Autogramm Seat Leon SC: Der Golf im Wolfspelz

Von Tom Grünweg

Autogramm Seat Leon SC: Modulare Sportskanone Fotos
SEAT

Wer die Verlässlichkeit und Perfektion eines Golf sucht, aber nicht den automobilen Langeweiletod sterben will, ist mit dem Seat Leon gut beraten. Der gewinnt in Vergleichstests, ist also vernünftig, spricht aber auch die sinnliche Seite seines Fahrers an. Das gilt vor allem für den neuen Dreitürer.

Der erste Eindruck: Caramba, das Heck dieses Autos ist ein Hingucker. Schon der normale, also fünftürige Seat Leon ist ein Blickfang, aber der neue Dreitürer, der das Kürzel SC für Sport-Coupé trägt, lässt vor allem die technisch identischen Baukasten-Brüder VW Golf oder Audi A3 ziemlich blass aussehen.

Das sagt der Hersteller: Seat-Entwicklungschef Matthias Rabe platzt fast vor Stolz, wenn vom neuen Leon gesprochen wird. Endlich mal keine Negativschlagzeilen über die kriselnde VW-Tochtermarke, sondern Lob und Anerkennung. Und dann gewinnt das Auto in deutschen Fachzeitschriften auch noch Vergleichstests gegen BMW 1er und Mercedes A-Klasse. "Wann hat es das schon einmal gegeben?", fragt Rabe. Jetzt soll der neue Leon zum Wendepunkt für Seat werden. Rabe: "Nicht nur wirtschaftlich, sondern vor allem in der Wahrnehmung der Kunden."

Helfen soll dabei der Leon SC als zweites Ass. Anders als üblich sei der SC kein billig gemachter Dreitürer zur Preiskorrektur, so Rabe, sondern "im Gegenteil ein eigenständiges Modell mit eigenständiger Positionierung". Es fehlen nicht nur die Fondtüren, auch der Radstand wurde um 3,5 Zentimeter gekürzt und das Design insgesamt geändert. "Außer der Frontschürze, Motorhaube und vorderen Kotflügeln gibt es keine Karosseriegleichteile bei Drei- und Fünftürer", sagt Rabe.

Das ist uns aufgefallen: Das Auto legt eine durchaus kesse Sohle auf den Asphalt. Natürlich sind die Motoren identisch mit jenen des VW Golf oder des Audi A3, doch bei vergleichbarer Motorleistung ist der Leon das sportlichste Auto in der Konzernfamilie und fährt Kreise um die hauseigenen Konkurrenten.

Die flotte Wahrnehmung liegt zum einen an der Wirkung des schnittigen Designs, aber auch an der geradezu perfekten Sitzposition, der vergleichsweise strammen Fahrwerksabstimmung und einer Lenkung, die zumindest im Sportmodus eine präzise Rückmeldung gibt. Diese Details summieren sich im Bild eines knackigen Kompaktwagens.

Dass der Leon so viel leichtfüßiger und agiler wirkt als Golf und Co., liegt vor allem am Gewicht. "Unser Auto ist das leichteste auf Basis des modularen Querbaukastens", sagt Rabe. Dünnere und zugleich stabilere Bleche, geschickte Proportionen und etwas weniger Ausstattung - das bringt gegenüber dem Golf schon bei dem Fünftürer einen Vorteil von 30 bis 40 Kilogramm. Und der Dreitürer ist um weitere 20 Kilo leichter.

Das muss man wissen: 14.890 Euro - so viel muss man mindestens für den neuen Leon SC bezahlen, wenn er ab Juni zu den Händlern kommt. Zu diesem Preis gibt es den Dreitürer mit einem 1,2-Liter-Benziner mit 85 PS. Sportlich wird es aber erst mit dem von uns gefahrenen Turbomotor mit 1,8-Litern Hubraum und 180 PS. Die Maschine klingt kernig, dreht bis weit über 6000 Touren und treibt den Leon wieselflink über die Bergspisten. Es gibt noch drei weitere Benziner mit 105, 122 oder 140 PS sowie vier Dieselmotorisierungen von 90 bis 184 PS.

