Von Tom Grünweg
Wenn die Firma RM Auctions am 11. und 12. Mai in Monaco den Hammer schwingt, geht es um einen Ferrari-Typ, der sehr viel außergewöhnlicher ist, als die üblichen Modelle des italienischen Herstellers. Denn unter den mehr als hundert klassischen Sport- und Rennwagen, die versteigert werden, kommt auch ein spektakuläres Rennboot unter den Hammer - und zwar von Ferrari.
"Arno XI" heißt das Wasserfahrzeug, mit dem der italienische Millionär Achille Castoldi 1953 einen Geschwindigkeits-Weltrekord aufstellte: 241,708 km/h schnell jagte der Skipper übers Wasser - das machte Castoldi berühmt und das 6,20 Meter lange Holzboot zu einer Legende. Es handelt sich um ein sogenanntes Hydroplane, das wie ein Katamaran geschnitten ist und sich bei Vollgas fast wie ein Tragflügelboot aus dem Wasser hebt.
Den Motor des Speedboots kaufte Castoldi in Maranello bei der damals noch jungen Firma Ferrari ein. Zugute kam ihm dabei seine Freundschaft mit dem damaligen Formel-1-Rennfahrer Alberto Ascari, der wiederum einen Kontakt zu Enzo Ferrari herstellte. Signore Ferrari rückte schließlich den potentesten Zwölfzylindermotor heraus. Es war eines jener Tipo-375-Aggregate, mit denen die Scuderia zwei Jahre zuvor ihren allerersten Grand-Prix-Sieg eingefahren hatte.
Leistungsspritze für die Rekordfahrt
Für den Einsatz auf dem Wasser wurde der 4,5 Liter große V12 von den Renningenieuren in Maranello noch einmal getunt: Auf den Treibstoff Methanol umgerüstet und mit zwei Kompressoren bestückt, steigerten sie die Leistung des Kraftwerks von etwa 400 auf mehr als 600 PS - ein wesentliche Voraussetzung für die erfolgreiche Rekordfahrt vom 15. Oktober 1953.
Nach einem schweren Unfall mit einem anderen Boot beendete Castoldi seine Karriere wenig später. Die "Arno XI" wurde danach eingelagert, verkauft, ein wenig modifiziert, noch einmal zu Wasser gelassen, wieder eingemottet und dann irgendwann in einer Papierfabrik in den Vororten von Mailand vergessen.
Erst Ende der neunziger Jahre tauchte das Boot wieder aus der Versenkung auf. Ein Sammler kaufte es und ließ es mit Hilfe von Ferrari restaurieren. Seitdem ist es der Star bei historischen Rennen und Oldtimertreffen in den Häfen der Welt. Wer den Zuschlag für Lot-Nummer 371 erhalten möchte, muss tief in die Tasche greifen: Der Schätzpreis liegt bei einer bis 1,5 Millionen Euro.
Für alle, die bei der Auktion in Monaco den Kürzeren ziehen, hier noch ein schöner und vor allem preiswerter Trost: Pünktlich zur Versteigerung erscheint "Arno XI" für jedermann - als ferngesteuertes Modell-Spielzeug für nicht einmal 200 Euro.
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