Fahrrad, zu Fuß, Elterntaxi So kommen Kinder gut zur Schule

Mit dem Besuch der ersten Klasse beginnt für viele Kinder ein neuer Lebensabschnitt. Doch nicht jeder Sechsjährige kann schon allein zur Schule gehen. Bus, Rad, Elterntaxi - welches Verkehrsmittel ist das richtige?

Erstklässler zwischen parkenden Autos
DPA

Erstklässler zwischen parkenden Autos

Von


Vor vielen deutschen Schulen staut es sich bald wieder. Die Sommerferien enden in Berlin, Brandenburg, Hamburg, Mecklenburg-Vorpommern und Schleswig-Holstein sowie demnächst in Nordrhein-Westfalen.

Kurz vor acht rollen dann wochentags Elterntaxis heran, Kinder auf dem Rad oder zu Fuß schlängeln sich hindurch. Deren Anteil geht laut dem Verkehrsclub Deutschland (VCD) indes zurück, zuletzt auf 38 Prozent (Stand: 2012) von 43 (2002). Etwa 14 Prozent der Jungen und Mädchen zwischen 10 und 17 Jahren werden mit dem Auto zur Schule gebracht, Tendenz steigend.

"Das ist ein gefährlicher Trend", sagt VCD-Referentin Anika Meenken. So leide die Gesundheit der Kinder. Die Kinder seien zudem weniger vertraut mit dem Verkehr. "Das ist ein Teufelskreis."

Wie Jungen und Mädchen aber am besten zu Schule kommen, hängt vom individuellen Schulweg und den Fähigkeiten der Kinder ab. Dennoch gibt es Erfahrungswerte - hier eine Übersicht.

Welches Verkehrsmittel ist das beste?

Sicherheit geht vor Schnelligkeit - das gilt vor allem für kleine Kinder. Für jüngere Grundschüler sind die eigenen Füße das Verkehrsmittel der Wahl, sofern der Weg nicht deutlich länger als 1,5 Kilometer ist, rät der VCD.

Erst ab der dritten oder vierten Klasse halten ADAC und Polizei das Fahrrad für geeignet. Geübte und verantwortungsbewusste Kinder könnten schon etwas früher zur Schule radeln, sagt hingegen VCD-Frau Meenken. Eine Zwischenstufe stellt laut ihrem Verband der Tretroller da. Er ist aber nur für kurze Strecken zu empfehlen.

Bei langen Wegen bleibt oft nur der Bus - oder eben das Auto. Ältere Schüler können sich als Alternative zum Mofa für ein Elektrofahrrad entscheiden.

Der Weg zu Fuß - ideal, wenn möglich

Der kürzeste Schulweg ist nicht immer der sicherste. Ein Umweg lohnt sich, wenn er über Fußgängerüberwege oder Ampelkreuzungen führt.

Eltern sollten den Schulweg mit den Kindern ablaufen und dabei das Verhalten an gefährlichen Stellen wie Zebrastreifen, Bushaltestellen oder Kreuzungen üben. Vorsicht: Kinder denken bis zum siebten Lebensjahr, dass Autofahrer sie immer sehen, wenn sie selbst den Pkw sehen.

Wenn sich Eltern von ihrem Kind führen lassen, können Unsicherheiten erkannt werden. "Erwachsene sollten ruhig einmal in die Hocke gehen und so den Straßenverkehr aus Sicht der Kinder erleben", empfiehlt der ADAC. Wenn möglich, sollten Kinder zu zweit oder in kleinen Gruppen unterwegs sein.

Der Weg mit dem Fahrrad - es lauern Gefahren

Beim Radfahren reagieren Kinder bei einem plötzlich versperrten Weg oder einem winkenden Freund unterschiedlich kompetent. Es helfen permanentes Üben in der Freizeit und eine Wegstrecke mit wenig möglichen Gefahren. Wichtig ist der Blick über die linke Schulter an Einmündungen - er minimiert das Risiko der häufigen Abbiegeunfälle.

Fotostrecke

13  Bilder
Kinderfahrräder: Modelle für Minis

Auf dem Sattel sitzend muss das Kind den Boden mit dem Fußballen erreichen können bei ausgestrecktem Bein. Die Bremsen soll es betätigen, ohne den Lenker loslassen zu müssen. Der Helm muss waagerecht sitzen, wobei die Riemen ein Dreieck um die Ohren bilden, ohne sie zu berühren. Ein Zahlenschloss ist zwar oft unsicherer als eines mit Schlüssel, für Kinder aber leichter zu benutzen.

Hilfreich ist helle Kleidung, Reflektoren in den Speichen helfen zusätzlich. Besser als angehängte Blinkis seien "feste Reflektoren, zum Beispiel am Ranzen", sagt Meenken. Vorsicht ist geboten mit langen Schnürsenkeln und weiten Röcken - eventuell hilft ein Speichenschutz.

