Rückruf Benzinleck schreckt Toyota auf

Die Pannenserie bei Toyota setzt sich fort: Erneut muss der Autobauer weltweit 1,7 Millionen Fahrzeuge zurückrufen, diesmal wegen möglicher Undichtigkeiten an der Benzinleitung. Das Problem berge keine Gefahr, versichern die Japaner. Ist das Risiko wirklich so gering?

Lexus IS 250: Auch Toyotas Premium-Marke ist von dem Rückruf betroffen

Lexus IS 250: Auch Toyotas Premium-Marke ist von dem Rückruf betroffen

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Berlin - Unkontrollierte Beschleunigung, defekte Bremspedale, Probleme mit der Servolenkung - die Liste der Mängel, die den japanischen Autobauer Toyota in den vergangenen 15 Monaten zwangen, mit groß angelegten Rückrufaktionen an die Öffentlichkeit zu gehen, wird immer länger.

Angesichts der Vielzahl der Rückrufe stellt sich schon fast eine gewisse Routine ein. Pannenmeldungen bei Toyota? Ach so. Und trotzdem dürfte die Hoffnung der Konzernstrategen vergebens sein, dass die Öffentlichkeit diesmal vielleicht weniger aufmerksam reagiert. Denn der Grund des erneuten Rückrufs ist ein Mangel, den Experten als riskant im eigentlichen Sinne einstufen.

Im Einzelnen handelt es sich um die Familienkutschen Avensis mit 2,0-Liter- oder 2,4-Liter-Benzin-Direkteinspritzung, die zwischen Juli 2000 und September 2008 hergestellt wurden, und um sportive Lexus IS 250, die zwischen dem 31. August 2007 und dem 2. September 2009 vom Band liefen. Beim Avensis besteht die Gefahr, dass im Sprit enthaltenes Chlor einen Dichtring sowie die Hochdruck-Kraftstoffleitung porös werden lässt. Beim Lexus IS 250 wiederum besteht die Gefahr, dass der Drucksensor an der Leitung der Einspritzung nicht richtig festgeschraubt ist.

Der weitaus größte Teil der Rückrufe entfällt auf Japan, wo rund 1,3 Millionen Autos betroffen sind. In Deutschland gehe es um rund 24.000 Toyotas und 660 Lexus, sagte ein Toyota-Sprecher in Köln. Bisher ist zwar noch keiner der beschriebenen Fehler in Europa bekannt geworden. Trotzdem warnt der Sprecher davor, dass sowohl beim Avensis als auch beim IS 250 Kraftstoff austreten und sich im Motorraum verbreiten kann, was zu Benzingeruch im Inneren des Fahrzeugs führt. Brandgefahr bestehe aber keine, sekundierte ein Sprecher der der Toyota-Tochter Lexus.

Benzindampf und Luft sind ein gefährliches Gemisch

Ähnlich unbekümmert geht auch Helmut Bauer vom ADAC-Technikzentrum in Landsberg am Lech mit dem Problem um: "Beim Toyota Avensis würde das Benzin an der hinteren Seite des Motors ablaufen und mit allergrößter Wahrscheinlichkeit nicht mit wirklich heißen Motorteilen in Berührung kommen. Für die mögliche Undichtigkeit an der Kraftstoffanlage des Lexus IS gilt dasselbe", erklärt er. Damit sich Benzin entzündet, seien Temperaturen von etwa 450 bis 500 Grad Celsius nötig - so heiß aber wird es an den Stellen, mit denen der Sprit der vom Rückruf betroffenen Fahrzeuge in Berührung kommt, aller Voraussicht nach nicht.

Indes spricht jedoch einiges dafür, das Problem erheblich ernster zu nehmen. Immerhin stehen die Kraftstoffleitungen der betroffenen Avensis- und Lexus-Modelle mit rund 130 Bar unter Druck. Das entspricht 1300 Metern Tiefe im Ozean. Aus einem Leck würde das Benzin daher nicht einfach heraustropfen und anschließend ein Rinnsal bilden. Es bildet sich vielmehr eine feine Fontäne, die feinste Benzinpartikel in den Raum pustet - ganz wie dies im Brennraum eines Motors geschieht. Hochgefährlich wird es, wenn das zerstäubte Benzin eine bestimmte Konzentration in der Luft des Motorraums erreicht hat: Ab 0,6 Volumenprozent entsteht ein hochexplosives Gas, bei dem ein kleiner Funke genügt.

Auch die Begründung, dass ein variierender Chloranteil im Benzin die möglichen Dichtigkeitsprobleme verursacht, wirft Fragen auf. Ein unterschiedlicher Chloranteil im Sprit sei nichts Neues, hieß es. Hohe Chloranteile gebe es ohnehin eher im asiatischen Raum. Eher handle es sich wohl um Materialermüdung, die dem hohen Druck in der Kraftstoffleitung geschuldet sei und den permanenten Vibrationen und Temperaturschwankungen. Bei dieser Beanspruchung könnten bereits kleinste Materialfehler oder zu geringe Materialstärken auf Dauer zu Undichtigkeiten führen.

