Von Tom Grünweg
Der erste Eindruck: Ein Ibiza wie jeder andere. Lediglich die etwas knackiger gestalteten Schürzen an Front und Heck identifizieren das Sportmodell Cupra. Doch wenn der Motor anspringt und das Brabbeln und Röcheln aus dem mittig platzierten Auspuff-Endrohr dringt, ahnt man den Unterschied zum normalen Modell.
Das sagt der Hersteller: Der Cupra ist nicht nur das Top-Modell der Ibiza-Baureihe, er repräsentiert in den Augen von Seat-Chef James Muir auch die Essenz der Marke. Begeisterndes Design, überragende Performance und modernste Technologie seien die drei Säulen der Selbstdefinition der spanischen VW-Tochter. Zudem zeige die Neuauflage des Modells aufgrund der verbesserten Qualität und des aufgewerteten Interieurs, wie schnell und konsequent sich Seat entwickle, sagt Muir.
Das ist uns aufgefallen: Wie gut das kleine Auto mit der großen Leistung zurechtkommt - immerhin holen Turbo und Kompressor aus dem 1,4-Liter-Motor 180 PS und bis zu 250 Nm Drehmoment. Während manches Konkurrenzmodell vor Kraft kaum fahren kann, scharrt der Ibiza nur ganz kurz mit den Vorderrädern und zieht dann sauber davon.
Mag sein, dass derartige Kleinwagen meist im Stadtverkehr unterwegs sind und dort natürlich auch mit 75 PS hinreichend motorisiert wären. Aber sobald es einen auf eine freie Strecke verschlägt, macht der Ibiza Cupra richtig Laune. Gierig hängt der Motor am Gas, und in der Sportstellung des Doppelkupplungsgetriebes darf er die sieben Gänge schön weit ausdrehen. Dann wird es zwar lauter im Innenraum, und die an sich vernünftigen 5,9 Liter Normverbrauch kann man mit schwerem Gasfuß in die Tonne treten. Doch dafür wird der Wagen dann tatsächlich so heißblütig, wie es dem Selbstverständnis der spanischen Autobauer entspricht.
Jede Gerade lockt zum Zwischenspurt, und mit jeder Kurve steigt die Laune. Denn das Fahrwerk ist richtig gut geraten. Es wurde gegenüber dem Serienmodell um knapp zwei Zentimeter tiefer gelegt und dazu strammer abgestimmt; außerdem ist eine elektronische Differentialsperre serienmäßig an Bord. Wenn es dann richtig flott durch enge Kurven geht, weiß man auch, warum die Spanier sowohl ein besonders griffiges Lenkrad als auch Sportsitze mit deutlich mehr Seitenhalt eingebaut haben.
Das muss man wissen: Der Ibiza Cupra ist im Grunde der spanische Bruder des VW Polo GTI. Allerdings hat der ausschließlich als Dreitürer lieferbare Südländer mit der coupéartigen Silhouette und den schärferen Karosserielinien das schneidigere Design. Außen erkennt man das an den schon erwähnten, tiefer gezogenen Schürzen und innen an den neuen Sitzen, dem Sportlenkrad sowie den Aluplatten auf den Pedalen.
Die Aufrüstung hat allerdings ihren Preis. 23.590 Euro kostet der ab März lieferbare Cupra, rund 3000 Euro mehr als der bisherige Spitzenbenziner mit 150 PS. Dafür sind allerdings Extras wie Navigationssystem und Xenonlicht ab Werk im Auto. Trotzdem will nicht so recht einleuchten, warum ausgerechnet der VW Polo GTI um ein paar hundert Euro billiger ist als der Ibiza Cupra.
Das werden wir nicht vergessen: Den Spaß, den man mit diesem Wagen auf einer kurvigen Landstraße haben kann.
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