Rolls-Royce Phantom Coupé Palast mit Flachdach

Rolls-Royce ist ein Autohersteller, der in weiten Zeiträumen denkt. Seit aber vor zehn Jahren BMW bei den Briten das Heft in die Hand nahm, tickt die Uhr etwas schneller. In Genf wird bereits das dritte neue Modell der Rolls-Royce-BMW-Ära debütieren: das Phantom Coupé.

Von Jürgen Pander


"Wir hätten es uns einfach machen können", sagt Rolls-Royce Designchef Ian Cameron, "und einfach ein Hardtop auf das Phantom Drophead Coupé setzen können. Doch das entspricht nicht unserer Philosophie." Natürlich nicht. Ein Autohersteller, dessen Produkte nicht unter 335.000 Euro netto verkauft werden, sollte nicht den Anschein erwecken, als ließen sich die Karosserieformen nahezu beliebig variieren.

Rolls-Royce beispielsweise sandte als Boten der neuen, nach Limousine und Cabriolet dritten Variante des Luxusautos Phantom, vor zwei Jahren die Studie 101 EX hinaus in die Welt. Der Wagen, erstmals vorgestellt beim Genfer Autosalon im Frühling vor zwei Jahren, wurde begeistert aufgenommen. Und so ist es nicht weiter verwunderlich, dass nun, zwei Jahre später, das Serienmodell auf dem Messestand in Genf (Autosalon 6. bis 16. März) stehen wird. Die Produktion des kolossalen Zweitürers soll im Sommer beginnen, im Herbst dürfen dann die ersten Kunden ihr Phantom Coupé in Empfang nehmen. Der Nettopreis des Wagens wurde noch nicht bekanntgegeben, dürfte aber in der Gegend von 355.000 Euro liegen.

Walnuss, Ulme oder Mahagoni? Und welches Leder?

Viel mehr Kopfzerbrechen als der Preis jedoch wird den Interessenten die Zusammenstellung ihres Wunsch-Rolls-Royce machen. Neun Standardfarben für die Karosserie werden angeboten - neben den etwa 44.000 Lacktönen, die darüber hinaus angerührt werden können. Dazu kommen ebenfalls neun Lederfarben für das Interieur und sechs unterschiedliche Holzvertäfelungen, darunter Walnuss, Ulme oder Mahagoni. Außerdem bieten die Briten - wie schon beim Cabrio Drophead Coupé - die Motorhaube und den Windschutzscheibenrahmen auch aus blankpoliertem Edelstahl an.

Und das sind ja erste die groben Variationsmöglichkeiten. Im Detail wird die Ausstattungsvielfalt nahezu uferlos. Ein paar Beispiele: Optional ist ein sogenannter Sternenlicht-Dachhimmel, bei dem hunderte von Lichtleitern über den Köpfen der Insassen wie die Sternlein am Firmament funkeln. Per Dimmer lässt sich auch die Helligkeit regeln, was Romantiker besonders erfreuen wird. Neu sind auch zwei Kameras an Bug und Heck, die beim Einparken hilfreich sind oder beim Ausfahren aus engen Altstadtgassen, weil der Fahrer aufgrund der mächtigen Motorhaube eben doch ein ganzes Stück weiter hinten sitzt als in einem herkömmlichen Auto.

2,6-Tonner mit Picknickklappe am Heck

Unter der Motorhaube wiederum steckt der bekannte 6,75-Liter-V12-Motor mit Benzindirekteinspritzung und einer Leistung von 453 PS sowie einem maximalen Drehmoment von 720 Nm. Das reicht locker, um den 2,6-Tonner in rund 5,6 Sekunden von 0 auf Tempo 100 zu beschleunigen oder mit einer Höchstgeschwindigkeit von 250 km/h dahinbrausen zu lassen. Dass es noch schneller ginge, macht Rolls-Royce durch folgende Ansage klar: Bei 160 km/h zeige das Power-Instrument im Cockpit an, dass lediglich 10 Prozent der Motorleistung abgerufen würden.

Wer den Phantom kennt, wird vom Phantom Coupé nicht groß überrascht sein. Die Türen sind, wie schon beim ebenfalls zweitürigen Cabriolet, hinten angeschlagen. Der Kofferraum fasst 395 Liter und ist mit einer Picknickklappe ausgerüstet. Das bedeutet, dass der hintere Teil nach unten klappt und als Sitzgelegenheit benutzt oder sonstwie mit bis zu 150 Kilogramm belastet werden darf. Im Fond gibt es eine Couch-Rückbank für zwei Passagiere, die Musikanlage leistet 420 Watt und verfügt über 15 Lautsprecher und wer mag, kann sogar einen iPod anschließen.

Diesmal ist es ein Fahrerauto geworden

Mehr als bei anderen beiden Phantom-Modellen pocht Rolls-Royce beim Coupé darauf, dass er ein Fahrer- und kein Chauffeursauto sei. Deshalb wurde das Fahrwerk etwas straffer und sportlicher abgestimmt, darum wurden die Sitze etwas ambitionierter gepolstert und aus diesem Grund gibt es auch eine Sporttaste auf dem Lenkrad. Sobald die gedrückt ist, lässt die Sechsgangautomatik die Gänge weiter ausdrehen und die Gaspedalempfindlichkeit erhöht sich. Für Rolls-Royce-Kenner also dürfte sich das Coupé so rasant anfühlen und fahren wie noch kein anderes Fabrikat des Hauses.

Zum Abschluss vielleicht noch ein paar nüchterne Zahlen. Exakte Verbrauchswerte nennt Rolls-Royce nicht, aber dafür wird mitgeteilt, dass der Tank 100 Liter fasst und die Reichweite etwa 630 Kilometer beträgt. Macht einen Durchschnittsverbrauch von 15,8 Liter sowie einen CO2-Ausstoß von 368 Gramm je Kilometer. Na dann.

Mehr zum Thema


© SPIEGEL ONLINE 2008
Alle Rechte vorbehalten
Vervielfältigung nur mit Genehmigung der SPIEGELnet GmbH


TOP
Die Homepage wurde aktualisiert. Jetzt aufrufen.
Hinweis nicht mehr anzeigen.