Kleinseriensportwagen Roding Roadster: Leicht rumzukriegen

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Bitte, bitte, baut uns einen leichten Sportwagen: Seit Jahren beknien Fans puristischer Fahrkultur die deutschen Hersteller, ihnen endlich mal ein Sportgerät ohne Luxusausstattung hinzustellen - vergeblich. Eine Manufaktur hat den Traum jetzt wahr gemacht. Vorhang auf für den Roding Roadster.

Roding Roadster: Ein Sportwagen, wie er sein soll Fotos
Tom Grünweg

Deutsche Sportwagen sind fett. Der Porsche 911 wiegt 1415 Kilogramm, der Lamborghini Aventador (der ja unter seinem italienischen Maßanzug aus Carbon im Prinzip auch deutsch ist) 1575, der Mercedes SLS 1620 Kilogramm. Seit Jahren beknien Fans puristischer Fahrkultur die deutschen Hersteller, ein abgespecktes Leichtgewicht ohne Luxus-Ornat auf die Räder zu stellen. Vergeblich.

Es gibt so ein Auto. Die Lotus Elise ist, wenngleich sie im Laufe ihrer Evolution inzwischen auch Gewicht angesetzt hat, immer noch der Inbegriff des leichten No-Frills-Renners. Das Fahrwerk ist so lebendig, wir man es von einem Abkömmling des legendären Formel-1-Rennstalls erwarten würde.

Doch der Motor ist eben nur ein eher unemotionales Triebwerk von Toyota. Und die Verarbeitung ist, nun ja, britisch.

Geizen bei jedem Gramm

Jetzt allerdings gibt es einen solchen Sportwagen, wie ihn sich so viele Menschen wünschen, auch aus deutscher Fertigung. Nur kommt er nicht von Mercedes, BMW oder Porsche, sondern aus einer kleinen Manufaktur in der Oberpfalz. Roding heißt das kleine Städtchen, das dem Flitzer seinen Namen gibt.

Gerade mal 950 Kilogramm wiegt der Roding Roadster. Dabei ist der Wagen kein Hightech-Sportwagen mit Formel-1-Genen. Dass der Wagen so wenig Gewicht auf die Waage legt, liegt einfach an der Konsequenz, mit der die vier Initiatoren des Projekts zu Werke gegangen sind. Sie haben das gemacht, was die großen Autobosse immer versprechen: mit jedem Gramm gegeizt.

Dicke Polster auf den Türen, Zierkonsolen rund ums Lenkrad, elektrische Helfer, da ein paar Zentimeter Reserve und dort noch ein paar Staufächer? Nein, einfach nur zwei Sitze, ein Lenkrad, ein Navigationssystem und - wenn's sein muss - eine Klimaanlage - mehr braucht man nicht für eine flotte Landpartie.

Stärker als ein Boxster, leichter als ein Polo

Wenn man sich dann noch ein Monocoque aus Karbon und Hilfsrahmen aus Aluminium leistet, bekommt man einen Sportwagen reinsten Wassers. Und weil Roding auf den Shareholder Value pfeifen kann und die Anerkennung passionierter Schnellfahrer den Machern beinahe Lohn genug ist, kostet der PS-Protz aus der Provinz nicht mal so viel wie ein gut ausgestatteter Porsche.

Gut, 155.000 Euro sind natürlich kein Pappenstiel. Aber der Preis ist auch der Handarbeit und den kleinen Stückzahlen geschuldet. Schließlich soll die erste Serie gerade mal 23 Exemplare zählen.

Stärker als ein Porsche Boxster, aber leichter als ein VW Polo - bei dieser Fahrzeugphilosophie ist es kein Wunder, dass bereits 60 Bestellungen bei der kleinen Manufaktur eingegangen sind. 320 PS und 450 Nm lassen den Roding noch vorne schnellen wie ein Auto auf der Carrera-Bahn. 3,9 Sekunden von 0 auf 100, das klingt schon imposant.

