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Wasserstoffauto Riversimple Rasa: Ein moralisches Angebot

Von Christian Frahm

Wasserstoffauto Riversimple Rasa: Alles auf Anfang Fotos
Riversimple

Flügeltüren, Carbon, Brennstoffzelle - die Firma Riversimple hat ein interessantes Wasserstoffauto gebaut. Allerdings ist nicht die Technik das Besondere, sondern der Preis.

Wenig Zeit? Am Textende gibt's eine Zusammenfassung.


Wasserstoffautos könnte die Zukunft gehören, denn sie fahren elektrisch, lassen sich binnen Minuten betanken und haben eine viel größere Reichweite als Akku-Autos.

Zwei Faktoren verhindern bislang den Durchbruch der Brennstoffzellenvehikel: der Mangel an Wasserstofftankstellen - und der horrende Preis der Fahrzeuge. Letzteres könnte sich jetzt ändern.

Die walisische Firma Riversimple hat ein Wasserstoffauto entwickelt, das nicht mehr kosten soll als ein herkömmlicher Verbrenner.

So etwas war bis zuletzt undenkbar. Der Autobauer Toyota beispielsweise stellte im vergangenen Jahr das mit Wasserstoff betriebene Brennstoffzellenfahrzeug Mirai vor. Der Wagen kostet 78.540 Euro, die monatliche Leasingrate beträgt 1219 Euro - ein Fall für Technikfreaks und Umwelt-Idealisten mit sehr hohen Rücklagen.

Riversimple behauptet, die horrenden Kosten mit dem Modell Rasa deutlich drücken zu können. "Wir wollten den Anspruch an individuelle Mobilität und deren Umsetzung völlig neu denken, quasi von einem weißen Blatt Papier", sagt Hugo Spowers, der Unternehmensgründer.

Dieser Ansatz des Tabula Rasa stecke daher auch im Namen des Autos. "Wir haben versucht, nicht in den Grenzen zu denken, die uns die bestehende Autoindustrie vorgibt. Wir wollten ein Auto bauen, dass langlebig ist und geringe Kosten verursacht - genau das Gegenteil, von dem, was die großen Autokonzerne derzeit antreibt", so Spowers.

Leichtbau und maximale Energieausbeute

Spowers absolvierte ein Ingenieurs-Studium in Oxford, gründete ein Unternehmen, das Rennwagen entwickelte - und fragte sich immer öfter, ob das wirklich zukunftsweisend sei. "Nein" entschied er 2001 und gründete eine neue Firma, die seit 2007 den Namen Riversimple trägt.

Sein erstes Brennstoffzellenauto entstand in Zusammenarbeit mit Morgan, der das "Livecar" genannte Wasserstoffauto im Jahr 2008 auf dem Genfer Autosalon vorstellte. Danach folgten erste Prototypen des Rasa, der jetzt serienreif ist.

Der 3,70 Meter lange Zweisitzer wiegt dank Leichtbauteilen aus kohlefaserverstärktem Kunststoff lediglich 540 Kilogramm. Das Monocoque aus Karbon bringt gerade mal 40 Kilogramm auf die Waage. Zum Vergleich: Ein Smart Fortwo wiegt 880 Kilogramm.

Der Antrieb des Rasa funktioniert so: Eine Brennstoffzelle mit einer Leistung von 8,5 Kilowatt erzeugt mittels der chemischen Reaktion von Sauerstoff und Wasserstoff elektrische Energie. Mit der werden die vier Radnabenmotoren des Fahrzeugs angetrieben. Der Rasa wird bis zu 100 km/h schnell, aus dem Stand erreicht das Auto die Höchstgeschwindigkeit innerhalb von 10 Sekunden.

Flügeltüren und fließende Linien

Der Wasserstofftank ist im Heck des Wagens platziert, viel Platz für Gepäck bleibt daher nicht. Die Reichweite mit einer Tankfüllung - rund 1,5 Kilogramm Wasserstoff - liegt laut Riversimple bei 480 Kilometern. Zusätzlich wird die beim Bremsen entstehende Energie zu rund 50 Prozent in Superkondensatoren gespeichert. Zwar gewinnen auch anderen Elektrofahrzeuge durch diese sogenannte Rekuperation Energie zurück, doch die Superkondensatoren lassen sich deutlich schneller aufladen und eignen sich daher besser zur Speicherung der kurzzeitig anfallenden Bremsenergie.

Auch optisch ist das Gefährt für ein Wasserstoffauto recht ungewöhnlich. Während beim Toyota Mirai konstruktionsbedingte klobige Ecken und Kanten das Design dominieren, hat der Rasa runde, fließende Karosserieformen. Der Blickfang sind die Flügeltüren. Hinter dem Design steckt Chris Reitz, der als Designchef für die Wiederauflage des Fiat 500 verantwortlich war und auch schon für Volkswagen und Audi gearbeitet hat.