Bei aller Konzentration auf die Sportlichkeit hat Seat den Alltagsnutzen nicht vergessen. Man muss sich beim Einsteigen in den Fond zwar zwischen Sitzlehne und Karosseriesäule vorbei schlängeln, doch wenn man es erst einmal auf die Rückbank geschafft hat, kann man es dort trotz des kürzeren Radstands ganz gut aushalten. Kopf- und Schulterfreiheit sind okay, und wenn der Vordermann ein Einsehen hat, reicht es auch für die Knie. Der Kofferraum ist mit 380 Litern übrigens genauso groß wie beim Fünftürer.

Das werden wir nicht vergessen: Die kleinen, feinen Details, die von der neu entdeckten Präzision bei Seat zeugen und selbst die Mikrometer-Pedanten in Wolfsburg erstaunen dürften. Die Falze im Blech über den hinteren Kotflügeln zum Beispiel sind so scharf, dass beim Polieren beinahe Verletzungsgefahr besteht. Und dann gibt es ja noch die Fensterschachtleiste, den ganzen Stolz von Entwicklungschef Rabe. So heißt die wenig schmuckvolle Plastikkante am Übergang von Blech zu Glas oberhalb der Türgriffe. Die ist, und das sei Ausdruck größter Präzision und Qualität, bei Seat jetzt schmaler als bei jedem anderen Auto des Konzerns.

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insgesamt 32 Beiträge
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1. Toll, so eine Schachtleiste
zeitmax 11.04.2013
wollte ich schon immer haben! Und den Kotflügelflz sehen wir nach 20.000km wahrscheinlich bis auf die Grundierung abgeschliffen von Rollsplitt u.ä. ...
2. Schon die erste Zeile reicht mir:
salty68 11.04.2013
"Wer die Verlässlichkeit eines Gold sucht...", meint der Autor vielleich die Golfs mit den tollen TSi -Motoren, mit den Steuerkettenproblemen?
3. Das ist kein Sportcoupé,
salty68 11.04.2013
das ist ein Kompaktwagen mit kräftigem Motor. Wär's ein Koreaner oder Japaner hätten Sie ihn als Kleinwagen bezeichnet. Ein Nissan 350 Z ist ein Sportcoupé oder ein Toyota Celica oder GT86. Da werden 2 Türen weggelassen und hinten eine Kante eingepresst und SC draufgeklebt und schon soll das ein Sportcoupé sein?! Lachhaft! Der Innenraum ist auch nicht schlicht, weil der Konzern gut schlichte Armaturen bauen kann, sondern langweilig und einfallslos. Und die Fensterleiste ist ganz schmal. Donnerwetter, dass ist ne Sondermeldung wert !
4. Kompliment!
digitus_medius 11.04.2013
Der Wagen hat die Vergleichstest gegen den neuen MB A Klasse und den Einer BMW locker für sich entschieden. Also Bester seiner Klasse. Glückwunsch!
5. Deutsche Sprache, schwere Sprache, ....
fjr 11.04.2013
"das bringt gegenüber dem Golf schon bei den Fünftürer eine Vorteil von 30 bis 40 Kilogramm. Und der Dreitürer ist um weitere 20 Kilo leichter." Journalisten und Fachkenntnisse, dass das nicht zusammengeht, war mir ja schon länger klar, aber das - angeblich - deutschsprachige Journalisten kein Deutsch können. Setzen, Sechs, Herr Grünweg.
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Fahrzeugschein
Hersteller: Seat
Typ: Leon SC
Karosserie: Kompaktwagen
Motor: Vierzylinder-Turbobenziner
Getriebe: Sechsgang-Schaltgetriebe
Antrieb: Front
Hubraum: 1.789 ccm
Leistung: 180 PS (132 kW)
Drehmoment: 250 Nm
Von 0 auf 100: 7,5 s
Höchstgeschw.: 226 km/h
Verbrauch (ECE): 5,9 Liter
CO2-Ausstoß: 137 g/km
Kofferraum: 380 Liter
Gewicht: 1.290 kg
Maße: 4236 / 1810 / 1431
Preis: 23.840 EUR


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