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Rolls-Royce 102 EX: Der elektrische Gleiter

Aus Goodwood berichtet

Ein Rolls-Royce ohne V12-Motor? Unvorstellbar für Auto-Aristokraten. Dennoch macht sich der Nobelhersteller Gedanken über eine Zukunft, in der Benzinbrummer eher nicht mehr standesgemäß sind. Etwa in Form des 102 EX, der ersten rein elektrischen Prunklimousine der Welt.

Rolls-Royce 102 EX: James, bauen Sie Spannung ab! Fotos

Wenn man fragt, was einen echten Rolls-Royce ausmache, hört man am Stammsitz der Marke in Goodwood nur ein Wort:"Waftability." Den Blick ins Fremdwörterbuch kann man sich sparen; denn "waftability" ist eine knapp hundert Jahre alte Eigenschöpfung, mit der die Briten jenes leichte, kaum merkliche Gefühl der Bewegung meinen, das die Insassen eines Rolls-Royce förmlich davon trägt.

Weil es dazu neben Größe und Gelassenheit, einem soliden Fahrwerk und dem entsprechenden Gestühl vor allem den richtigen Motor braucht, war und ist der Zwölfzylinder für die heutige BMW-Tochter die erste Wahl. In der jüngsten Ausbaustufe kommt die Maschine im Modell Ghost auf 6,6 Liter Hubraum und 570 PS Leistung und gilt dem Geldadel damit als adäquatest Kraftquelle für die automobile Fortbewegung.

Das freut Menschen wie David Hall, doch weil sich das möglicherweise gerade ändert, wird auch bei Rolls-Royce über alternative Antriebe diskutiert. Der Ingenieur erhielt daher vor etwa einem Jahr den Auftrag, sich Gedanken über mögliche Alternativen zu machen. Als Antwort auf bislang nicht gestellte Fragen stellte Hall mit seinem Team das Forschungsfahrzeug 102 EX auf die Räder, eine Limousine auf Basis des aktuellen Phantom. Der Wagen erglänzt in einem neuen, in 16 Schichten aufgetragenen Lack namens Atlantic Chrome, ist mit Carinova-Leder ausgekleidet, das mit Kastanienöl behandelt wurde und mit einer blau schimmernden Kühlerfigur bestückt. Vor allem aber ist der Antrieb elektrisch.

Wo sonst der Tank ist, befindet sich nun eine wassergekühlte Leistungselektronik sowie zwei Elektromotoren mit zusammen 394 PS. Und im ehemaligen Motorraum ist ein 640 Kilo schwerer Akkupack untergebracht. Er hat eine bislang in E-Autos unerreichte Kapazität von 71 kWh und besteht aus 96 Zellen im DIN A4-Format, von denen jede so dick ist wie drei Ausgaben des gedruckten SPIEGEL.

Unter der Motorhaube steckte ein 30.000 Euro teures Akkupaket

Nach aktuellen Marktpreisen würde dieser Akku wohl mehr als 30.000 Euro kosten. "Es ist der größte Akkupack, der je in einen Pkw eingebaut wurde", schwärmt Ingenieur Hall. Und auch die Motoren sind stattlich dimensioniert. "Wir haben von überall auf der Welt die besten Komponenten zusammen getragen", sagt der Konstrukteur. Dass Konzernmutter BMW in diesem Fall nicht helfen konnte, hat einen einfachen Grund: "Es dort kein aktuelles Projekt, bei dem so starke Akkus und Motoren gebraucht würden."

Dass Rolls-Royce überhaupt nach alternativen Antrieben sucht, liegt an den Zukunftssorgen der Manager. In einem Land, in dessen Hauptstadt Autos mit konventionellen Antrieben eine Maut bezahlen müssen, schließt man das komplette Ende der Verbrenner offenbar nicht aus. Natürlich müssen Rolls-Royce-Kunden nicht auf die Tankrechnung achten. Aber was passiert, wenn die Umweltauflagen auch in China, am Persischen Golf oder in den USA verschärft werden, also in den wichtigsten Märken der Nobelauto-Hersteller?

"Darauf suchen wir eine Antwort", heißt es in Goodwood. Außerdem gilt: "Immer mehr Kunden erwarten von uns einen verantwortungsvollen Umgang mit den Ressourcen", sagt Rolls-Royce-Sprecher Frank Tiemann. "Und viele wollen auch in ihrem Umfeld zeigen, wie verantwortungsvoll sie bei allem Luxus sind." Wie weit sie dabei gehen würden, soll jetzt der Prototyp 102 EX ausloten, der für ein Jahr auf Welttournee ist.

Das Auto ist ein erster Test, ob Millionäre ein Elektro-Auto kaufen würden

Obwohl der Wagen nahezu serienreif aussieht, machen die Briten keinen Hehl daraus, dass es dieses Auto nie in Serie geben wird. Ob überhaupt je ein Elektro-Rolls-Royce gebaut wird, ist schon fraglich. "Um dies zu beantworten, wurde der 102 EX gebaut , und das Ergebnis ist völlig offen", sagt Tiemann. Abgesehen vom definitiven Nein zum Dieselmotor plant Rolls-Royce mehrgleisig. "Uns ist es letztlich egal ob V12-Motor, Hybrid- oder Elektroantrieb", sagt Tiemann: "Hauptsache die 'waftability' ist gewährleistet."

