Roding Roadster Heißsporn aus der Oberpfalz

Roding? Nie gehört. Es ist ein 12.000-Einwohner-Städtchen in der Oberpfalz - und seit neuestem auch der Name eines Autos. Vier junge Maschinenbauer aus Bayern haben den radikalen Roadster aus Karbon entwickelt und wollen ihn jetzt im beschaulich-grünen Roding bauen.

Tom Grünweg

Es gibt sie noch, die Menschen, die sich ihren Traumwagen einfach selbst bauen. In diesem Fall sind vier junge Maschinenbauer aus München die Protagonisten. Gemeinsam mit zwei Unternehmern aus der Oberpfalz stellt das Quartett derzeit einen spektakulären Roadster auf die Räder. Denn der Wagen soll in Kleinserie gebaut und zum Stückpreis von 155.000 Euro verkauft werden. Roding heißt das Auto aus Karbon - wie sein Geburtsort, die 12.000-Einwohner-Stadt in der Oberpfalz, etwa 40 Kilometer nordöstlich von Regensburg. Für die erste Serie planen die Newcomer 23 Exemplare. Zwei Mechaniker sind bereits eingestellt, als Bauzeit pro Fahrzeug veranschlagen die Autobauer zweieinhalb Wochen.

Derartige Pläne ambitionierter Amateure werden immer wieder mal bekannt, doch in Roding soll es ein bisschen anders sein. Geschäftsführer Robert Maier kann Skeptikern schon mit einem kurzen Spaziergang beweisen, wie ernst es dem Team ist. Denn vor der Garage des von der TU München initiierten Gründerzentrums in Garching, wo sich die vier Roding-Gründer als Studenten erstmals trafen und wo sie nun ihr Konstruktionsbüro haben, parkt einer von zwei Roding-Prototypen. Mit den Autos sind die Konstrukteure bereits seit mehr als einem Jahr auf Rennstrecken unterwegs, um zu tüfteln und zu testen. Jetzt, ein Jahr, bevor die ersten Kundenfahrzeuge ausgeliefert werden sollen, saß SPIEGEL ONLINE am Steuer.

Optisch wirkt der Prototyp ziemlich unattraktiv. Und zwar nicht nur wegen der wilden Tarnfolie, sondern wegen der ungelenken Formen und Proportionen. "Wir wollten weder Porsche kopieren noch Lotus, und auch kein Destillat anderer Sportwagen. Wir wollten ein eigenes Design", erklärt Maier den bizarren Auftritt des nicht einmal vier Meter langen, aber fast 1,90 Meter breiten Autos. Von der Seite, mit Blick auf die freistehenden Räder und die schlanke Flanke, wirkt der Roding noch vergleichsweise normal. Die Frontpartie jedoch mit den riesigen Kühlkästen sieht höchst ungewöhnlich aus; und der direkt hinter den Kopfstützen gekappte Aufbau sowie die strenge Geometrie des Hecks machen die Karosserie auch nicht harmonischer.

Das Design soll nicht nur Eigenständigkeit symbolisieren, es spiegelt auch das Konstruktionsprinzip des Roadsters wieder. "Vorderwagen, Fahrgastzelle und Heck sind ganz bewusst getrennt, damit wir schnell und günstig verschiedene Varianten konstruieren können", sagt Maier. Außerdem wechselt an den Nahtstellen dieser Bauteile das Material: Das Passagierabteil wird aus Karbon gebacken, der Motor im Heck hängt in einem so genannten Spaceframe aus Aluminiumprofilen, und der Bug ist in einer Mischbauweise aus Karbon und Aluminium gefertigt. Dadurch liegt das Gewicht bei lediglich 920 Kilogramm. Zum Vergleich: Ein Lamborghini Gallardo Superleggera wiegt rund die Hälfte mehr und ein Mercedes SLS fast doppelt so viel.