Verbesserungsbedarf bei der Lenkung

Und in einem Auto ohne viel Schallschutz, ohne Dach und ohne kiloweise Dämmmaterial fühlt sich das noch viel imposanter an. Dass dem Roding dafür schon bei 285 km/h die Puste ausgeht und ihm jeder Porsche auf der Autobahn davon fährt, kann man da getrost durchgehen lassen. Die schönste Verbindung zwischen zwei Punkten ist schließlich eine Kurve, keine Gerade.

Klack, klack, klack - mit Freude wechselt man am Schaltstummel die Gänge im knochentrockenen Getriebe und vergisst schnell das Loblied, das man sonst auf die Doppelkupplung singt - manchmal kann Handarbeit auch Spaß machen.

Gut, bei der Lenkung gibt es noch Verbesserungsbedarf, weil die Servopumpe von Ford nicht so recht mit der Elektronik von BMW harmoniert. Doch so kurz und knackig wie der Roding gebaut und sein Fahrwerk abgestimmt ist, nimmt er fast jede Kehre bei fast jedem Tempo. Da quietschen keine Reifen, da flackert keine ESP-Lampe: Anbremsen, einlenken, Gas geben und schnell wieder aufmachen - ehe man die Kurve gesehen hat, ist der Roadster auch schon wieder raus.

Der Roding macht es einem leicht

Sicher, so oder so ähnlich können das andere Supersportwagen auch. Doch wo man einen Aventador oder einen SLS mit fester Hand ums Eck zwingen muss, macht es einem das Fliegengewicht aus dem Hinterland buchstäblich leicht: Das Skalpell, nicht das Schwert ist hier die Waffe der Wahl.

Erstaunlich ist, wie komfortabel der Roadster bei allem Leichtbau ist. Die Schalensitze von Recaro zwicken zwar ein wenig an den Hüften, aber selbst mit fast 1,90 Metern hat man genügend Platz für Kopf und Knie. Die Schulter scheuert nicht am Nachbarn und das wie bei Porsche nach vorn gerückte Gepäckfach bietet nicht nur Platz für zwei Reisetaschen, sondern schluckt sogar ein paar Ski und die beiden Dachelemente, mit denen man aus dem Roadster auch ein Coupé machen kann.

Wer braucht einen Regensensor?

So bequem wie ein Porsche Boxster ist der Roding dann aber trotz der Lederapplikationen und den aus Aluminium gefrästen Schalter nicht. Man muss die Sitze noch von Hand verstellen und zum Dach ablegen sogar aussteigen. Aber genau das ist ja auch der Witz: Wer braucht in einem Sportwagen wirklich Sitzheizung, Tempomat und einen Regensensor?

Die Idee vom Roding gibt es schon, seit Firmenchef Rober Maier mit ein paar Kommilitonen über den idealen Sportwagen philosophiert hat. Und die ersten Erlkönige geistern schon seit zwei Jahren durch die Blogs. Doch seit der ersten Ausfahrt mit dem Prototypen ist nicht nur die Technik reifer geworden. Auch das Design hat sich weiterentwickelt.

Wenn man Maier fragt, wie seiner kleinen Mannschaft gelingt, was die Bosse der großen Konzerne seit Jahren vergeblich versprechen, dann zuckt der Junior auf dem Chefsessel nur mit den Schultern. "Engagement", "Leidenschaft", "Kreativität", "Phantasie" und "Mut" - das sind die Stichworte, die ihm als Antwort einfallen. Alles andere ist handwerkliches Geschick und vielleicht auch ein wenig Glück. Denn zaubern können sie auch in der bayerischen Provinz nicht.

Aber Maier ist kein Träumer, denn sein Auto fährt, die ersten fünf Exemplare sind verkauft, für den Rest gibt es ernsthafte Interessenten und im Sommer wird es ausgeliefert. Das haben sie mittlerweile auch in Wolfsburg, Zuffenhausen oder München gemerkt. Denn wenn die Roding-Mannschaft nicht am Roadster feilt, arbeitet sie jetzt als Entwicklungspartner der großen Autokonzerne.