Allerdings genügt schon eine Runde im 102 ES durch die Frühlingslandschaft um Goodwood, um diesen Nachweis zu führen: Klar ist schon ein normaler Rolls-Royce leise, aber mit dem Elektroantrieb gleitet der Phantom noch stiller vom Werksgelände. Und auf der Landstraße zeigen die beiden Motoren, was ihn ihnen steckt. Trotz der rund 250 Kilogramm Mehrgewicht aufgrund der Akkus wirkt das Auto so agil und behände, dass man zu forschen beginnt, ob man nicht doch einem Trick aufsitzt. Acht Sekunden von 0 auf 100 sind weniger, als es sich für eine distinguierte Luxuslimousine geziemt, und eine Höchstgeschwindigkeit von maximal 160 km/h ist mehr, als in England und fast überall sonst auf der Welt die Polizei erlaubt.

Meinetwegen könnte die Reise ewig weiter gehen, doch da ist Mister Hall vor. "200 Kilometer Reichweite", sagt er und zerstört damit den Traum von der endlosen Flüsterfahrt. Das ist vorerst noch ein theoretischer Wert. "Eine Runde um den Genfer See hat der 102 EX bereits geschafft", sagt Hall, "das sind immerhin 180 Kilometer." Am Ende der Testfahrt sind die Akkus allerdings fast leer, und der lautlose Gleiter muss definitiv ans Netz.

Das Nachladen von Strom ist auch ohne Kabel möglich

Weil man den Rolls-Royce-Kunden die lästige Strippenzieherei möglichst ersparen möchte, hat der elektrische Phantom nicht nur eine verglaste und beleuchtete Ladeklappe anstelle des Tankstutzens, sondern auch eine Induktionsplatte unter dem Wagenboden: Gibt's das passende Gegenstück in der Garage, stellt fließt der Strom ohne Kabelverbindung. Eine Geduldsprobe ist es in jedem Fall. Bei einer Starkstrom-Verbindung hängt der Phantom acht, in Ländern wie den USA, wo das Stromnetz nur 110 Volt bereitstellt, sogar 20 Stunden an der Ladestation. Den typischen Rolls-Royce-Kunden in wird das kaum stören: Entweder er kauft einen zweiten E-Phantom oder wechselt in eines der 10 bis 15 anderen Autos, die er durchschnittlich in der Garage stehen hat.

So leicht wie die Kunden kann der Hersteller die Standzeiten des Prototypen jedoch nicht nehmen - denn auf absehbare Zeit ist der 102 EX ein Einzelstück, das entsprechend sorgsam behandelt werden muss. Dummerweise haben das in Goodwood offenbar nicht alle berücksichtigt: Schon während der ersten Testfahrten gab es nämlich beim Verladen einen Zwischenfall, der dem Auto einen Schaden eintrug und den Zeitplan empfindlich durcheinander brachte. Seitdem wird das Auto auch auf dem Werksgelände nur noch mit Samthandschuhen bewegt.

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1. War der Autor müde?
micky2 13.04.2011
Ich glaube ich habe drei oder vier Grammatikfehler in dem Artikel gelesen. Vielleicht sollte der Autor oder ein Anderer diesen das nächste Mal überarbeiten, bevor er online gestellt wird.
2. Willkommen, Ambermoon.
Ambermoon 13.04.2011
adäquatestE Es GIBT dort kein aktuelles Projekt Die 160 bezieht sich auf mph, nicht auf kmh. Ist auch dick und fett auf dem Foto vom Tacho zu sehen. --- Ich surf dann mal rüber zu Bild.de, die haben die gleichen Themen und lesen wenigstens noch mal Korrektur.
3. "Ein Rolls Roce ohne V12"
everhard, 13.04.2011
Weiß der Autor nicht, daß Rolls Royce jahrzehntelang wunderbar ohne V12 auskam. Sondern stattdessen auf die wegen der unproblematischeren Kühlung zuverlässigeren V8 baute? So daß der Purist im Gegenteil den V12 als unangemessen empfindet? Etwas Fachwissen verlange ich von Journalisten schon.
4. Seltsame Überschrift
drsindelfaenger 13.04.2011
Denn V12 Motoren gibt es erst seit 2003 im Rolls Royce - daher ist der V8 für viele Autofans weiterhin der klassische Rolls Motor und daher sehr wohl vorstellbar!
5. ??
assiwichtel 13.04.2011
Zitat von AmbermoonadäquatestE Es GIBT dort kein aktuelles Projekt Die 160 bezieht sich auf mph, nicht auf kmh. Ist auch dick und fett auf dem Foto vom Tacho zu sehen. --- Ich surf dann mal rüber zu Bild.de, die haben die gleichen Themen und lesen wenigstens noch mal Korrektur.
Seit wann fahren Autos so schnell wie die maximale Tachoanzeige? Das glauben doch nur die 10-jährigen Jungs, die durch die Seitenscheibe schauen.
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Prototypen-Info

Rolls-Royce 102 EX

Karosserie: Limousine

Antrieb: 2 Elektromotoren

Leistung: 394 PS/ 290 kW

Drehmoment: 800 Nm

Von 0 auf 100: 8,0 Sek.

Vmax: 160 km/h

Reichweite: 200 km

Akkus: Lithium-Ionen

Kapazität: 71 kWh


Prototypen-Schnellcheck

Rolls-Royce 102 EX

Kommt bald: Irgendeine Spritspartechnik, mit denen die Rolls-Royce-Kunden das Umweltgewissen beruhigen und ihr Image polieren können.

Kommt später: Vielleicht tatsächlich ein E-Antrieb und dann auch die Induktionstechnik.

Kommt hoffentlich nie: Der endgültige Abschied vom V12-Motor und der für alle Stromer vorgeschriebene Soundgenerator.


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