Sicherheit Autoclub warnt vor alten Reifen

Rein rechtlich haben Autoreifen kein Ablaufdatum und können beliebig lange im Straßenverkehr verwendet werden. Nur eine Mindestprofiltiefe von 1,6 Millimetern ist gesetzlich vorgeschrieben. Doch wer sich nur darauf verlässt, könnte schnell abfliegen.

Kontrolle: Dieser Mitarbeiter eines Reifendienstes prüft einen runderneuerten Pneu
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Kontrolle: Dieser Mitarbeiter eines Reifendienstes prüft einen runderneuerten Pneu


München - Geht es um die Sicherheit eines Autos, sind die Reifen von entscheidender Bedeutung. Doch viele Fahrer beachten die Gummis zu wenig - und gehen damit ein hohes Risiko ein. Wer auf Nummer sicher gehen will, sollte unbedingt einige wesentliche Regeln beachten. So gilt die Fausformel 4x3x6: vier gleiche Reifen, nicht weniger als drei Millimeter Profil, nicht länger als sechs Jahre in Gebrauch.

Vor allem das Alter hat einen großen Einfluss auf die Sicherheit. Der österreichische Autoclub ÖAMTC richtet in einem Reifentest sein Augenmerk darauf, wie sich die Fahreigenschaften von Sommerreifen verändern, wenn sie älter werden. Dazu wurden Reifen, die von 2 bis 14 Jahren auf der Straße im Einsatz waren, mit dazu passenden neuen Pneus der jeweils gleichen Marke verglichen. Voraussetzung bei den Reifen war eine Restprofiltiefe von mehr als fünf Millimetern.

"Wie zu erwarten war, verschlechtern sich vor allem die Nassgriffeigenschaften mit zunehmendem Reifenalter beträchtlich. Die Sicherheit nimmt mit zunehmendem Alter nachweisbar ab", fasst ÖAMTC-Reifenexperte Friedrich Eppel das Ergebnis zusammen. Auch bei einer völlig ausreichenden Profiltiefe von durchschnittlich sechs Millimetern sei ab einer Verwendungsdauer von fünf Jahren mit - im Vergleich zu Neureifen - deutlich eingeschränktem Grip auf Nässe zu rechnen.

Auf Nässe durchgefallen

In den vier Teststationen Nassbremsen, Nasskreis, Nasshandling und Trockenbremsen offenbarten sich die Schwächen der reiferen Semester. Geht man von der fiktiven Note 2,0 - also der Bewertung "sehr empfehlenswert" - für Neureifen aus, erreichen die Reifenvarianten, die zwei bis drei Jahre in Gebrauch waren, in den Nassgriffeigenschaften noch die Einstufung "empfehlenswert".

Im fünften und sechsten Jahr in Gebrauch befindliche Reifen wurden nur noch mit "bedingt empfehlenswert" beurteilt. Die Modelle, die sechs Jahre in Verwendung waren, sind schon an der Grenze zur schlechtesten Einstufung. "Die mehr als zehn Jahre alten Reifenvarianten haben erwartungsgemäß auch die schlechtesten Bewertungen erhalten und sind auf Nässe bei der Sicherheit durchgefallen", fasst der ÖAMTC-Experte zusammen.

Vor allem die Ergebnisse auf nasser Fahrbahn belegen, dass auch bei einer völlig ausreichenden Profiltiefe von durchschnittlich sechs Millimetern ab einer Verwendungsdauer von fünf Jahren im Vergleich zu Neureifen mit deutlich eingeschränkten Nassgriffeigenschaften zu rechnen ist. "Auf trockener Fahrbahn ist die Verschlechterung im Laufe der Einsatzdauer ebenfalls eindeutig erkennbar, wenn auch nicht so deutlich wie auf nasser Fahrbahn", sagt Eppel.

Das Geheimnis der DOT-Zahlen

Doch wie alt ist ein Pneu? "Viele Autobesitzer wissen nicht, wie man das Produktionsdatum eines Autoreifens feststellen kann", sagt ADAC-Experte Maurer. Dazu gibt es einen Code. Auf beiden Reifenseitenwänden befindet sich eine Kombination aus Ziffern und Buchstaben, die mit den Buchstaben DOT (Department of Transportation, Verkehrsministerium USA) beginnen. Aber nur auf einer der beiden Seiten endet diese Kombination mit vier Ziffern. Diese letzten vier Ziffern (meist auf ovalem Untergrund) geben die Kalenderwoche sowie das Jahr der Herstellung an. So bedeutet die Ziffernkombination 4310 beispielsweise, dass der Reifen in der 43. Kalenderwoche 2010 hergestellt wurde.

Besteht die Kombination aus drei Ziffern und einem kleinen Dreieck, so sind die ersten beiden Ziffern die Woche und die dritte Ziffer das Jahr in den neunziger Jahren. Hat die Ziffernkombination am Ende gar nur drei Ziffern (ohne Dreieck), dann stammt der Reifen noch aus den Achtzigern. "Und bei allem Verständnis für Sparsamkeit, diese Reifen gehören aus Gründen der Sicherheit dringend entsorgt", sagt Maurer.

