Mangelhafte Pkw Rekord bei den Rückrufen

Defekte Zündschlösser bei GM, fehlerhaftes Ladezubehör beim Tesla S, defekte Airbags bei Toyota: 2014 ist das Jahr der großen Rückrufaktionen. Laut einer Studie mussten im ersten Halbjahr mehr Autos in die Werkstatt zurück beordert werden als in den beiden Vorjahren zusammen.

Tesla S: fehlerhaftes Ladezubehör
Wolfgang Groeger-Meier

Tesla S: fehlerhaftes Ladezubehör


Frankfurt - Die Autohersteller haben in diesem Jahr einen Negativ-Rekord bei Rückrufen erzielt - und das nach nur sechs Monaten. Bis Juni wurden auf dem US-Markt mit 37,2 Millionen Pkw schon mehr Fahrzeuge in die Werkstätten zurückbeordert als in den beiden Vorjahren zusammen. Das geht aus einer aktuellen Studie des Forschungsinstituts Center of Automotive Management (CAM) in Bergisch Gladbach hervor. "Damit markiert das Jahr 2014 bereits zur Halbzeit das größte Rückrufvolumen aller Zeiten", heißt es dazu in der Studie.

Die Zahlen haben Gewicht. Derzeit sind die USA der zweitgrößte Automarkt der Welt hinter China. Insgesamt lag die Rückrufquote bei 455 Prozent, das heißt die Hersteller riefen viereinhalb Mal so viele Autos zurück wie sie im gleichen Zeitraum in den USA verkauften. Im Vorjahr hatte dieser Wert noch bei 142 Prozent gelegen. Die Studie erfasst auch sogenannte freiwillige Serviceaktionen, mit denen die Hersteller den Anordnungen der Behörde zuvor kommen.

  • Absoluter Spitzenreiter war General Motors mit einer Rückrufquote von 1668 Prozent.

In 37 Rückrufaktionen ließ GM im ersten Halbjahr rund 25 Millionen Autos in den USA überprüfen, vor allem wegen Problemen mit dem Zündschloss. Mehrere tödliche Verkehrsunfälle werden damit in Verbindung gebracht. Erst am Mittwoch beorderte GM erneut 717.950 Fahrzeuge wegen Schwierigkeiten mit der Halterung der Vordersitze, unzuverlässig arbeitender Blinker und einer defekten Servolenkung zurück.

  • Auf Platz zwei der Negativ-Statistik liegt Toyota mit einer Rückrufquote von 379 Prozent.

  • Die deutschen Konzerne Daimler (151 Prozent), BMW (89 Prozent) und VW (61 Prozent) schnitten besser ab.

"Die Analyse der globalen Hersteller zeigt, dass insbesondere hohe Wachstumsziele die Hersteller dazu verleiten können, die Qualitätsanforderungen zu vernachlässigen", erklärte CAM-Direktor Stefan Bratzel den Negativrekord. In den vergangenen Jahren sei die technische Komplexität und damit auch die Fehleranfälligkeit gestiegen. Außerdem müssten die Konzerne immer schneller neue Entwicklungen präsentieren, gleichzeitig aber Kosten sparen. Beides schade der Qualitätssicherung.

