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11. März 2010, 13:06 Uhr

Schlaglöcher

A1 wird zur Bundesbröselautobahn

Gerade erst renoviert, nun schon wieder ein Flickenteppich: Hat der lange harte Winter der Bundesautobahn Nummer 1 so schwer zugesetzt? Der Oberbelag der Schnellstraße bröselt weg. Selbst das verantwortliche Baukonsortium spricht von einem "ungewöhnlichen Phänomen".

Hamburg/Bremen - Die A1 gehört zu Deutschlands ältesten Autobahnen und galt lange als stauanfälliger Flickenteppich - umso erleichterter waren die verantwortlichen Verkehrsplaner, als im November 2009 das problematische Teilstück Hamburg-Bremen in neuem Glanz erstrahlte: Sechsspurig und mit neuer Asphaltdecke. Verwendet wurde sogenannter Flüsterasphalt, der die Nerven der Anwohner schonen soll.

Nur zweieinhalb Monate später sieht die A1 auf diesem Streckenabschnitt schlimmer denn je aus. "Der oberste Belag bröselt einfach weg", sagt Heiko Gerken von der Niedersächsischen Landesbehörde für Straßenbau und Verkehr in Verden. "Die Fahrbahndecke löst sich vier Zentimeter tief auf." Umfang der Schäden, Kosten und Dauer der Reparatur sind bisher nicht abzusehen, heißt es bei den Behörden.

Bereits Ende Januar hatte das für den Ausbau verantwortliche Betreiberkonsortium A1 Mobil eingeräumt, es seien in "Bereichen mit offenporiger Asphaltdeckschicht kurze Zeit nach der Inbetriebnahme Fahrbahnschäden aufgetreten". Auch anderthalb Monate später hat das Konsortium allerdings noch keine Erklärung für das "ungewöhnliche Phänomen". Stattdessen wird notdürftig geflickt, um die ärgsten Schäden auszubessern.

Flüsterasphalt ist bereits gut erprobt

Eigentlich gilt der verwendete, neue Belag inzwischen als erprobt und problemlos. Wenn aber der Asphalt nicht das Problem ist, stellt sich die Frage, ob beim Ausbau der A1 möglicherweise gepfuscht wurde. Das A1-Konsortium ist eine sogenannte Public-Private-Partnership, an der neben dem Staat der Baukonzern Bilfinger Berger und die Bunte-Gruppe beteiligt sind.

Bilfinger Berger steht seit Wochen in den Schlagzeilen - das Mannheimer Unternehmen wird von Kritikern für den Pfusch bei den U-Bahn-Projekten in Köln und Düsseldorf verantwortlich gemacht. A1 Mobil gab sich bislang schmallippig: Man habe umfangreiche Untersuchungen eingeleitet. Ein Labor soll die Sache untersuchen.

Wann es Ergebnisse gibt, lässt das Konsortium offen. Auf den Befund ist auch die Landesregierung in Hannover gespannt. "Es ist Aufgabe des Konsortiums, wie es zum Ziel kommt. Die Verantwortung trägt A1 Mobil", sagte Heike Haltermann von der Landesstraßenbaubehörde. Bis 2012 soll die A1-Renovierung abgeschlossen sein.

Eigenversagen sicherheitshalber ausgeschlossen

Unterdessen rätseln Experten über die Ursachen der Pannen. Dirk Matthies vom ADAC in Bremen wundert sich. "Das ist schon sehr merkwürdig. So etwas kennt man nicht von neuen Straßen."

Der als Flüsterasphalt bekannte Belag sei ja nicht zum ersten Mal verwendet worden, auch Frost dürfte kaum eine Rolle gespielt haben. Dagegen sollte eine Autobahn eigentlich grundsätzlich gefeit sein. Aus Sicht des ADAC-Mannes kann nur ein Fehler bei der Verfahrensweise verantwortlich sein.

Anders gesagt: Jemand muss beim Auftragen des Oberbelags Mist gebaut haben. Von dieser Deutung will das A1-Konsortium freilich nichts wissen. Zwar haben die Baufirmen noch keine Erklärung für das rapide Zerbröseln ihres Bauwerks und forschen noch nach den Ursachen. Ein "Systemversagen der Bauweise", heißt es aber schon seit Wochen auf der Web-Seite des Konsortiums, sei aber "ausgeschlossen".

hil/dpa

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