Riesen-Reise-Enduros Hochsitz für Weltenbummler

Großvolumige, geländegängige Reisemotorräder gehören zu den imposantesten Erscheinungen auf zwei Rädern. Die Hersteller BMW und Aprilia haben zwei neue Maschinen für die Fernreise im Angebot.


Die Münchner Marke hat die Motorrad-Spezies der Reiseenduro vor 22 Jahren ins Leben gerufen. Damals kam das erste Modell der inzwischen bestens etablierten GS-Baureihe auf den Markt. Etwa 150.000 Exemplare wurden bis heute weltweit verkauft. Viermal siegte ein GS-Motorrad beim Durchhalte-Klassiker Paris-Dakar. Die Bikes, die bei der Wüstenrallye zum Einsatz kamen, sahen dem Ungetüm, das BMW jetzt auf die Räder gestellt hat, ziemlich ähnlich. Seit wenigen Wochen verkaufen die Bayern das Modell 1150 GS Adventure, so etwas wie der Obelix der GS-Baureihe.

BMW 1150 GS Adventure: der Obelix in der GS-Baureihe

BMW 1150 GS Adventure: der Obelix in der GS-Baureihe

Mit diesem Bike möchte BMW einmal mehr demonstrieren, dass die wirklich dicken Endurobrummer das weiß-blaue Emblem auf dem Tank tragen. Der Motor, ein Zweizylinder-Boxer mit 85 PS (63 kW) entspricht dem der anderen großen GS-Modelle. Das Sechsgang-Getriebe wurde allerdings ein wenig anders abgestuft als bei der Normal-Version, dazu sind die Federwege der Adventure länger. Auffällig aber ist vor allem die Ausstattung des Fernweh-Monstrums: Das Windschild ist groß genug, um bis ungefähr 140 km/h den Fahrer weitgehend wirbelfrei vorwärts kommen zu lassen. Oberhalb dieser Geschwindigkeit, und das rund fünf Zentner schwere Motorrad (253 Kilogramm) läuft knapp 190, wird es turbulent im Sattel.

Also ist es sinnvoll, die Gashand ein wenig zu entspannen und bei gediegenem Tempo die Annehmlichkeiten der riesenhaften BMW zu genießen. Zum Beispiel lassen sich die Lenkergriffe beheizen und die Sitzposition ist ausgesprochen kommod. Schwierig wird es für durchschnittlich große Menschen nur, wenn die Maschine zum Stillstand kommt. Dann reichen nämlich gerade mal die Fußspitzen bis zum Boden, und es kann zu heiklen Balanceakten kommen.

Die Adventure sieht schon in der Normalverfassung schwer nach Weltenbummelei aus. Richtig abenteuerlich aber wird es, wenn die zahlreichen und zugleich teuren Zubehörteile, die sich BMW für das Modell ausgedacht hat, montiert sind. Zum Beispiel gehört dazu ein 30-Liter-Tank (sonst 22 Liter), ein Gepäckträgersystem mit drei Boxen, die insgesamt 105 Liter Stauvolumen bieten, Motorschutzbügel, Nebelscheinwerfer oder einem Schutzgitter für den Scheinwerfer. Der Grundpreis von 11.200 Euro lässt sich mit diesen und anderen Extras schnell auf mehr als 13.000 Euro hochtreiben.

Aprilia Caponord: leichter und lässiger als die BMW

Aprilia Caponord: leichter und lässiger als die BMW

Da fährt man mit der Aprilia Caponord ein wenig günstiger. 11.990 Euro kostet das Motorrad in der Grundausführung. Der V2-Motor mit einem Liter Hubraum leistet 98 PS (73 kW) und dreht mit sattem Klang hoch. Das Fahrgefühl auf dem immerhin 248 Kilo schweren Motorrad ist deutlich lässiger und leichter als auf dem Wuchtbrummer von BMW. Das mag auch an der Sitzhöhe liegen, denn der Sattel der Aprilia liegt um acht Zentimeter niedriger (82 zu 90 Zentimeter) als bei der bayerischen Konkurrentin. Allerdings haben die Italiener den Windschutz nicht ganz so gut hinbekommen, denn auf der Caponord zieht es schon ab etwa 110 km/h gewaltig.

Was das Design betrifft, könnten die beiden Maschinen wohl kaum unterschiedlicher sein. Hier die beinahe grazile, kantige und recht kompakt geformte Caponord, dort die breite, ausladende, bullige Adventure. Aprilia leistet sich auch im Cockpit ein paar Extravaganzen, wie etwa mehreckige Instrumenteneinfassungen und phantasievolle Digitalanzeigen für Tankinhalt und Kühlwassertemperatur.

Als Plus der BMW gegenüber der Aprilia dürften ernsthafte Ferntouristen die Zuladekapazität verbuchen. Während die BMW rund 200 Kilo draufsatteln darf, ist bei der Aprilia schon bei 172 Kilo finito. Falls man zu zweit auf die große Reise gehen möchte, bleibt da auf der Caponord nicht mehr viel Spielraum für Gepäck. Und ein Begleitfahrzeug ist bei solchen Gelegenheiten ja eher selten in der Nähe.



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