Selbstzündender Benziner Diesel und Ottomotor heiraten

Früher hatte der Diesel den Ruf einer Dreckschleuder, heute gilt er Entwicklern als vorbildlich. In Zukunft sollen deshalb auch Benziner teilweise ohne Zündkerzen auskommen - der Mischmotor DiesOtto könnte Sprit sparen helfen und weniger Emissionen verursachen.


DiesOtto nennt DaimlerChrysler seinen selbstzündenden Benzinmotor. Das Aggregat hat soll die positiven Eigenschaften von Diesel- und Ottomotor in sich vereinen. Dabei soll es so leistungsfähig wie ein Benziner und so genügsam wie ein moderner Dieselmotor sein – und außerdem wenig Dreck produzieren. "Wir wollen den Benziner so sparsam machen wie den Diesel", sagt Herbert Kohler, Leiter der DaimlerChrysler Konzernforschung.

Bei Mercedes stellt man sich einen 1,8-Liter Motor mit vier Zylindern vor, der 238 PS leistet und weniger als sechs Liter Sprit verbraucht. Und das nicht etwa in einem Kompakt- oder Kleinwagen, sondern in der S-Klasse.

In der neuen Technologie, bei der das Kraftstoff-Luft-Gemisch wie in einem Diesel ohne Zündkerzen selbst entflammt, sehen die Stuttgarter die Zukunft des Ottomotors. Trotz der Diskussion über alternative Antriebe glaubt der Autobauer nicht, dass Verbrennungsmotoren bald vom Markt verschwinden werden.

Auch eine Studie der Unternehmensberatung McKinsey prophezeit, dass der auch im Jahr 2020 noch die bedeutendste Antriebstechnik sein wird. Ohnehin bietet der klassische Ottomotor noch reichlich Optimierungspotential: bisher gehen noch bis zu 70 Prozent der eingesetzten Energie durch Wärme und Reibungswiderstand verloren.

Manchmal mit Zündkerze, manchmal ohne

Die Verbrauchsreduzierung beim DiesOtto-Motor wird durch unterschiedliche Maßnahmen erreicht, die teilweise schon bei herkömmlichen Aggregaten angewandt werden. Experten halten etwa das so genannte Downsizing für einen der Schlüssel zur Verbrauchsoptimierung. Dabei werden der Hubraum oder die Anzahl der Zylinder verringert, die Motorleistung aber durch Einsatz eines Turboladers oder Kompressors konstant gehalten oder sogar erhöht. Parallel dazu kann der Durst der Maschine durch die Optimierung der Benzin-Direkteinspritzung gesenkt werden.

Die Neuerung des DiesOtto: Wenn der Wagen mit mittlerer, gleichmäßiger Geschwindigkeit unterwegs ist (Teillastbereich), kommt die Selbstzündung zum Einsatz. Damit sie funktionieren kann, muss das Verdichtungsverhältnis im Zylinder gesteigert werden. Bei Start oder Vollgas entflammt das Gemisch hingegen durch eine normale Zündkerze. Die Kompression und damit einhergehend der Ventil- und Kurbeltrieb wird je nach Betriebsmodus variiert. Anders als im Zündkerzenmodus entflammt der Kraftstoff bei der Selbstzündung am mehreren Stellen gleichzeitig und verbrennt dadurch besser und effizienter. Außerdem kann der Ausstoß von Schadstoffen reduziert und die Abgasnachbehandlung vereinfacht werden.

Noch sparsamer könnte der Motor durch den Einsatz eines Hybridantriebs werden. Zeitweise übernimmt dabei ein Elektroaggregat die Aufgabe des Verbrennungsmotors. "Grundsätzlich wird Mercedes-Benz nur noch Fahrzeuge entwickeln, die eine Hybridisierung erlauben", sagt Kohler. Auf einen Vollhybrid von Mercedes, muss man allerdings noch ein paar Jahre warten. Denn die Schwaben setzen auf die Lithium-Ionen-Akkus, und Experten gehen davon aus, dass diese nicht vor 2010 marktreif sein wird.

Zunächst ist in DiesOtto-Fahrzeugen lediglich der Einsatz eines Start-Stopp-Moduls geplant, das DaimlerChrysler bereits ab Ende des Jahres im Smart einsetzen wird. Dieses Modul schaltet den Verbrennungsmotor ab, wenn er nicht gebraucht wird, zum Beispiel an der roten Ampel.

Der DiesOtto soll mittelfristig in Serie gehen

Wann der DiesOtto den Weg in die Serie finden könnte, will Mercedes noch nicht preisgeben. Auf der Internationalen Automobilausstellung (IAA) will DaimlerChrysler zunächst eine S-Klasse als Forschungsfahrzeug präsentieren.

Etwas weiter sind beim Thema Diesel-Benziner-Kombination die Entwickler bei Volkswagen: Die Wolfsburger arbeiten ebenfalls an einem Selbstzünder, der die Vorteile beider Motoren vereint. Das Aggregat wird bereits in einem Forschungsfahrzeug, dem Touran CCS (Combined Combustion System), eingesetzt. Doch über den Zeitpunkt einer möglichen Markteinführung lässt auch VW nichts verlauten.



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