LED vs. Laserlicht Die Scheindebatte  

Audi, BMW und Mercedes strahlen um die Wette: Die drei Autohersteller wetteifern um das hellste Scheinwerfersystem. Während man in München und Ingolstadt Laser-Technologie favorisiert, setzt Stuttgart auf neuartige LED-Chips.

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BMW

Die Entwicklung der Scheinwerfertechnik der vergangenen Jahre ist beinahe vergleichbar mit dem Schritt von der Fackel zum Flutlicht. Käufer von hochpreisigen Neuwagen haben mittlerweile die Wahl: Laser oder LED? Matrix oder Multibeam? Zusatzscheinwerfer oder blendfreies Dauerfernlicht? Die Leuchten an den Autos sind um ein Vielfaches besser geworden, also kräftiger und präziser zu steuern.

Dass sich die Fahrzeughersteller so vehement auf das Thema stürzen, hat mehrere Gründe. Zum einen können sie sich mit innovativer Lichttechnologie gegenüber der Konkurrenz profilieren - bei Motorisierung und Fahrverhalten werden längst nicht mehr so große Sprünge gemacht. Zum anderen sind Scheinwerfer für die Autodesigner zu einem wichtigen Stilmittel geworden, um für eine Unverwechselbarkeit zu sorgen. Und vor allem bedeutet besseres Licht natürlich mehr Sicht und Sicherheit.

Bisher lieferten sich vor allem BMW und Audi ein Duell um die besten Strahler. Das gipfelte im Sommer in einem Wettrennen um die Einführung des ersten Laser-Zusatzscheinwerfers (bei BMW im i8, bei Audi im R8) für extrem weitreichendes Fernlicht. Aber mittlerweile mischt auch Mercedes mit. Die Schwaben haben eine neue Lichttechnik angekündigt, die voraussichtlich in einem Jahr mit der neuen E-Klasse in Serie gehen wird. Statt auf Laser- setzen die Schwaben aber auf LED-Scheinwerfer.

Bei 650 Metern muss Schluss sein

Diese erzeugen im Vergleich zum Laser einen breiteren Lichtkegel, der eher an eine Keule als eine Lanze erinnert. Wer beide Systeme im direkten Vergleich fährt, sieht etwa 500 Meter weit vor dem Auto mit dem LED-Spot ein bisschen mehr vom Straßenrand als mit dem Laser-Strahler. "Der Alltagsnutzen ist allerdings vergleichsweise gering", räumt sogar Gunter Fischer aus der Mercedes-Forschungsabteilung ein. Schließlich sei man als Autofahrer selten auf einer so langen Geraden und dazu noch ohne Vordermann unterwegs.

Die reine Leuchtkraft des neuen "High Range LED"-Lichts ist bei Mercedes also eher eine Pflichtübung, weil auch die Konkurrenz sie beherrscht. Als Gradmesser des Fortschritts taugt das Leuchtweitengerangel sowieso nicht. Denn Lichtmenge und damit Leuchtweite sind vom Gesetzgeber geregelt: 650 Meter sind maximal erlaubt.

"Es kommt nicht darauf an, wie viel Licht man auf die Straße bringt", sagt Fischer, "sondern auf eine möglichst intelligente und präzise Lichtverteilung." Je genauer der Lichtkegel an den Straßenverlauf (im Zusammenspiel mit den Navigationsdaten) und an die realen Gegebenheiten (im Zusammenspiel mit einer Kamera) angepasst werden kann, desto länger ist das blendfreie Fahren mit Fernlicht möglich.

Scheinwerfer erkennen Schilder

Aktuelle LED-Scheinwerfer arbeiten mit Walzen und Blenden, um zum Beispiel entgegenkommende Fahrzeuge aus dem Lichtkegel auszusparen. Oder es werden einzelne LED gedimmt. Im Multibeam-Scheinwerfer des aktuellen Mercedes CLS etwa werden 24 LED einzeln gesteuert; nach dem gleichen Prinzip arbeitet der Matrix-Scheinwerfer, den Audi im A8 anbietet.

