Fahrbahnen zu schmal Schweiz will Straßen wegen SUV-Boom verbreitern

Die Schweizer lieben Geländewagen und SUV - doch die Straßen sind für sie oft zu schmal. Nun sollen die Fahrspuren breiter werden. Die Grünen sprechen von einer "Kapitulation".

Luxusauto in Zürich
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Luxusauto in Zürich

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In der Schweiz tobt eine Debatte darüber, wie breit die Straßen im Land künftig sein sollen. Da zunehmend Geländewagen unterwegs sind, seien die Fahrspuren inzwischen zu schmal, argumentieren Regierung und Fachleute. Auch Lastkraftwagen hätten beim Quermaß zugelegt.

"Wenn die Fahrzeuge breiter werden, muss auch die Straße breiter sein, sonst erhöht sich die Gefahr von Unfällen" sagte Jean-Marc Jeanneret, Präsident des Verbands für Verkehrsfachleute Schweiz (VSS) dem "Tages-Anzeiger". Sein Verband überarbeite gerade die Norm für Straßenbreiten. Unterstützt wird der VSS vom Schweizer Bundesamt für Straßen.

In Parkhäusern wird es eng

Jedes dritte in der Schweiz zugelassene Fahrzeug war dem Bericht zufolge 2016 bereits ein SUV. Der knapp zwei Meter breite GLC ist derzeit der beliebteste Mercedes, BMWs Topseller ist der X1. Volkswagen-Fans kaufen in der Schweiz schon fast so viele Tiguans wie Golfs.

Um durchschnittlich zwölf Zentimeter ist der durchschnittliche Neuwagen laut einer Untersuchung des Duisburger Autoexperten Ferdinand Dudenhöffer seit Anfang der Neunzigerjahre in die Breite gewachsen. Einzelne Fahrzeuge haben die Zwei-Meter-Marke schon geknackt - wie der Cadillac Escalade (2,06 Meter). Deshalb wird es in vielen Parkhäusern eng.

Zehn bis 50 Zentimeter mehr Platz wollen die Experten nun Schweizer Verkehrsteilnehmern spendieren. Derzeit sind für Nationalstraßen zwischen 3,25 und 3,75 Meter für eine Fahrbahn vorgegeben, Berg- und Stadtstraßen sind oft schmaler. Lastwagen hätten durch eine Anpassung vielerorts bessere Bedingungen, aber auch Geländewagen gewännen Spielraum, etwa beim Überholen.

Konflikte mit Fahrradfahrern durch enge Straßen

Das würde auch Konflikte mit Fahrradfahrern verringern, betont ein Sprecher der Importeursvereinigung Auto Schweiz. Radwege seien oft nur mit gestrichelter Linie auf der Fahrbahn markiert. Die Folge: je breiter die Autos, desto eher gibt es Konflikte.

Erregt reagieren die Schweizer Grünen auf den Vorstoß. "Wenn man jetzt die Straßen breiter macht und damit den SUV entgegenkommt, kommt das einer Kapitulation vor den Klimazielen gleich", sagte die Abgeordnete Aline Trede der Zeitung "20 Minuten".

Scharfe Kritik kommt zudem von Sicherheitsexperten. "Das Unfallrisiko wäre erheblich gestiegen, weil breitere Fahrbahnen zu schnellerem Fahren führen", sagt BFU-Sprecher Marc Kipfer mit Blick auf einen ersten, zunächst gescheiterten Vorstoß des VSS für mehr Asphalt.

Angesichts der hitzigen Debatte werden die Fachleute indes wohl nicht das letzte Wort in der Sache haben. Am Ende sei eine politische Entscheidung nötig, hieß es bei den Sozialdemokraten, die in diesem Jahr den Regierungschef stellen.

nis

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insgesamt 122 Beiträge
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tommix68 20.08.2018
1. Was heißt hier Kapitulation?
Die Politik, erst recht die Grünen sollten begreifen das die Mehrheit der Bevölkerung sich den Individualverkehr nicht nehmen lassen will! Obwohl ich SUV‘s in der Stadt für völlig überzogen und obszön halte...
ziehenimbein 20.08.2018
2. Was noch dazu kommt,
ist dass die meisten Fahrer keine Ahnung haben wieviel Platz noch rechts vom Fahrzeug ist. Extrem viele Fahrer orientieren sich nur an der Mittellinie. Oder sie fahren bewusst weiter links, weil die Fahrbahnränder ziemlich ramponiert sind und sie das Geschaukel reduzieren wollen. Schade finde ich auch, dass es die meisten SUVs erst ab mindestens 150 PS gibt. Ich glaube, dass Vielen auch kleinere Motoren reichen würden.
knok 20.08.2018
3.
Ich würde die Straßen lieber verschmälern, damit diese hässlichen Spritfresser nicht mehr zu sehen sind. Vor allem in Städten braucht doch niemand einen SUV, eigentlich braucht man in Zürich, Bern oder Basel doch überhaupt kein Auto.
don_spon 20.08.2018
4. Beknackter
als die Deutschen scheinen die Eidgenossen auf den ersten Blick zu sein. Abern wahrscheinlich wäre in Deutschland jeder zweite neu zugelassene Wagen ein SUV, wenn das Lohnniveau wie in der Schweiz wäre. Alles muss breiter werden nur die Insassen und das Gepäck bleiben wie vor 20 Jahren. Ich bleibe dabei SUV's sind blechgewordene Rücksichtlosigkeit, Klimasünde,Unvernunft,amerikanischer Lifestile in europäischen Gassen. Das so viele mit den Karren rumfahren müssen finde ich erstaunlich.Das die Schweizer beim Protzen dabei sind eher nicht. Gegenmittel sind LKW Zulassung ab 2 Tonnen,zwei Plätze bezahlen wenn der Wagen nicht auf einen passt,Spritpreise erhöhen. An die SUV Einzeller die es sicher auch in diesem Forum gibt. Nein ich beneide niemanden um sein SUV.Mir wäre es peinlich in einem gesehen zu werden und ja ihr braucht die Geräte natürlich aus irgendeinem vorgeschobenen Grund tatsächlich.
mueller23 20.08.2018
5. Silly Useless Vehicle
Ich kann es rational nicht erklären, warum sich so viele Leute immer breitere Fahrzeuge zulegen. Sicherheitsbedürfnis, Statussymbol, Protzgehabe? Der traditionelle Standardparkplatz ist 2,35m breit, ältere Garagen haben die selbe Breite, neuere 2,50m und mehr. Wie kann man so bekloppt sein, sich ein Auto zu kaufen, welches nicht auf die Strase passt, auch nicht in Parklücken? Das wird zunächst das Geheimnis bleiben der hunderttausenden Hausfrauen, die die 1,5 km zum Aldi mit einem Panzer in Angriff nehmen müssen.
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