Rennfahrerlegende Rosemeyer: Der Vollgas-Virtuose

Von Jürgen Pander

Er fuhr als erster Mensch schneller als 400 km/h und gewann Autorennen nach Belieben. Doch als Bernd Rosemeyer einen weiteren Rekordversuch unternahm, kam er ums Leben - von der Straße gefegt durch eine Windböe. Die Geschichte einer Legende, die jetzt 100 Jahre alt geworden wäre.

Bernd Rosemeyer: Idol im Overall Fotos

"Er konnte mit solcher Vollkommenheit Auto fahren, mit solcher Virtuosität, dass er bis an die Grenze der Perfektion kam, bis an die Grenze des Möglichkeiten, die einem Menschen in der Beherrschung der Maschine gegeben sind." Geradezu hymnisch schrieb Richard von Frankenberg, Autor diverser Rennfahrer-Biografien, über Bernd Rosemeyer. Neben Rudolf Caracciola war Rosemeyer der große deutsche Autorennfahrer der dreißiger Jahre. Ein Held, ein Idol, ein Mann, dem alles in rasantem Tempo zu gelingen schien.

Rosemeyer wuchs in Lingen an der Ems auf - in einem katholisch geprägten Elternhaus, das von Biografen als weltoffen und tolerant beschrieben wird. Sportlich war die Großfamilie obendrein; Rosemeyers Onkel Josef nahm 1896 an den ersten Olympischen Spielen der Neuzeit als Radrennfahrer teil. Bernd Rosemeyer, der seine Ausbildung in der Werkstatt seines Vaters absolvierte, war leidenschaftlicher Motorradfahrer und fuhr Rennen auf Grasbahnen und auf der Straße.

Die Tempojagd wurde zu seinem Beruf, als er 1932 von der Motorradfirma NSU als Werksfahrer verpflichtet wurde; im Jahr darauf wechselte er zu DKW. Im Oktober des Jahres 1934, Rosemeyer war gerade 24 Jahre alt, bestand er bravourös eine Prüfung für Nachwuchsrennfahrer auf dem schwierig zu beherrschenden Mittelmotorrennwagen der damaligen Auto Union. Prompt wurde er neben Hans Stuck und Achille Varzi ins Auto-Union-Werksteam geholt - und nun nahm der kometenhafte Aufstieg zum Vollgas-Heroen erst richtig Fahrt auf.

Schon bei seinem zweiten Rennen im Auto-Union-Silberpfeil auf dem Nürburgring erregte Rosemeyer die Aufmerksamkeit der Rennsportszene, als er hinter dem damals schon legendären Rudolf Caracciola auf Platz zwei ins Ziel schoss. Ein neuer Star des Automobilrennsports war geboren. Groß gewachsen, lebenslustig, wagemutig und von athletischem Aussehen, war Rosemeyer sofort ein Publikumsliebling.

Ein Held, der dem Nazi-Ideal perfekt entsprach

Rasch erkannte auch der NS-Staat das propagandistische Potential des jungen Mannes. Rosemeyer war Mitglied der SS - offenbar war er beigetreten, um das Ziel des Berufsrennfahrers erreichen zu können. Aufgrund seiner Rennsiege wurde er bis zum Hauptsturmführer der SS befördert, obwohl er bei der Organisation nie aktiv war.

Der Schriftsteller Victor Klemperer schrieb über Rosemeyer: "Das einprägsamste und häufigste Bild des Heldentums lieferte in der Mitte der dreißiger Jahre der Autorennfahrer: nach seinem Todessturz steht Bernd Rosemeyer eine Zeitlang fast gleichwertig mit Horst Wessel vor den Augen der Volksphantasie."

Die Verehrung für den Rennfahrer gründete in seinem außerordentlichen Erfolg. Noch in seinem Autorenn-Debütjahr 1935 errang Rosemeyer seinen ersten Grand-Prix-Sieg, nämlich am 29. September in Brünn. Im darauf folgenden Jahr war der neue Auto-Union-Star nicht mehr zu stoppen: Er gewann die Großen Preise von Deutschland, der Schweiz und Italien, er siegte beim Eifelrennen und bei mehreren Bergrennen - am Ende der Saison war Rosemeyer Europameister.

Der erste, der den Nürburgring in weniger als zehn Minuten umrundete

Am 13. Juli hatte der erfolgreiche Rennfahrer die ebenso bekannte Fliegerin Elly Beinhorn geheiratet. Sie waren eines der Glamourpaare der dreißiger Jahre. Sie hatten einen gemeinsamen Sohn, Bernd Rosemeyer jr., der kürzlich ein Denkmal für seinen Vater am Nürburgring einweihte. Das Denkmal soll auch daran erinnern, dass Bernd Rosemeyer beim Eifelrennen des Jahres 1937 als erster überhaupt in weniger als zehn Minuten die legendäre Nordschleife umkurvte.

Es war die Zeit der Rekorde, und Rosemeyer war einer der Protagonisten. Beim Avus-Rennen in Berlin erreichte er mit seinem stromlinienförmig verkleideten Auto-Union-Rennwagen Typ C auf der langen Geraden eine Geschwindigkeit von 380 km/h. Und bei Rekordfahrten auf der Autobahn zwischen Frankfurt und Darmstadt raste er als erster mit mehr als 400 km/h dahin.

