Segway i2: Slalom am Straßenrand

Noch fehlt dem Segway der Segen der Straßenverkehrsordnung. Trotzdem rollen schon mehr als 400 dieser ungewöhnlichen Elektroroller durch Deutschland. Jetzt kommt die zweite Generation unter dem Namen i2 auf den Markt. Die rechtliche Seite soll bis Ende Oktober geklärt werden.

An den Anblick muss man sich erst gewöhnen: Erwachsene Männer in Schlips und Kragen stülpen sich einen Helm über, steigen auf eine eigenwillige Konstruktion aus zwei Rädern und einer hüfthohen Stange und kreuzen mit einem breiten Lächeln im Gesicht wie große Kinder durch eine eng gesteckte Hütchengasse. Was aussieht wie eine Mischung aus sommerlicher Ski-Gymnastik und dem Monatstreffen der Evil-Knevel-Doubles, ist tatsächlich eine Testfahrt mit der neuesten Generation des Segway. Dieser "Human Transporter" ist in den letzten Jahren zum Kultgefährt lauffauler Amerikaner geworden und müht sich intensiv um internationale Anerkennung. Doch in Deutschland bleibt im diese bislang verwährt.

Zwar haben Verkehrsexperten nach einem erfolgreichen Test mit der Polizei im Saarland die Zulassung des Hightech-Rollers angeraten, und in Hamburg darf man damit seit diesem Sommer immerhin auf geführte Sightseeing-Touren durch die Innenstadt gehen. Aber überall sonst ist der Segway im öffentlichen Verkehrsraum noch tabu.

Dennoch wurden über die Deutschlandzentrale in Deggendorf und eine Reihe bundesweiter Vertriebspartner bereits mehr als 400 Modelle verkauft, die nun durch Messehallen rollen, über Golfplätze fahren oder bei Sportveranstaltungen und Open-Air-Konzerten die Ordner mobil machen. Und ganz langsam mehren sich die Zeichen, dass die Politik dem Rat der Wissenschaft folgt und dem Human Transporter ihren Segen erteilt. "Noch in diesem Jahr, vielleicht sogar schon Ende Oktober, rechnen wir mit einer Freigabe für den Straßenverkehr", sagt einer der Instruktoren, der die Testfahrten begleitet.

Das neue Lenksystem reagiert auf Gewichtsverlagerung

Das passt es gut, dass gerade die zweite Generation des futuristischen Rollers an den Start geht. Am Grundprinzip hat sich nichts geändert. Nach wie vor steht man auf einem schmalen Trittbrett, an dem links und rechts ein kniehohes Rad befestigt ist. In jedem Rad steckt ein Elektromotor, der per Gewichtsverlagerung gesteuert wird. Die Bewegungen des Körpers, die ähnlich wie beim Skifahren sind, übersetzt eine intelligente Elektronik.

Sie tariert das Gerät mit einem Gyroskop in wenigen Sekundenbruchteilen so weit aus, dass es wie angewurzelt stehen bleibt. Erst wenn sich der Fahrer nach vorn beugt, schließt der Roller auf den Wunsch nach Fortbewegung und nimmt beinahe geräuschlos Fahrt auf. Wird einem die Sause zu schnell, lehnt man sich wieder zurück und bremst den Roller damit ab. Je nach Mut und Motivation schafft der Roller bis zu 20 km/h, und die Batterie liefert Saft für 38 Kilometer. Danach muss der Akku wieder für zwei bis drei Stunden an einer ganz normalen Steckdose geladen werden.

Neu beim neuen Modell ist die Lenkung: Während man beim ersten Segway noch wie beim Gasgeben auf einem Motorrad an einem Griff drehen musste, um die Richtung zu wechseln, arbeitet der i2 nun auch hier mit Gewichtsverlagerung: Ähnlich wie auf seinen Carving-Ski lehnt man sich dabei einfach ein wenig nach rechts und drückt so automatisch die feinfühlige Lenkstange in die Richtung, die man einschlagen möchte. Will man den Kurs wechseln, richtet man sich wieder auf oder lehnt sich nach links.

Der Segway überzeugt - der Preis allerdings ist horrend

Das klingt in der Theorie komplizierter, als es ist. Denn in der Praxis muss man Entwicklungsleiter Dough Fields recht geben, wenn er sagt: "Wir wollten eine vollkommen intuitive Steuerung entwickeln, quasi als eine Art Verlängerung der menschlichen Bewegungsabläufe. Deshalb reagiert der i2 auf die kleinsten Regungen des Körpers und setzt diese unmittelbar in Steuerungssignale um."

Eigentlich steht einem Erfolg des Segway nichts mehr im Wege: Das Gerät kann man auch ohne Ausbildung nach ein paar Minuten beherrschen, und die Politik wird es wohl bald im öffentlichen Verkehrsraum dulden. Dumm nur, dass der i2 so teuer ist. Denn mit einem Grundpreis von rund 6700 Euro konkurriert er nicht so sehr mit anderem Freizeitgerät, sondern mit ausgewachsenen Motorrollern. Das sind die niedrigen Betriebskosten nur ein kleiner Trost. Denn auch wenn man mit dem Strom für einen Euro runde 200 Kilometer weit kommt, muss man schon sehr viel Segway fahren, wenn man wirklich sparen möchte.

tom

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