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insgesamt 22 Beiträge
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1.
ctrlaltdel 12.05.2012
das unförmige Navi-Display hätte man auch ruhig weglassen können. Ansonsten ganz nett (außer dem Preis)
2. Völlig sinnlos
skep.sys 12.05.2012
So ein sinnloses Fahrzeug. Die 80% preiswertere Elise verkauft sich in Deutschland knapp 100 mal pro Jahr. Soviel zum Thema "Fans beknien" die Hersteller. Ohne jeglichen Luxus macht das Fahren nunmal nicht lange Spaß. Die Landstraße ist halt keine Rennstrecke. Deswegen stehen die Dinger 360 Tage im Jahr rum und werden nur ab und an mal an nem Sonntagmorgen ausgeführt. Von denen, die für ein Motorrad zu feige sind. Wenn man einen Sportwagen zu Reihenhauskosten erwirbt, will man primär Luxus und Statussymbol. Da will man Frauen bei einer aufregenden Ausfahrt im Sommerwind beeindrucken. Ohne ihr dabei Haltungsschäden zuzumuten. Für die paar reichen Puristen, die auch mal auf eine Rennstrecke fahren, bauen die Hersteller bestimmt kein extra Modell. Für die gibt's sowas wie den GT3. (Wobei man für viiiiel weniger Geld ein Superkart nebst Pickup zum Transport kaufen könnte und damit deutlich mehr Spaß hätte)
3.
benutzer5180 12.05.2012
Zitat von sysopTom GrünwegBitte, bitte, baut uns einen leichten Sportwagen: Seit Jahren beknien Fans puristischer Fahrkultur die deutschen Hersteller, ihnen endlich mal ein Sportgerät ohne Luxusausstattung hinzustellen - vergeblich. Eine Manufaktur hat den Traum jetzt wahr gemacht. Vorhang auf für den Roding Roadster. http://www.spiegel.de/auto/aktuell/0,1518,830236,00.html
Herr Grünweg, dürfte ich kurz fragen, inwiefern ein Motor, der nach verschiedenen Quellen eine Höchstdrehzahl von bis zu 8.500 Touren hat und der zudem noch von Yamaha gebaut wurde, "eher unemotional" ist?
4.
dale_gribble 12.05.2012
Wieso ein Turbo??? Muss das sein? Fuer vollkommen laecherliche 320 PS aus 3 Litern? So ein Auto schreit doch foermlich nach einem spritzigen, hochdrehenden Sauger.
5.
benutzer5180 12.05.2012
Zitat von dale_gribbleWieso ein Turbo??? Muss das sein? Fuer vollkommen laecherliche 320 PS aus 3 Litern? So ein Auto schreit doch foermlich nach einem spritzigen, hochdrehenden Sauger.
Genau meine Rede. Z.B. den Honda S2000 Motor hätte man in viel mehr dieser Bastelkisten einschließlich der Super 7 Nachbauten sehen müssen. Vereinzelt gab es das aber.
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Roding Roadster

Das begeistert: Die Straßenlage, das Spurtvermögen und der Mut der Macher.

Das fehlt: Die Produktion und der Vertrieb für eine größere Stückzahl zu einem kleineren Preis.

Das nervt: Dass man sich an der Tankstelle fühlt wie ein Alien im Ufo und Jedem den Wagen erklären muss.

Was sonst? Schade, dass es vorerst nur 23 Exemplare gibt.

Fahrzeugschein
Hersteller: Roding
Typ: Roadster
Karosserie: Cabrio/Roadster
Motor: Reihensechszylinder-Direkteinspritzer mit Turbo
Getriebe: Sechsgang-Schaltgetriebe
Antrieb: Heck
Hubraum: 2.979 ccm
Leistung: 320 PS (235 kW)
Drehmoment: 450 Nm
Von 0 auf 100: 3,9 s
Höchstgeschw.: 285 km/h
Verbrauch (ECE): 8,2 Liter
CO2-Ausstoß: 195 g/km
Kofferraum: 330 Liter
Gewicht: 950 kg
Maße: 4106 / 2024 / 1190
Preis: 155.000 EUR


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