Autoklassiker Bundesrat erlaubt Saisonkennzeichen für Oldtimer

Oldtimer-Fans können bald bei den Unterhaltkosten für ihre Autoklassiker sparen: Bislang mussten sie für das ganze Jahr die Kfz-Steuer bezahlen - jetzt hat der Bundesrat die Vergabe von Saisonkennzeichen genehmigt.

Oldtimer von Mercedes-Benz
Daimler

Oldtimer von Mercedes-Benz

Von Haiko Prengel


Oldtimer-Besitzer in Deutschland können sich über erhebliche Steuerersparnisse freuen. Künftig dürfen historische Autos mit H-Kennzeichen auch mit Saisonkennzeichen - also nur für einige Monate im Jahr - angemeldet werden. Das teilte der Verband der Automobilindustrie (VDA) in einem informellen Schreiben an Oldtimer-Clubs mit. Vorausgegangen war eine entsprechende Verordnung durch den Bundesrat.

Bislang galt die Kombination von Oldtimer-Kennzeichen und Saisonkennzeichen als unzulässig. "Für ein Verbot dieser Kombination ist aber kein sachlicher Grund ersichtlich", heißt es in der Verordnung. Die Fahrzeug-Zulassungsverordnung und andere straßenverkehrsrechtliche Vorschriften sollen nun geändert werden. Wer seinen Oldtimer nur für einige Monate anmelden wollte, musste bislang das reguläre Saisonkennzeichen beantragen. Bei diesem gilt allerdings der normale, also für viele Oldtimer teurere Steuersatz, der sich unter anderem nach dem Schadstoffausstoß richtet.

"Das war schon lange ein Wunsch", sagt Mario De Rosa, Vorsitzender der Initiative Kulturgut Mobilität. Die Lobby-Vereinigung setzt sich für die Interessen von Oldtimer-Fahrern ein. "Es gibt genügend Leute, die sagten: Warum soll ich das ganze Jahr Steuern bezahlen für ein Fahrzeug, das ich nur sechs Monate nutze?", sagt De Rosas, der erwartet, dass sich das neue Saisonkennzeichen für Oldtimer rasch verbreiten wird. "Das könnte sich zu einem Erfolgsmodell entwickeln."

Fotostrecke

31  Bilder
Günstige Oldtimer: Bock auf Blech? Bitte hier lang

Fakt ist, dass viele Oldie-Besitzer ihre Fahrzeuge nur in der schönen Jahreszeit fahren. Wenn der Herbst beginnt, wird ein Großteil der Klassiker in der Garage eingemottet und überwintert dort bis zum Frühjahr. Die Kfz-Steuer gilt trotzdem für das ganze Jahr. Wenn viele Oldtimer-Fahrer von dem neuen Saisonkennzeichen Gebrauch machen, ist damit auch von einem Rückgang der Kfz-Steuereinnahmen auszugehen.

"Das wird wohl noch einige Wochen dauern"

Oldtimer sind im Trend, seit Jahren steigen die Zulassungszahlen. 2016 waren knapp 350.000 Pkw mit H-Zulassung in Deutschland angemeldet - so viele wie noch nie. Bislang teilten die Kfz-Zulassungsbehörden ein H-Kennzeichen aber nur zu, wenn ein klassisches Fahrzeug das ganze Jahr über angemeldet wurde.

Generelle Voraussetzungen für das Sonderkennzeichen sind ein Mindestalter des Fahrzeugs von 30 Jahren und ein weitgehend originaler, unverbastelter Zustand. Der Steuerbetrag liegt dann pauschal bei etwas mehr als 191 Euro pro Jahr. Attraktiv ist dies vor allem für Besitzer von hubraumstarken Klassikern, die ohne H-Kennzeichen ein Vielfaches an Kfz-Steuern zahlen müssten. Außerdem haben mit dem H-Kennzeichen auch Autos ohne Katalysator freie Fahrt in die Umweltzonen der Großstädte.

Laut Verband der Automobilindustrie wird die Verordnung des Bundesrats erst mit einer entsprechenden Veröffentlichung im Amtsblatt gültig. "Das wird wohl noch einige Wochen dauern", sagte eine VDA-Sprecherin.



insgesamt 95 Beiträge
Alle Kommentare öffnen
Seite 1
erst nachdenken 20.02.2017
1.
Sehr gut!
ver-sus 20.02.2017
2. Was für ein Erfolgsmodell soll das sein?
Worauf viele Oldtimerbesitzer und Sammler warten, ist EIN Kennzeichen für verschiedene Fahrzeuge. Das hieße nur einmal Versicherung und einmal Steuer, Schließlich kann ich auch nur immer ein Fahrzeug bewegen, wenn nur ich die Berechtigung dazu habe. Aber unser Kassenwart ist halt unersättlich. Und dass Versicherungen sich dagegen wehren, ist aus deren Sicht verständlich. Höchstmögliche Prämien bei geringstem Risiko. Wie läuft denn so deren Lobbyarbeit Herr Schäuble?
mcpoel 20.02.2017
3. Oh oh...
Die Leute sollen doch neue (weil neu = umweltfreundlich) Autos kaufen. Nun macht der Staat es nur noch leichter, alte Karren am Leben zu erhalten. Wo kommen wird den hin, wenn das jeder (oder jede Menge) machen würde? Wo bleibt die DUH? Außerdem gefährdet das doch Arbeitsplätze!
Balschoiw 20.02.2017
4. Der übliche
deutsche Blödsinn. Klar ist ein Saisonkennzeichen für Oldtimer nett, aber wäre es nicht sinnvoller es so zu machen wie unsere österreichischen Nachbarn? Ein simples Wechselkennzeichen bei dem man für die teuerste Kiste im Fuhrpark Steuern zahlt und dann eben nach Bedarf das Kennzeichen an andere Kfz´s im Besitz montieren kann wenn Wetter, Lust und Laune danach sind. Ist wahrscheinlich zu komplex für das Verkehrsministerium sowas geregelt zu bekommen...
mazzmazz 20.02.2017
5. Wechselkennzeichen
Soweit mir bekannt gibt es bereits die 07er Wechselkennzeichen in Deutschland. Nur nicht i.V.m. dem H-Privilieg. Nun kann man aber zumindest seinen Klassiker nur für den Sommer mit H-Nummer zulassen, was schon mal ein Fortschritt ist wie ich finde. Man kann halt nicht alles haben und im gegensatz zu z.B. Italien sind die Voraussetzungen für die Erteilung eines H-Kennzeichens bei Zustand und Originalität des Fahrzeuges sehr kundenfreundlich. Zustand 3 und einigermassen original bzw., und d wird es interessant, mit zeitgenössischen Umbauten die mindestens seit 20 Jahren verfügbar sind, reicht aus. Finde ich gut. Das wird irgendwann auch für mein altes Motorrad interessant, wenn der Umweltzonenirrsinn auf 2-Räder ausgedehnt wird. Und das wird wohl kommen.
Alle Kommentare öffnen
Seite 1
Diskussion geschlossen - lesen Sie die Beiträge! zum Forum...

© SPIEGEL ONLINE 2017
Alle Rechte vorbehalten
Vervielfältigung nur mit Genehmigung der SPIEGELnet GmbH


TOP
Die Homepage wurde aktualisiert. Jetzt aufrufen.
Hinweis nicht mehr anzeigen.