Seit Ende 2009 schon fast 16 Millionen zurückgerufene Autos

Durch die neuen Rückrufe steigt die Zahl der Autos, die Toyota seit Ende 2009 in die Werkstätten zurückbeordert hat, auf nahezu 16 Millionen. Seitdem kämpft der Konzern um seinen Ruf als Qualitätshersteller. Weltweit wurde das Frühwarnsystem verbessert und wurden neue Qualitätsmanager eingestellt. Als Folge sollen nun mögliche technische Mängel schon gemeldet werden, wenn sie nur vereinzelt auftreten. Dabei nimmt Toyota Rückrufe ausdrücklich in Kauf. "Wenn nur irgendein Zweifel besteht, schrecken wir davor nicht zurück", betonte der Sprecher.

Womöglich tritt das Problem ja auch in diesem Fall seltener auf, als der groß angelegte Rückruf auf den ersten Blick vermuten lässt. Sollte es jedoch zu einer Undichtigkeit kommen, dann dürfte die Gefahr erheblich größer sein, als die Toyota-Leute glauben machen wollen.



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dirsch 26.01.2011
1. Bericht a la BLÖD
ok, wieder ein Rückruf bei Toyota - nicht schön. Statt der in meinen Augen recht reißerischen Art des Artikels hätte man fairer Weise darauf hinweisen sollen oder müssen, dass z.B. letztendlich(?) die Zahl der wirklich durch defekte/fehlerhaft Teile verursachten Unfälle äußerst gering war. Oder hat schon jemand neue Erkenntnis, z.B. von der Untersuchungskommision der Nasa, die in den USA die Unfallserie wg. defekter Gaspedale genauer untersuchen sollte? Während es wochenlang hoch her ging wg. der Gaspedale und der miesen Qualität bei Toyota verlor kaum jemand ein Wort darüber, dass viele verunfallte Fahrer nicht mal versuchten zu bremsen u.ä. Das Toyota schlecht auf die sich anbahnenden Katastrophe mit dem Gaspedal reagierte, steht erst mal auf einem anderen Blatt. Interessant dürfte es ab diesem Jahr zum Thema Undichtigkeiten in Spritleitungen werden, wenn mehr Biosprit/-alkohol zugesmischt wird. das könnte dann mehrere/alle Hersteller betreffen.
Pandora0611 26.01.2011
2. Nichts ist unmöglich.
Zitat von sysopDie Pannenserie bei Toyota setzt sich fort: Erneut muss der Autobauer weltweit 1,7 Millionen Fahrzeuge zurückrufen, diesmal wegen möglichen Undichtigkeiten an der Benzinleitung. Das Problem berge keine Gefahr, versichern die Japaner. Ist das Risiko wirklich so gering? http://www.spiegel.de/auto/aktuell/0,1518,741817,00.html
Wenn keine Gefahr besteht, warum dann dieser *übereilte* Rückruf? Das ist reine *Volksverdummung"* Und wenn doch, was dann? Ups; damit konnte ja niemand rechnen. Jetzt müssen wir das für die Zukunft verhindern. Und Funken können sich überall bilden. Also, das Thema ernst nehmen und so schnell wie möglich aus der Welt schaffen und demnächst wieder mehr Wert auf Qualität legen; auch bei den *Zukaufteilen!*
dirsch 26.01.2011
3. was tun?
Zitat von Pandora0611Wenn keine Gefahr besteht, warum dann dieser *übereilte* Rückruf? Das ist reine *Volksverdummung"* Und wenn doch, was dann? Ups; damit konnte ja niemand rechnen. Jetzt müssen wir das für die Zukunft verhindern. Und Funken können sich überall bilden. Also, das Thema ernst nehmen und so schnell wie möglich aus der Welt schaffen und demnächst wieder mehr Wert auf Qualität legen; auch bei den *Zukaufteilen!*
Na um ein ähnliches Disaster wie bei der Bremspedalgeschichte zu vermeiden! Wie mans macht, ist halt verkehrt. Reagiert man spät, dann vertuscht man - obwohl es hinterher so aussieht, als wären viele der angeblich Betroffenden nur zu blöd zum bremsen bzw. wollten eine kleine "Entschädigung" von Toyota. Reagiert man zu früh, dann ist es eben übereilt. und nun? wie reagiert man nun am besten, damit alle zufrieden sind?
Mocs, 26.01.2011
4.
Das Problem ist ja nichts wirklich neues - schon die Mantas und Asconas mit Einspritzmotoren zickten manchmal druckseitig rum... - und das war Anfang der 80er. Gestunken hat es immer, gebrannt hat es nie - und die Reparatur dauerte keine 15 Minuten, wenn man den passenden Schlauch dabei hatte. Also - viel Lärm um nichts.
mitbestimmender wähler 26.01.2011
5. VW hatte es 2010 mit der Spritleitung
Rückrufaktionen sind in Übersee auch für den Volkswagenkonzern gang und gäbe. Februar Brasilien 193 000 VWs zurückgerufen, Radlager, Rad könnte sich lösen. Dezember USA/Kanada 377 000 VWs zurückgerufen, Spritleitung, Feuergefahr.
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