf Augenhöhe mit Premiumherstellern wie BMW und Mercedes-Benz. Aber die französische Kernmarke Renault hat das bislang nicht geschafft.

Medienberichten zufolge soll zunächst über Kanadas französischsprachige Region Québec die Rückkehr gelingen. Das Fahrzeug, mit dem der Sprung über den Atlantik endlich klappen soll, ist der Twizy. Nach eigenen Angaben hatte Renault 2014 weltweit insgesamt 14.160 verkauft. Zum Vergleich: In Deutschland konnte Renault vom Twizy im vergangenen Jahr gerade einmal 573 Neuzulassungen verbuchen. Verglichen mit anderen Fahrzeugen sind die Verkaufszahlen gering. Wieso also ausgerechnet mit dem?

Radikaler Neuanfang mit dem Nichtauto

Der Elektro-Stadtwagen könnte genau das sein, was Renault in Nordamerika braucht: einen Neuanfang. Das Konzept des Twizy ist als Ein-plus-ein-Sitzer radikal wie innovativ - aber auch nur geeignet für den Stadtverkehr. Mit dem Verzicht auf jeglichen Überfluss ist er konsequent auf Alternativauto getrimmt und als Elektrofahrzeug umweltfreundlich (sofern nur mit regenerativ erzeugtem Strom betankt).

Renault-Nissan-Chef Carlos Ghosn hatte mehrfach betont, dass er eine Rückkehr auf die andere Seite des Atlantiks für möglich hält. Auf der am Dienstag öffnenden Québec International Auto Show werden die Franzosen den Twizy ausstellen. Ist das der Startschuss?

Einem Bericht der Zeitung "Le Soleil" zufolge hat Emmanuelle Desbrosse, Leiterin der Elektroautosparte von Renault, bestätigt, dass das Unternehmen den Stadtflitzer in Kanada zur Zulassung eingereicht hat. Dabei soll es sich sowohl um den Ein-plus-ein-Sitzer als auch die Transportervariante mit nur einem Sitz, den Twizy Cargo, handeln.

Dabei ist der Twizy rechtlich gar kein Auto, sondern ein Quad - wodurch für ihn andere Maßstäbe gelten als für normale Autos. Die Sicherheitsansprüche an einen normalen Pkw erfüllt das Quad nicht, wie Crashtests belegen. Die geringen Anforderungen dürften den Franzosen jedoch dabei helfen, den Wagen auch in Nordamerika zu verkaufen - da teure Anpassungen an regionale Sicherheitsvorgaben entfallen. Und Renault könnte mit dem Nichtauto in einem der größten Märkte endlich wieder Autos verkaufen.

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Forum - Diskussion über diesen Artikel
insgesamt 65 Beiträge
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1. Ausgerechnet in den USA
aga100 02.03.2015
Das Kistchen kann Renault vielleicht ein paar mal im Silicon Valley an die neuen Jungmillionäre der IT-Branche verkaufen. Weiterer dort Erfolg ist auszuschließen.
2. Verzicht auf jeglichen Überfluss
Neumann_Alfred 02.03.2015
Warum dann der zweite Sitzplatz. Hätte man an dessen statt Stauraum, mehr Akkus oder sonstwas gemacht: Prima. So wird das Teil doch zu 95 Prozent mit einer Person fahren - dafür fehlt aber dann bei jeder zweiten Fahrt... Ach was soll's. Sobald der Einsitzer kommt, kaufe ich mir einen. In meinem Smart ärgere ich mich jeden Tag darüber, dass ich immer alles auf den Beifahrersitz stellen muss und das dann durch die Gegend fliegt, wenn man mal bremsen muss.
3. Wer soll den bitte kaufen?
Reza Rosenbaum 02.03.2015
Das einzige sinnvolle Einsatzfeld fuer diesen Flitzer scheint das schnelle von A nach B in Grossstaedten zu sein. Schon fuer das Pendeln in die Vorstaedte ist er ungeeignet, weil er weder die Geschwindigkeit auf den Hauptverkehrsadern mitgehen kann, noch in irgendeiner Form sicher waere, wenn er denn mit einem "normalen" Verkehrsteilnehmer zusammenstossen sollte. Man kann auch weder die Kinder damit zu Hockeytraining bringen, noch den Hund mitnehmen oder Einkaufen fahren, noch kann man damit abseits befestigter Strassen herumfahren. Der Twizy ist daher eine eher unglueckliche Kreuzung aus Quad und Kabinenroller, er vereint aber leider die negativen Elemente beider Fahrzeuge miteinander. Fuer den Stadverkehr nicht wendig genug (man wird sich kaum an roten Ampeln oder im Stau an der Blechlawine vorbeidraengeln koennen, wie mit einem Roller), fuer das Offroaden, wofuer die meisten Leute ein Quad benutzen, ueberhaupt nicht geeignet, selbst fuer's umherkurven auf dem Golfplatz ist das Ding untauglich, weil nur eine Person darin Platz findet. Das Gefuehl der Freiheit, die bei einem nicht ueberdachten Quad aufkommt, ist durch die Kabine genommen. Trotzdem kommt kein Gefuehl von Sicherheit auf, bei dem Gewicht und der kleinen Karosse. Wer soll das also kaufen? Vielleicht ein paar car-sharing Anbieter, als novelty gag, aber wer wird sich ernsthaft so ein Auto leihen, mit dem man weder den Wocheneinkauf noch einen Buerostuhl, noch einen anderen Menschen transportieren kann? Vielleicht ein paar Firmen, deren Mitarbeiter lange Wege zuruecklegen muessen? Aber da gibt es schon etliche Konkurrenz, vom Golfwaegelchen bis zum Balancierroller, und normalerweise benoetigt man nicht einen derartig grossen Akku und keine derartig grosse Geschwindigkeit. Fuer die Stadt zu gross und stark, fuer alles andere zu schwach. Ein Produkt ohne erkennbare Attraktivitaet fuer Verbraucher. So wird das nichts, Renault...
4. F150/RAM/Silverrado/Sierra vs Twizy
antiantianti 02.03.2015
Na, viel Spass dann, wenn ein Pickup im Rueckspiegel immer groesser wird.
5.
syracusa 02.03.2015
Zitat von aga100Das Kistchen kann Renault vielleicht ein paar mal im Silicon Valley an die neuen Jungmillionäre der IT-Branche verkaufen. Weiterer dort Erfolg ist auszuschließen.
Sie sind beachtlich kurzsichtig. Alleine schon der Markt an kleinen Pizzaflitzern dürfte etliche 100.000 Stück umfassen. In Städten wie New York ist dieser Flitzer die Lösung der Mobilitäts- und Platzprobleme. Nur die Taxifahrer werden sich ärgern.
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