Eine Böe warf den Wagen bei mehr als 400 km/h aus der Bahn

An gleicher Stelle fanden am 28. Januar 1938 erneut Rekordfahrten statt. Rudolf Caracciola hatte an diesem Tag in einem Mercedes bereits eine neue Bestmarke gesetzt. Er wurde mit 432,6 km/h gestoppt. Als Caracciola an den Start zurück kam, machte sich dort bereits Rosemeyer bereit. Caracciola soll ihn noch vor den tückischen Windböen gewarnt haben.

Rosemeyer startete trotzdem. Bei mehr als Tempo 430, so heißt es in einschlägigen Berichten, habe eine Böe den vollverkleideten Rennwagen von der Seite erfasst und sich mehrmals überschlagen lassen. Rosemeyer war sofort tot - die Unfallstelle sah aus wie nach einem Flugzeugabsturz.

Filmaufnahmen dieser Schicksalsfahrt werden jetzt, zum 100. Geburtstag des Ausnahmerennfahrers, im Rahmen des Symposiums "100 Jahre Bernd Rosemeyer" im Hamburger Museum Prototyp gezeigt. An der Veranstaltung nehmen auch Bernd Rosemeyer jr. sowie die Autoren der jüngsten Rosemeyer-Biografie, Gianni Cancellieri und Cesare di Agostini, teil.


"Lebe mit voller Drehzahl...": Ausstellung 100 Jahre Bernd Rosemeyer, ab 14. Oktober 2009 im Museum Prototyp in Hamburg, www.prototyp-hamburg.de

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1. Bitte geben Sie einen Titel für den Beitrag an!
Rainer Helmbrecht 13.10.2009
Zitat von sysopEr fuhr als erster Mensch schneller als 400 km/h und gewann Autorennen nach Belieben. Doch als Bernd Rosemeyer einen weiteren Rekordversuch unternahm, kam er ums Leben - von der Straße gefegt durch eine Windböe. Die Geschichte einer Legende, die jetzt 100 geworden wäre....
Meine Eltern waren begeisterte Anhänger Bernd Rosemeyers und so bekam ich als 2. Vornamen den Namen Bernd, der in unserer Familie sonst nicht vorkam. Seine Geschichte wurde mir auch an jedem meiner Geburtstage mit leuchtenden Augen erzählt. Die Begeisterung verschwand, als ich so mit 15 kleine Ausflüge mit Vaters Auto unternahm, aber das war ich meinem Namensgeber einfach schuldig;o). MfG. Rainer
2. Nordschleife
Dr Kirsch 13.10.2009
Lassen wir einen Rennfahrer der aktuellen F1 Saison mit einem Wagen, wie ihn Herr Rosemeyer hatte um die Nordschleife fahren. Die heutige F1 wäre unmittelbar entzaubert. Ich gehe davon aus, daß kein aktueller Fahrer diesen Vergleich mit damaliger Technik gegen die damaligen Rundenrekorde antreten wollte. Das ein aktuelles Audi Modell, sinnvoller Weise ein R8 Derivat, den Namen "Rosemeyer" trägt ist mehr als überfällig.
3. Hauptsturmführer Rosemeyer
stanis laus 13.10.2009
Muss man den wirklich wieder aus dem Grab holen? Den Nazi-Propagandisten? Michael Schumacher ist besser.
4. SS-Mitglieder
gardie45 13.10.2009
Seit 60 Jahren lese ich immer wieder fasziniert, warum der oder der in der SS war: Der eine wegen der Pferdchen (Reiter-SS), der nächste wegen der schicken Uniform und "Rosemeyer war Mitglied der SS - offenbar war er beigetreten, um das Ziel des Berufsrennfahrers erreichen zu können". Und immer wieder in mir die bange Frage, ob es denn in der SS auch richtige Nazis gab, die einzig und allein dieser Organisation "offenbar ... beigetreten" waren, um als überzeugte Nazis bei dem neuen Elite-Orden ihr Bestes zu geben. Darüber sollte viel mehr wissenschaftlich geforscht werden, vielleicht gipfelnd in einem Abschluss-Symposium "War Hitler Nazi?"
5. Widerlich
autocrator 13.10.2009
Das ist ein ekelerregender jubelartikel über einen ekelerregenden menschen, der mit seiner gänzlich sinnfreien beschäftigung sich mit daran schuldig gemacht hat, den problemen der menschheit durch ein völlig unvernünftiges individual-mobilisiertes transportwesen ein paar weitere hinzuzufügen. Statt jubelpropaganda für die Michael Schumachers dieser welt zu machen, sollten diese als demagogoische propagandisten für ein system, das sich schuldig macht z.B. an überflutungsopfern infolge der klimaerwärmung infolge des CO2-ausstoßes u.a. des individualverkehrs, 1. genau als solche bezeichnet werden und 2. vor ein ressourcen- und klimaverbrecher-tribunal gestellt werden. aber wie bei den nazis wird ja hinterher keiner was gewusst haben wollen.
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