mik/dapd



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insgesamt 30 Beiträge
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Seite 1
LeisureSuitLenny 18.04.2011
1. Jahre
Zitat von sysopRein rechtlich haben Autoreifen kein Ablaufdatum und können beliebig lange im Straßenverkehr verwendet werden. Nur ein Mindestprofiltiefe von 1,6 Millimetern ist gesetzlich vorgeschrieben. Doch wer sich nur darauf verlässt, könnte schnell abfliegen. http://www.spiegel.de/auto/aktuell/0,1518,757106,00.html
Es ist eigentlich allgemein bekannt das 4-5 Jahre das Maximum sind. Jeder Reifenhändler und eigentlich auch Autofahrer sollte so eine Info schon mal aufgeschnappt haben. Ausser Fahranfänger vielleicht.
Boandlgraber 18.04.2011
2. Titelverweigerer
Ungeachtet dessen, dass Gummi unter bestimmten Umständen altert - wie können die denn ungestraft sowas als "Test" und "nachweisbar" verkaufen? Die vergleichen zwei Reifen, die - auch wenn sie aus der gleichen Serie stammen - bis über 10 Jahre Entwicklung zwischen sich haben. Da wird ja nicht der gleiche Reifen X von Y mit den gleichen Maschinen aus dem gleichen Gummi gebacken. Und dann testen die ja mit Fahrern auf Teststrecken - von "Doppelverblindung" wollen die nichts wissen, denn dann bräuchten sie mehr Reifen - mehr Reifen bekommen sie aber vermutlich auch nicht geschenkt - warum wohl? In der Automobilbranche wird gelogen und Unsinn erzählt, dass Baron von Münchhausen sofort mit einem Ehrenpreis für die reine Wahrheit geehrt werden müsste. Dass Reifen kein fixes Ablaufdatum haben, hat einen einfachen Grund: Sie müssen nicht altern. Ich hab' uralte Reifen gesehen, die waren wie neu und andere, die nach weniger als sieben Jahren fertig waren. Solange die keine richtigen Tests machen - entweder mit vernünftigen Messapparaturen oder mit Geduld oder mit einer signifikanten Anzahl von Samples - glaub' ich denen nicht mal, dass ein Auto vier Räder hat.
old_spice 18.04.2011
3. Boxen Strategie
Da ich als Motorrad Fahrer das Auto nur bei Extremwetter nutze, bin ich noch auf der Suche, nach einer optimalen Boxen Strategie: Mein alter Polo steht jetzt also aufgebockt in der Garage, im Regal lagern 4 Satz verschiedene Reifen: Sommer- Winter- Regen- und M+S Reifen. Wenn ich mal übers Wochenende bei unbeständigem Wetter wegfahre bleibt mir nichts weiter übrig, als die möglichen Reifen im kleinen Hänger mitzuführen. Aber die ständigen Apelle der Reifen-Lobby haben sich in diesem Winter ad absurdum geführt: Die Statistik belegt eindeutig, daß die meisten in Unfälle verwickelten Fahrzeuge Winterreifen drauf hatten.
Altesocke 18.04.2011
4. Sind eventuell unsere Ansprueche gewachsen,...
... von Jahr zu Jahr? ---Zitat--- Im fünften und sechsten Jahr in Gebrauch befindliche Reifen wurden nur noch mit "bedingt empfehlenswert" beurteilt. Die Modelle, die sechs Jahre in Verwendung waren, sind schon an der Grenze zur schlechtesten Einstufung. "Die mehr als zehn Jahre alten Reifenvarianten haben erwartungsgemäß auch die schlechtesten Bewertungen erhalten und sind auf Nässe bei der Sicherheit durchgefallen", fasst der ÖAMTC-Experte zusammen. ---Zitatende--- Ein paar Fragen zum Test: Wurden die 'Altreifen' mit neuen Reifen gleichen Profils/Fabrikat verglichen? Wurde die Mischung mittlerweile auch nicht veraendert? Wurde beruecksichtigt, das neuere Reifen naeher am derzeit Moeglichem sind, als aeltere Reifen? Wurde beruecksichtigt, das die Reifen in der Entwicklung von Jahr zu Jahr besser werden? Weil wenn sie heute einen nagelneuen und erst letzte Woche hergestellten Reifen der 95iger Produktlinie mit einem der Produktlinie 2010 vergleichen, koennte es durchaus sein, das der nagelneue 90iger deutlich schlechter abschneidet. Obwohl beide gleich 'alt' sind, und gleiche Profiltiefe haben.
highn00n 18.04.2011
5. Ja genau
Zitat von BoandlgraberUngeachtet dessen, dass Gummi unter bestimmten Umständen altert - wie können die denn ungestraft sowas als "Test" und "nachweisbar" verkaufen? Die vergleichen zwei Reifen, die - auch wenn sie aus der gleichen Serie stammen - bis über 10 Jahre Entwicklung zwischen sich haben. Da wird ja nicht der gleiche Reifen X von Y mit den gleichen Maschinen aus dem gleichen Gummi gebacken. Und dann testen die ja mit Fahrern auf Teststrecken - von "Doppelverblindung" wollen die nichts wissen, denn dann bräuchten sie mehr Reifen - mehr Reifen bekommen sie aber vermutlich auch nicht geschenkt - warum wohl? In der Automobilbranche wird gelogen und Unsinn erzählt, dass Baron von Münchhausen sofort mit einem Ehrenpreis für die reine Wahrheit geehrt werden müsste. Dass Reifen kein fixes Ablaufdatum haben, hat einen einfachen Grund: Sie müssen nicht altern. Ich hab' uralte Reifen gesehen, die waren wie neu und andere, die nach weniger als sieben Jahren fertig waren. Solange die keine richtigen Tests machen - entweder mit vernünftigen Messapparaturen oder mit Geduld oder mit einer signifikanten Anzahl von Samples - glaub' ich denen nicht mal, dass ein Auto vier Räder hat.
Genau das habe ich mir auch gedacht, als ich diesen Artikel gelesen habe. Erst die Panikmache mit der Winterreifenpflicht und jetzt dieser Blödsinn. Die Reifenhersteller scheinen die richtigen Leute zu schmieren. Ach ja , asiatische Reifen sind natürlich von Natur aus Schrott. Man nuß ja den heimischen Markt schützen. PS.: Wer hat den 4 Reifensätze?
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