In der nächsten Generation der Multibeam-Scheinwerfer, die Mercedes für die kommende E-Klasse vorbereitet, wird jedoch aufgerüstet. Dann strahlen pro Scheinwerfer in drei Reihen je 28 LED. Das ergibt 84 Bildpunkte und reicht für einen passgenauen Scherenschnitt, mit dem mehrere Objekte in den Schatten gestellt werden können. Selbst die Lichtstrahlen, die auf ein Verkehrsschild treffen, können so gedimmt werden, damit keine blendenden Reflektionen entstehen. Der Rest bleibt im Hellen.

Eine neue Technik namens AFS

84 Leuchtdioden auf einer Platine - damit stoßen derzeit die Zulieferer an ihre Grenzen. Außerdem ist der Platz im Scheinwerfer ausgefüllt. Deshalb arbeitet die Branche an einer neuen Technik namens AFS (Advanced Frontlighting System). In das Forschungsprojekt sind vor allem Osram, Infineon und Daimler involviert, Ziel ist ein neuartiger LED-Chip, auf dem die Dioden nicht mehr einzeln platziert werden, sondern bereits hoch verdichtet in den Halbleiter eingegossen sind. So lassen sich auf der Fläche eines Daumennagels vier Chips mit jeweils 256 Lichtpunkten unterbringen.

Aus den dann insgesamt 1024 Lichtpunkten komponiert die Elektronik ein Lichtbild, das gestochen scharf und gänzlich blendfrei in die Nacht strahlt. 2015 sollen die ersten Tests beginnen, in ein paar Jahren könnte das System serienreif sein, sagt Mercedes-Forscher Fischer.

Die Autohersteller stehen bei der Entwicklung aber noch vor einem anderen Problem. Mit Bildpunkten, Platinen oder Kameras hat es nichts zu tun, es ist viel banaler und hat dennoch enormen Einfluss: Es stellt sich nämlich die Frage, wie man den Kunden die neuen Lichtsysteme schmackhaft machen soll. Eigentlich geht das nur mit Probefahrten bei Nacht. Für Autohändler könnte es also künftig etwas später werden mit dem Feierabend.



Forum - Diskussion über diesen Artikel
insgesamt 247 Beiträge
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Leser161 12.12.2014
1. ...und der Gegenverkehr?
Schön das die Premiumkaleschen jetzt Laserkanonen äh lichter haben. Denkt auch wer an den Gegenverkehr? Viel hell blendet viel und nicht nur das Fernlicht. Das ist auch ein Sicherheitsaspekt..
themistokles 12.12.2014
2.
"Aktuelle LED-Scheinwerfer arbeiten mit Walzen und Blenden, um zum Beispiel entgegenkommende Fahrzeuge aus dem Lichtkegel auszusparen." Glaub´ ich nicht. Wenn einem ein so supermoderner Schlitten auf dunkler Landstraße entgegen kommet, sieht man erstmal sekundenlang nichts. Das ganze funktioniert nach dem Mechanismus: Wer heller ist, ist im Vorteil.
Nevis 12.12.2014
3. Lächerlich!
Wie viele Unfälle gibt es denn wegen angeblich schlechter Lichttechnik? Das pupertäre Gerangel um die Scheinwerfer beweist doch letztendlich nur eins: Die deutsche Automobilindustrie ist bezüglich ihrer Innovationskraft am Ende. Keine Visionen, keine echten neuen Ideen. Stattdessen der Versuch, sich bei der "Kirmesbeleuchtung" neuer Modelle gegenseitig zu übertrumpfen. Peinlich!
nichzufassen 12.12.2014
4. Toll
Es ging bei den seit einigen Jahren verbauten neuen Scheinwerfern wohl nur um´s heller und weiter. Leider wurde komplett vergessen, dass mit diesem Licht der Entgegenkommende bis zur Blindheit geblendet wird, wenn die Dinger nicht präzise eingestellt sind, was oft nicht der Fall ist. Schätze, dass auf das Konto dieses tollen, aber leider asozialen Lichts nicht wenige Unfälle der letzten Jahren gehen. Toll, was wir alles können. Was interessiert dabei der Andere.
Leser161 12.12.2014
5. Ps
Ja, ich weiss das die behaupten, dass die Chose blendfrei ist. Keine Ahnung ob die einfach stumpf lügen oder wen bestochen haben. Fahren Sie einfach mal bei Nacht über eine vielbefahrene Landstrasse und erzählen mir dann nochmal was von Blendfreiheit.
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