Clevere Luke für die beiden abnehmbaren Dachhälften

Obwohl der Roding eine Nummer kleiner ist als ein Audi TT, bietet der Wagen im bislang nur spärlich möblierten Innenraum überraschend viel Platz. Ein bisschen Gepäck lässt sich ebenfalls verstauen. "Mit einem Auto nur für die Rennstrecke hätten wir zu wenige Kunden erreicht, deshalb soll der Roding auch für den Alltag taugen", sagt Maier und zählt Dinge auf wie elektrische Fensterheber, Musik- und Navigationssystem sowie eben den Gepäckraum unter der vorderen Haube. Dort gibt es auch eine spezielle Klappe, hinter der sich die beiden herausnehmbaren Dachhälften verstauen lassen. Und: Als erster Mittelmotor-Sportwagen bietet der Roding sogar einen Skisack.

Eine erfrischende Botschaft ertönt nach dem Griff zum Zündschlüssel. Hinter den Sitzen legt ein klassischer Benzinmotor mit vertrautem Krawall und leichtem Vibrieren los. Geschäftsführer Maier spricht natürlich auch über eine Hybrid- oder Elektroversion des Roding, doch das ist Zukunftsmusik.

Das Serienauto erhält einen V6-Turbomotor mit 300 PS

Im Prototyp geht ein 225 PS starker Fünfzylinder-Turbo aus dem Ford Focus ST ans Werk - und macht aus dem Roding eine Rakete. Das Leichtgewicht ist flink, liegt satt auf der Straße und bietet jederzeit mächtigen Vortrieb. "Bei unseren Testfahrten haben wir bereits Querbeschleunigungen von 1,4 g erreicht", sagt Maier stolz. Schönwetterroadster aus der Großserie schlittern bei derartigen Werten ins Kiesbett. Für das Serienmodell sind folgende Fahrleistungen angepeilt. "Von 0 auf 100 in weniger als vier Sekunden und Spitze 285 km/h", sagt Maier.

Noch ist der Weg in die Kleinserie jedoch lang. Denn am Roding wird sich, vom grundsätzlichen Design und der leichten Karbon-Karosserie abgesehen, noch vieles ändern. Als Serienmotor sei ein 300 PS starkes Sechszylinder-Turbo vorgesehen, den "renommierten Hersteller" dieser Maschine aber mag Maier noch nicht nennen, denn die Verträge sind noch nicht unterschrieben. Auch am Fahrwerk, an den Bremsen und am Sechsganggetriebe wird noch gearbeitet. Fest steht jedoch: Der Roding bleibt ein Roadster der Extreme.



insgesamt 24 Beiträge
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Seite 1
shechinah 15.11.2010
1. Hässlich
Das Teil ist ja unfassbar hässlich. Design 6 - setzen.
mm2112 15.11.2010
2. Full Ack...
...das Ding sieht schon arg selbstgebaut aus. Optisch ne Nullnummer...
Spassbremse 15.11.2010
3. Oh mein Gott...
...das ist jetzt eine Ente, oder? Dahinter steckt Satire, richtig? Die glauben nicht im Ernst daran, dieses..."Ding" verkaufen zu können? Wenn's wenigstens ein modernes Antriebskonzept hätte, Bio/Green/Elektro, irgendwas, dann *könnte* man evtl. noch das abgrundtief hässliche Design rechtfertigen*, aber so hat man ein absolut überflüssiges und unfassbar hässliches Auto. (* Nicht, dass "Öko-Autos" zwingend hässlich sein müssten) Dieses Ding wollte ich nicht einmal geschenkt. Das "Homermobile" ist also in der Realität angekommen. http://startupblog.files.wordpress.com/2008/10/homermobile.jpg
drive-and-style.de 15.11.2010
4. Ein Sommerloch-Märchen ...
... bei diesem Wetter? Was wollen die beiden Herren mit dem Wagen erreichen? Er ist weder attraktiv, noch passt er in die Riege interessanter Sportwagen. Und schon garnicht genügt er in keiner Weise den Ansprüchen einer Modernen Mobilität.
Jettenbacher 15.11.2010
5. So a Schmarrn
Das kommt dabei raus, wenn man einen R8 mit einem Smart Roadster paart.
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