Der Ranzen ist laut Meenken in einem Fahrradkorb besser aufgehoben als auf dem Rücken. "Das Gewicht verteilt sich besser, die Kinder schwitzen weniger und können sich besser bewegen."

Der Weg mit Bus und Bahn - Achtung bei der Hauptgefahrenquelle

Übung ist auch hier entscheidend - vor allem beim Ein- und Aussteigen. "Die Hauptgefahrenquelle ist das Überqueren der Fahrbahn unmittelbar vor oder hinter dem Bus", stellt der ADAC fest. Im Bus sollten Kinder ruhig sitzen und wissen, wo sie sich festhalten können, müssen sie doch einmal stehen.

Regelmäßige Fahrten mit Bus und Bahn vermitteln den Kindern auch ein Gefühl für den Umgang mit anderen Fahrgästen. Dabei kann es um Höflichkeit gehen aber auch um Abgrenzung gegenüber aufdringlichen Mitfahrern. Der Busfahrer versteht sich als Helfer der Kinder - diese sollten ihn bei Problemen ansprechen.

Der Weg im Auto - wie er dem Kind guttut und Chaos ausbleibt

Viele Eltern bringen die Kinder im eigenen Wagen zum Unterricht, weil es am bequemsten ist oder es kaum andere praktische Möglichkeiten gibt. Um das Chaos vor den Schulen zu minimieren, können sie aber nach geeigneten Ausladeplätzen in einiger Entfernung zur Schule suchen. Dann bewegt sich ihr Kind etwas am Morgen und trifft womöglich schon Mitschüler.

Eltern sollten nicht in zweiter Reihe parken und ihre Kinder auf der Gehwegseite aus dem Wagen lassen, wo kein Halteverbot gilt. Unerlässlich sind die richtigen Kindersitze und -erhöhungen für alle mitfahrenden Kinder, sonst drohen Bußgelder und ein Punkt in Flensburg.

nis/afp



insgesamt 30 Beiträge
Alle Kommentare öffnen
Seite 1
Meckerameise 18.08.2018
1.
Also ich weiß nicht wie die Verhältnisse heute sind, aber als ich damals (90er Jahre) auf die Grundschule ging, ist mir nicht bekannt gewesen, dass da überhaupt Kinder mit dem Auto zur Schule gefahren wurden, weil sie alle im Umkreis gewohnt haben. Ein Freund kam und ging mit dem Bus, das wars. Wir hatten einen festen Weg, der vor der Schule über eine Bedarfsampel ging und über eine Verkehrsinsel, an der morgens meistens Schülerlotsen standen. Dieser Weg wurde uns eingetrichtert, die Abkürzung sollten wir nicht nehmen, weil der nicht beleuchtet war. Als wir älter wurden, haben wir den trotzdem manchmal genommen. Ist die Entfernung von zuhause bis zur Schule mittlerweile so lang, dass man die Kinder fahren muss?
cruiserxl 18.08.2018
2. wenn ich das Bild sehe, wird mir schon schlecht...
...wer hat diesen Kindern beigebracht - oder eben nicht - wie man über eine Strasse geht, so auf jeden Fall nicht.
h1elmann 18.08.2018
3. What the Fu*#*...?
Der Informationsgehalt dieses Artikels ist erstaunlich. Die grundsätzlichen Aussagen haben den Tiefgang eines Gummiboots. Warum habe ich den Eindruck, dass hier nur ein grobes Gerüst für die anschließend sich im angeschlossenen Forum ereifernden Superdaddys- und Mammis gezimmert wurde?
Mindbender 18.08.2018
4. ...
Verkehrsunterricht gibt es anscheinend nicht mehr, für die "älteren" darf es dann direkt ein Mofa (inklusive Führerschein) oder ein E-Bike sein, mit 17 wird man noch mit dem "Elterntaxi" zu Schule gebracht... schon traurig.
Heinrichxxx 18.08.2018
5.
Beitrag Nr. 3 hat klar erläutert, worum es hier geht und was nun passieren wird...niemand will das „Elterntaxi“, doch schon alleine dieser Begriff zeigt die Denke und die überhebliche Attitüde derjenigen, die sich für bessere Menschen halten, weil sie ihre Kinder nicht per Auto zur Schule bringen (müssen)!
Alle Kommentare öffnen
Seite 1

© SPIEGEL ONLINE 2018
Alle Rechte vorbehalten
Vervielfältigung nur mit Genehmigung der SPIEGELnet GmbH


TOP
Die Homepage wurde aktualisiert. Jetzt aufrufen.
Hinweis nicht mehr anzeigen.