Das Fahrzeugkonzept überzeugte auch die walisische Regierung, die das Projekt mit umgerechnet 2,6 Millionen Euro subventioniert. Durch eine Crowdfunding-Aktion sollen weitere zwei Millionen Euro dazukommen. Davon sollen nun die ersten zwanzig Exemplare des Rasa gebaut werden und als Beta-Versionen an interessierte Kunden gehen, die das Auto dann auf Herz und Nieren testen, bevor 2018 die planmäßige Serienproduktion beginnen soll.

Ein Leasingmodell als Erfolgsrezept

Damit sich möglichst viele Autofahrer diese Technik schon bald leisten können, setzt der Hersteller auf ein Leasingmodell: Der Kunde zahlt eine monatliche Gebühr, in der die Nutzung des Autos sowie Treibstoff, Wartung und Versicherung enthalten sind. So spart er sich die Anschaffung und auch den Wertverlust des Wagens, argumentiert Riversimple. Das ist zwar kein neues Konzept, doch in diesem Fall soll die moderate Monatsrate das Besondere sein. Die exakte Höhe nennt Spowers zwar noch nicht, wohl aber die Größenordnung: umgerechnet rund 650 Euro. Das sei in etwa der Betrag, den auch ein Auto mit Verbrennungsmotor kosten würde, erklärt der Unternehmer.

Laut ADAC Autokosten-Rechner kostet die Basisvariante des neuesten Smart Fortwo bei einer angenommenen Haltedauer von vier Jahren und einer jährlichen Fahrleistung von 15.000 Kilometern monatlich 361 Euro im Unterhalt. Werden der Anschaffungspreis sowie der Wertverlust und die höhere Aufwendung für eine Vollkaskoversicherung (mit 500 Euro Selbstbeteiligung) mit einkalkuliert, ergeben sich monatliche Kosten von 621 Euro.

Insbesondere in England, wo Elektroautos durch Förderungen begünstigt werden, könnte das Auto ein Erfolg werden. Allerdings sind derartige Projekte auch bei den Briten - ähnlich wie in Deutschland - in der Vergangenheit schon oft gescheitert. Der Grund: mangelnde Infrastruktur. Auf der Insel gibt es bislang lediglich 14 Wasserstofftankstellen. Aber auch darauf hat Riversimple-Gründer Spowers eine optimistische Antwort parat: "Immer, wenn jemand eine radikal neue Idee hat, reden alle nur darüber, aus welchen Gründen es nicht funktionieren könnte. Aber wenn man bei null anfängt und die Rahmenbedingungen neu setzt, fallen all diese Gründe weg."


Zusammengefasst: Brennstoffzellenautos werden mit E-Motoren angetrieben und haben die gleiche Reichweite wie Fahrzeuge mit Verbrennungsmotor. Die Technologie ist eigentlich teuer, doch der Riversimple Rasa kostet durch ein Leasingmodell monatlich nur so viel wie ein Smart.

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insgesamt 195 Beiträge
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1. Nur 2 Faktoren
drnatas 18.03.2016
vielleicht sollte man auch noch Faktor 3 erwähnen: Die Herstellung von Wasserstoff ist noch sehr teuer. Wirtschaftliche Verfahren mit gutem Wirkungsgrad gibt es noch nicht. Sonst hätten wir schon viele Energieprobleme gelöst.
2. Na ja…*Spitfire Kabine. Oder so.
chrome_koran 18.03.2016
Die Deutschen hatten ihre Messerschmitt Kabine schon längst. Jetzt ist der Spitfire dran. Im Ernst, hoffentlich gibt es mehr solcher Projekte. Am Ende steht dann wohl doch ein normales Auto mit Brennstoffzelle. Denn so eine rollende Verzichtserklärung ist ähnlich "anziehend" wie eine Kreuzunng aus Go-Kart und Playstation, nachdem die CAD-Software mehrmals mitten im Rendern abstürzte. Aber ein auf heutigem Niveau ausgestattetes Auto mit Reichweite und Leistung eines Brennstoffzellen-Antriebs, das wäre wirklich eine Alternative. Hat da kürzlich Audi nicht so eine Aufgabe übertragen bekommen…?
3. Wieso kommt mir das so bekannt vor?
Fkdu 18.03.2016
Ach ja – LOREMO, ein ähnliches Projekt aus Deutschland. Erst Subventionen für einen Mörder sparsamen 3 Liter Diesel. Dann wurden Fördergelder abgegriffen, um ein Mörder billiges Elektroauto zu bauen. Am Ende wurde sehr viel Geld in den Sand gesetzt und nur sehr wenige gingen mit sehr vollen Taschen heim. Und meine erste Frage zu diesem Superheftig leichtem Auto ist: Wie verlieft denn der erste Crash-Test mit einem Jeep? Musste der Dummy weggekärchert werden? Oder GAB ES NOCH GAR KEINEN TEST?
4. Mit elfeinhalb PS...
leierbündchen 18.03.2016
...konstant 100 km/h zu fahren könnte knapp werden. Das Wägelchen sollte unter allen Umständen etwas schneller als LKWs fahren können, sonst wird's ungemütlich.
5. Cools Design, cooles Konzept
diplpig 18.03.2016
... und das nicht von einem der etablierten Hersteller und mit überschaubaren Zuschüssen.
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Förderung umweltfreundlicher
Autos in Europa
Hintergrund und Berechnungsgrundlage
Weltweit subventionieren etliche Länder saubere Autos. In China winken umgerechnet 6500 Euro, in den USA zwischen 1800 und 5300 Euro und in Japan sogar bis zu 11.500 Euro. In Deutschland gibt es bislang keine Förderung. Wie und wo in Europa Autos mit besonders geringem CO2-Ausstoß bezuschusst werden, zeigt die Zusammenstellung von SPIEGEL ONLINE. Als Referenzmodell bei Steuervergleichen diente ein Mercedes B 180 mit einem CO2-Ausstoß von 152 g/km.

