Shell Eco-Marathon Schluckspecht versus Starke Sachsen

Am kommenden Wochenende wird der Nogaro-Ring in Südfrankreich zum Mekka der Öko-Karossen. Studenten und Schüler aus aller Welt wetteifern mit ihren federleichten Eigenbauten nicht etwa um die schnellste Kiste, sondern um die sparsamste.


Sprit-Sparer: Kniehohe Eigenbauten

Sprit-Sparer: Kniehohe Eigenbauten

Die Aufgabe lässt sich kurz zusammenfassen: eine möglichst lange Strecke mit nur einem Liter Treibstoff zu fahren. Seit über 20 Jahren pilgern Schüler und Studenten zum "Shell Eco-Marathon", um darum zu wetteifern, welcher ihrer aerodynamischen Eigenbauten den niedrigsten Energieverbrauch erzielt. Der Rekord liegt bei 3494 Kilometern, den ein Team des Lycée la Joliverie in Nantes (Frankreich) im vergangenen Jahr aufstellte. Beeindruckende 0,0293 Liter auf 100 Kilometer verbrauchten die Rekordhalter. Ziel der Rallye ist, umweltfreundliche Konzepte im Fahrzeugbereich praktisch umzusetzen.

In diesem Jahr werden am 21. und 22. Mai 227 Teams aus 18 Ländern an der ersten Runde des europäischen Eco-Marathons teilnehmen. Unter den Teilnehmern sind auch zwei deutsche Teams. Das "Schluckspecht-Team" der Fachhochschule Offenburg ist schon seit 1998 dabei, das Team "Fortis Saxonia" der TU Chemnitz wird hingegen seine Jungfernfahrt auf dem Nogaro-Ring absolvieren.

Entwicklung des "Fortis Saxonia"
Erste Entwürfe: Bevor das Öko-Mobil reale Gestalt annahm, wurden die Ideen in guter alter Handarbeit mit dem Stift aufs Blatt gebracht Gelbes Unterseeboot: In das reale Pendant zu diesem CAD-Computermodel von "Fortis Saxonia 1" steigen am Wochenende nicht etwa die Beatles ein, sondern "leichte und drahtige" Sachsen Sitzprobe: Nach vielen Nachtschichten testen die Studenten im Innenhof der TU Chemnitz ihre fertigen Öko-Karosse

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Jedes Fahrzeug legt bei dem Rennen nur 25 Kilometer mit mindestens 30 km/h zurück. Der jeweilige Verbrauch wird dann in äquivalente Kilometer pro Liter Shell Super Benzin (95 Oktan) umgerechnet. Die Maßgröße ist wichtig, da es den Teams freigestellt ist, welcher Energietyp als Antrieb verwendet wird. Zugelassen ist alles, was die Fahrzeuge voranbringt: egal ob herkömmliche Antriebsstoffe wie Benzin, Diesel, Flüssiggas oder alternative Energien wie Biomasse, Solarenergie und Wasserstoff.

Der Schluckspecht aus Offenburg, bisheriger Rekord liegt bei 1310 Kilometer im Jahr 2003, fährt seit jeher mit Benzin oder Diesel. Die Chemnitzer haben sich zukunftsträchtig für eine Wasserstoff-Brennstoffzelle entschieden, die einen 250-Watt-Motor antreibt. Ob sie ihrem Namen, der übersetzt "Starke Sachsen" bedeutet, gerecht werden, wird sich zeigen - bisher konnte man das Gefährt nicht in der Dauerbelastung von 25 Kilometern testen.

"Ein Beitrag bei SPIEGEL ONLINE über den Eco-Marathon hat uns erst auf die Idee gebracht", beschreibt Teamsprecher Thomas Mäder die Projektanfänge. Mit einem knapp kalkulierten Zeitplan starteten die selbstbewussten Sachsen erst vor einem halben Jahr mit den Vorbereitungen. 25.000 Euro an Sponsorengeldern hat ihr an einen halbierten Wassertropfen erinnerndes Gefährt verschlungen. Das 60 Kilogramm leichte Mobil wurde aus einem Liegedreirad und einem Chassis aus Kohlefaserverbundwerkstoff in Handarbeit und vielen Nachtschichten gefertigt.

"Über 1000 Kilometer wäre super"

Eco-Marathon: Jedes Jahr mehr Teilnehmer

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Die beiden sich abwechselnden Fahrer des sächsischen Öko-Mobils sind jeweils leichter als das Gefährt selbst. "Leichte und drahtige Jungs", wie das Team bestätigt, die ohne Probleme in die enge Kabine schlüpfen können. Insgesamt haben 14 Studierende der TU Chemnitz aus der Elektrotechnik, dem Maschinenbau, der Mechatronik und der Medienkommunikation an dem Projekt mitgewirkt.

Bei der Zielstellung sind die Sachsen vorsichtig. Wurde in der öffentlichen Mitteilung noch großspurig von einer anvisierten Platzierung unter den ersten zehn Plätzen geschrieben, formuliert Mäder während der Anreise nach Nogaro am Mittwoch vorsichtiger: "Über 1000 Kilometer zu kommen wäre schon super."

Die Teams aus Offenburg und Chemnitz hatten vor der Abfahrt noch keinen Kontakt zueinander. Das wird sich in Frankreich sicher ändern: "Wir werden allein wegen der verschiedenen Antriebe bestimmt Erfahrungswerte austauschen", ist sich Mäder sicher. Und vielleicht sieht man sich in den nächsten zwei Runden wieder. Außer dem Preisgeld von 25.000 Euro für die drei besten Teams und einigen Sonderpreisen, dürfen die 30 Besten am 18./19. Juni nach Ladoux (Frankreich) und die drei Gewinner der zweiten Runde am 6./7. Juli auf den Rockingham Speedway (Großbritannien) erneut gegeneinander antreten.

Von Christian Werner



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