mhu/Reuters



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insgesamt 50 Beiträge
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fagballs 24.07.2014
1. Patches und Updates
Erinnert sich noch jemand an den alten Witz, wie es wäre, wenn sich Autos mit derselben Geschwindigkeit entwickelten wie PCs. Wir erleben hier genau das. Alles muss schnell und möglichst billig auf den Markt, später wird dann nachgepatcht. Schöne neue Welt.
arrogist 24.07.2014
2. Wie, bitte, kommt Tesla in dieser Liste auf Platz 3?
Da wird man wohl Mark Twain mit seinem bekannten Spruch über Lügen, verdammte Lügen und Statistiken zitieren müssen. Nicht, dass bei Tesla keine Fehler passierten und weiter könnten, aber schon das Bild oben ist eigentlich irreführend. Da gehört ganz sicher GM hin. Wer ist auf Platz 2? Und was ist eine "Rückrufquote"? 321% bei Tesla oder von 1668% bei GM? Aha, hier: "Die Hersteller riefen viereinhalb Mal so viele Autos zurück wie sie im gleichen Zeitraum in den USA verkauften". Alles klar? Was sagt uns das jetzt? 321 von 100 verkauften Teslas im Zeitraum X wurden angeblich zurückgerufen. Also wurden mehr Autos zurckgerufen als verkauft? Der Artikel ist auch deswegen irreführend, weil GM neu (!) über 700.000 Fahrzeuge in die Werkstätten beordert hat. Wenn Tesla mal so viele Fahrzeuge überhaupt verkauft hat, dann machen die in Kalifornien aber sicher ein ganz grosses Fass auf. Und wann hat Tesla Fahrzeuge in die Werkstätten beordert? Der Link im Artikel führt zu einem Artikel, dass eben kein Rückruf vorliegt - auch wenn das natürlich der Tesla Chef aus seiner Sicht sagt, so gibt es doch entscheidende Unterschiede zu dem was GM tut - oder eher nicht getan hat, denn im Gegensatz zu GM reagiert Tesla sofort auf Probleme. In diesem Sinne: Liebe Leute beim Spiegel, etwas genauer recherchiert darf es dann schon sein.
montecristo 24.07.2014
3. zurück beordern
Zitat von sysopWolfgang Groeger-MeierDefekte Zündschlösser bei GM, Brände beim Tesla S, defekte Airbags bei Toyota: 2014 ist das Jahr der großen Rückrufaktionen. Laut einer Studie mussten im ersten Halbjahr mehr Autos in die Werkstatt zurück beordert werden als in den beiden Vorjahren zusammen. http://www.spiegel.de/auto/aktuell/rueckrufe-gm-und-toyota-fuehren-die-negativliste-der-autohersteller-an-a-982748.html
Naja, es wäre ja schön wenn die Firmen nötige Rückrufaktionen durchführen würden. Seit nunmehr zwanzig Jahren, fahre ich VW und nur VW. Bisher war ich mit allen Modellen zufrieden, von kleineren Reparaturen abgesehen, die wohl das Los jedes Autobesitzers sind. Seit meiner Heirat vor einigen Jahren haben wir sogar zwei: einen großen und einen kleinen, nämlich einen Fox. 2006 als Tageszulassung gekauft hat er nunmehr weniger als 60.000 Km auf dem Tacho und ging vor kurzem durch den TÜV. Dann passierte vor kurzem folgendes: Von einem Parkplatz kommend ließ sich im fließenden Verkehr das Lenkrad nur noch mit großem Kraftaufwand bewegen – eine gefährliche Situation, da sich das Auto kaum mehr lenken ließ. Ich brachte das Auto am selben Tag zur nächstgelegenen Werkstatt die einen Schaden der hydraulischen Lenkung feststellte. Ich möchte nicht wissen was da alles hätte passieren können! Ich fahre jeden Tag Serpentinen! Diese Reparatur eine große finanzielle Belastung, die mich natürlich sehr ärgerte. Empört war ich jedoch über die Aussage der Werkstatt: Dies sei ein bekannter Fehler, VW habe daher den Lieferanten gewechselt. Und nein, eine Rückrufaktion habe es nicht gegeben. Ich halte es für höchst unverantwortlich von einem weltweit geschätzten Autohersteller, dass er – wahrscheinlich im Hinblick auf Imageschaden und verminderte Gewinnaussichten – auf eine Rückrufaktion verzichtet, sie über den offenbar nur in Insiderkreisen bekannten Defekt nicht informiert und so Leib und Leben, auch anderer Verkehrsteilnehmer, gefährdet. Wenn schon keine Rückrufaktion, so wäre doch das Mindeste, dass VW den werkseitig herbeigeführten Schaden bezahlt und zwar unabhängig von der Kilometerleistung. Man kann doch von einem VW noch bei 60.000 Km erwarten, dass er gefahrlos zu betreiben ist! Meine Beschwerde verlief übrigends im Sand. Es kam ein offensichtlicher Vordruck, welcher tausendfach abgeschickt wird. Ich solle "Verständnis zeigen". Nein. Tue ich nicht.
ms1985 24.07.2014
4. Warum Tesla?
Ich verstehe das Theater um Tesla nicht, da sind 3 Autos nach einem Unfall abgefackelt und ein Jahr später wird immer noch darüber berichtet. Waren die Brände zudem nicht alle in 2013? Mich würde ja schon mal interessieren wer die Journalisten von Spon bezahlt. Kann mir doch keiner erzählen dass die neutral sind.....
metacortexx 24.07.2014
5.
Zitat von ms1985Ich verstehe das Theater um Tesla nicht, da sind 3 Autos nach einem Unfall abgefackelt und ein Jahr später wird immer noch darüber berichtet. Waren die Brände zudem nicht alle in 2013? Mich würde ja schon mal interessieren wer die Journalisten von Spon bezahlt. Kann mir doch keiner erzählen dass die neutral sind.....
Also, wenn das "Abfackeln" für Sie eine Lapalie darstellt, dann weiß ich nicht. Also ich möchte da grad nicht drin sitzen wenn mein Auto abfackelt. Tesla ist noch nicht so lange auf dem Markt, aber ich denke die müssen ihr "Lehrgeld" schon noch mal bezahlen. Also ich würde mir kein Modell eines Herstellers kaufen, wovon ich weiß, dass schon mehrere innerhalb eines Jahres abgefackelt sind.
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