Österreich
Österreich: Befreiung von der einmaligen Verbrauchsabgabe (1602 Euro) und der Kfz-Steuer (403 Euro pro Jahr).
Norwegen
Fahrer von Elektroautos dürfen die Bus- und Taxispuren benutzen, und zudem sind alle Parkplätze kostenfrei.
Italien
1500 Euro Zuschuss für ein privat genutztes Elektroauto. Bei gewerblichen Fahrzeugen steigt der Bonus auf 4000 Euro. Stufenweiser Rabatt auf Kfz-Steuer in den ersten fünf Jahren (219 Euro pro Jahr).
Irland
50 Prozent Steuernachlass oder 2500 Euro Zuschuss für Fahrzeuge mit Hybrid- oder Flexfuel-Antrieb.
England
Ab 2011 sollen Käufer von Elektroautos mit einer Summe zwischen umgerechnet 2300 und 5000 Euro unterstützt werden - zunächst ist die Subvention begrenzt bis 2016.
Frankreich
2000 Euro Bonus für Hybrid-, Erd- oder Flüssiggasantrieb mit weniger als 140 g/km CO2-Ausstoß. 5000 Euro für alle Fahrzeuge mit weniger als 60 g/km. Gewerbliche Fahrzeuge werden zudem von der Dienstwagensteuer befreit (1250 Euro pro Jahr).

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Elektroautos im Aufwind O: Modelle und Meilensteine
Welche Typen von Elektroautos gibt es?
Reiner Elektroantrieb
Diese Fahrzeuge haben keinen klassischen Antriebsstrang mehr, der vom Motor die Bewegungsenergie auf die Räder überträgt. Stattdessen sind in den Radnaben Elektromotoren, die Energie kommt aus einem Akku, der an der Steckdose aufgeladen werden kann. Weil die Speicherkapazität der Batterien noch nicht mit einem klassischen Automobil vergleichbar ist, haben einige Elektromobile einen sogenannten Range Extender an Bord - einen kleinen Generator, der die Elektromotoren mit Energie versorgt, wenn der Akku leer ist.

Beispiele: Tesla Model S, VW E-Up, VW E-Golf, Renault Zoe, BMW i3, Ford Focus Electric, Nissan Leaf, Mercedes B-Klasse E-Drive
Hybridantrieb
Hybridautos haben zusätzlich zum klassischen Verbrennungsmotor einen Akku an Bord. Wenn der leer ist, springt der Benziner an. Eine Variante sind sogenannte Mild-Hybrid-Systeme, bei denen der Stromantrieb nur parallel unterstützend läuft, um den Benzinverbrauch zu reduzieren. Der Akku wird in der Regel durch Bremskraftrückgewinnung und einen Dynamo geladen. Zukünftige Hybridfahrzeuge sollen aber auch an der Steckdose aufladbar sein.

Beispiele: Toyota Prius, Toyota Prius+, VW Golf GTE, Porsche Panamera S E-Hybrid, Porsche 918 Spyder, Volvo V60 PiH, BMW i8
Brennstoffzellenantrieb
Bei diesen Fahrzeugen tankt man statt Benzin flüssigen Wasserstoff. In einer chemischen Reaktion wird das Hydrogen in der Brennstoffzelle in elektrische Energie umgewandelt, die dann das Fahrzeug antreibt. Anders als bei reinen Elektrofahrzeugen ist die Infrastruktur für den Wasserstoff eine ungelöste Frage. Vorteil der Brennstoffzellenfahrzeuge ist ihre größere Reichweite.

Beispiele: Hyundai ix35, Honda FCX Clarity, Hamburger Nahverkehrsbusse (Mercedes-Benz), Toyota Mirai
Range Extender
Im Gegensatz zu den herkömmlichen Elektroautos haben Range Extender einen Verbrennungsmotor an Bord, der anspringt, wenn die Ladung der Batterie zur Neige geht. Vorteil: Die Reichweite steigt auf das Niveau eines Autos mit konventionellem Antrieb. Vorreiter dieser Spezies ist der Opel Ampera, der die Kraft des Verbrenners aber auch nutzt, wenn die volle Leistung zum Beispiel auf der Autobahn abgerufen wird.

Beispiele: Opel Ampera (baugleich mit Chevrolet Volt), BMW i3 (optional mit Benzinmotor)

Im ABC finden Sie Erklärungen zu allen wichtigen Stichworten von Auto- oder Flüssiggas bis Wasserstoff:


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