Saab Aero X Trollhättan, bitte um Starterlaubnis

Die Überraschung ist geglückt. Saab, die ebenso traditionsreiche wie sieche Marke im General-Motors-Konzern, meldet sich beim Genfer Salon mit einem Knalleffekt im Kreis der ambitionierten Autohersteller zurück. Die Studie Aero X gehört zu den Topstars der Messe.


Mit einem außergewöhnlichen Sportwagen trumpft der schwedische Hersteller Saab beim diesjährigen Genfer Autosalon auf. Die Marke aus Trollhättan zeigt eine Art Düsenflugzeug auf Gummiwalzen mit Ökoantrieb - und dem wohl kühnsten Design dieser Autoshow am Genfer See. Aero X heißt die Studie, und ihr auffälligstes Merkmal ist das Fehlen von Türen. Stattdessen öffnet sich der Innenraum, indem sich die komplette Cockpitkanzel, ähnlich wie bei einem Düsenjet, nach oben und vorne verschiebt.

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Saab Aero X: Düsenflugzeug mit Ökoantrieb

"So könnte ein Luxussportwagen von Saab aussehen", sagt Karosseriedesigner Alex Daniel, der diese ausgefallene Lösung entwarf. Ebenso konsequent wie diese nahezu vollständig gläserne Kuppel ist auch der Rest der Karosserie gestaltet: glatt, schnittig und vor allem ungeheuer kraftvoll. "Um den Eindruck eines Flugzeugrumpfes zu vermitteln, haben wir harte Kanten oder Ecken vermieden. Und wir haben auf Spielereien wie Tragflächen oder Spoiler verzichtet, denn sie widersprechen den Design-Prinzipen von Saab", erklärt Daniel.

Stattdessen weisen die Schweden mit jedem Quadratzentimeter dieser Studie auf ihre Ursprünge als Flugzeughersteller hin, was sich auch am Namen ablesen lässt. Saab nämlich ist das Akronym für Svenska Aeroplan Aktiebolaget, gegründet 1937 und zunächst mit dem Bau von Fluggerät befasst. Das soll der Aero X verdeutlichen, zum Beispiel auch durch seine Räder (vorn 22 Zoll, hinten 23), die wie Turbinenschaufeln aussehen.

Auch im Innenraum setzen sich die Jet-Assoziationen fort. Erst wenn die Zündung eingeschaltet ist, erwacht das Cockpit zum Leben. Es gibt so gut wie keine Knöpfe oder Tasten. "Man könnte fast von einem Innenraum ohne Styling sprechen", sagt Interieur-Gestalter Erik Rokke. Chrom- oder Holzzierrat gibt es nicht. Statt Teppichen sind Gummimatten verlegt. Die beiden Sitze sind mit schwarzem Leder bezogen. Gesteuert wird der Wagen übers Lenkrad - nicht nur was die Fahrtrichtung betrifft, sondern auch die Gangart und andere Einstellungen -, sowie über zwei Hebel und acht bündig eingelassene Tasten in der Mittelkonsole.

Praktisch ist in diesem Zusammenhang zum Beispiel auch, dass keine Scheibenwischer nötig sind, weil die wie ein Helmvisier umlaufende Frontscheibe wasserabweisend beschichtet ist. So ist auch kein Scheibenwischerhebel nötig. Prominent platziert ist lediglich der Hebel zur Betätigung der Cockpitkuppel sowie der darin integrierte, grüne Startknopf.

Wird der gedrückt, erwacht der direkt hinter der Vorderachse platzierte Motor. Es handelt sich um eine 2,8 Liter große V6-Maschine mit Turbolader, die mit Bio-Ethanol betrieben wird. Das Triebwerk leistet 400 PS (294 kW), das maximale Drehmoment liegt bei 500 Newtonmeter. Aufgrund dieser Leistungsdaten hat Saab folgende Fahrwerte "am Computer errechnet": Die Beschleunigung von 0 auf 100 müsste in 4,9 Sekunden klappen, die Höchstgeschwindigkeit würde ohnehin bei 250 km/h elektronisch abgeriegelt.

Wird dieser Saab jemals gebaut? Nein, und für diese Antwort braucht man keine prophetischen Gaben. Der Aero X hat eine andere Funktion. Er ist ein eindrucksvolles Lebenszeichen einer Marke, die viele schon einem schleichenden Tod entgegenrollen sahen. "Dieses Konzept zeigt die großartigen Möglichkeiten, die sich für uns bei der Entwicklung einer progressiven Formensprache für die Marke bieten", sagt Saab-Chef Jan Ake Jonsson. Saab lebt! - und vor allem: Saab lebt weiter! - soll das heißen. Auch wenn die Pläne für die nahe Zukunft, aller Flugzeugtradition zum Trotz, noch nicht allzu hochfliegend sein werden.



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