Rund um den Concours d'Elegance: PS-Parade am Pazifik

Aus Pebble Beach berichtet

In kaum einem Land gibt es mehr Luxusautos als in den USA. Und selten kommen davon so viele zusammen wie am Concours-Wochenende von Pebble Beach. Während auf dem Golfplatz die Klassiker um die Wette glänzen, startet die PS-Prominenz auf den Straßen rundum ihre eigene Show.

Die amerikanischen Autohändler stöhnen über eine anhaltende Kaufflaute. Doch in den Speckgürteln der Großstädte sitzt das Geld offensichtlich noch immer locker. Denn Benzinpreis hin und Immobilienkrise her - nirgendwo auf der Welt werden so viele Luxusautos verkauft, wie in den USA. Mercedes zum Beispiel liefert rund die Hälfte seiner AMG-Modelle in das Mutterland des Tempolimits. Der Lamborghini-Händler im vornehmen Orange County vor den Toren Los Angeles kommt auf mehr Kaufverträge als all seine Kollegen in Zentraleuropa zusammen, und während man Maybach und Rolls-Royce hierzulande fast nur aus dem Fernsehen kennt, sind die Luxusliner in manchen US-Stadtvierteln fast schon selbstverständlich.

Der große Reichtum und die uramerikanische Liebe zur Leistung werden bei der Classic Car Week in Pebble Beach besonders deutlich. Denn zum Concours d'Elegance kreuzen auf dem legendären 17-Mile-Drive, rund um die nahe gelegene Rennstrecke von Laguna Seca oder im lieblichen Carmel Valley mehr Luxusliner und Supersportwagen über die Pazifikhalbinsel südlich von San Francisco, als man sich vorstellen kann. Zumindest während dieses einen Wochenendes wirken im Vergleich dazu selbst Dubai oder Moskau wie automobile Sparbüchsen.

Schon die Zufahrt etwa zum Hotel Inn at Spanish Bay - immerhin nur das zweitbeste Haus am Platz - ist derart zugeparkt mit automobilen Edelmetall, dass man mit einem normalen BMW oder Mercedes gar keinen Stellplatz in der Auffahrt mehr bekommt. Für einen Bentley oder Rolls-Royce würde das Personal vielleicht noch Platz machen - aber selbst die Blondine mit dem Aston Martin darf nur schnell ausladen, bevor der freundliche Herr vom Valet-Service den Vantage geschickt wie ein Werksfahrer auf den Parkplatz rangiert.

Dass der Wagenmeister mit dem Sportler aus England auf Anhieb zurechtkommt, ist kein Wunder - schließlich hat er an diesem Tag schon zwei Dutzend DB9, Vanquish und Vantages hin- und hergefahren. Besonders während der Essenszeiten stehen auf dem Parkplatz des Hotels bald mehr Aston Martins als vor dem Werk in Gaydon. Und einen Block weiter wiederholt sich das Spiel mit Lamborghini, Ferrari oder Bentley. Auch die Luxussportler aus Deutschland sind gut vertreten: Porsche Carrera GT oder Mercedes SLR Roadster - doch nach diesen Autos dreht sich in Pebble Beach kaum einer um. Nur der Bugatti Veyron sorgt auch in dieser Gegend für Aufsehen.

Mehr als 100 Maybach-Verkäufe an einem Wochenende

"Geld spielt hier einfach noch immer keine Rolle", sagt Mercedes-Sprecher Josef Ernst, der als Classic-Experte Stammgast ist in Pebble Beach. "Für Einwohner und Gäste dieser Millionärskommune sind Luxusautos, was für Normalbürger zum Beispiel die Modelleisenbahn ist. So wie dieser sich gelegentlich eine neue Lokomotive anschafft, kaufen sich die Leute hier neue Autos."

Über schlechte Geschäfte können die Edelmarken in Pebble Beach deshalb nicht klagen, sagt Ernst und berichtet von zahlreichen Kaufverträgen, die allein am Abend des traditionellen Mercedes-Dinners unterschrieben worden sind. Das hat bei den Schwaben mittlerweile Tradition. Als sie vor sechs Jahren in Pebble Beach erstmals den Maybach vorstellten, wurden an einem Wochenende mehr als hundert Autos verkauft. Dafür bräuchten die deutschen Händler auf Basis der Zulassungszahlen von 2007 mehr als drei Jahre.

Teure Karossen in geschmackloser Lackierung

Auch wenn die Luxusautos von Pebble Beach meist sehr stilvoll daherrollen, reicht ein Blick auf den Hotelparkplatz für die Feststellung, dass Geld und Geschmack nicht immer gleichstark verteilt sind. Über Kennzeichen wie OIL-08-RR an einem Rolls-Royce-Phantom, SAMS-AMG an einem SL 65 oder ROARRR an einem Ferrari Scaglietti kann man ja noch schmunzeln. Aber einen Lamborghini Murciélago im ehemaligen Bundesbahn-Türkis oder ein Rolls-Royce-Cabrio in grellem Postgelb sollte man selbst Milliardären verbieten.

Doch manche Autos sind nicht nur eine Strafe für das Auge; in Pebble Beach gibt es auch was auf die Ohren. Denn die Bagage macht so viel Krach, dass von der vornehmen Ruhe der Luxusenklave an diesem Wochenende nicht viel übrig bleibt. Tagsüber röhren die Acht-, Zehn- oder Zwölfzylinder. Und nachts vergeht keine Stunde, in der nicht bei irgendeiner Pretiose die Alarmanlage fiept.

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