Sicherheit bei Panne und Stau Stehen lernen

ABS, Bremsassistent, Kurvenlicht - Autofahren wird dank Hightech immer sicherer. Doch alle elektronischen Helferlein sind machtlos, wenn das Auto erst mal steht. Bei Pannen und im Stau müssen sich Fahrer auf ihren gesunden Menschenverstand besinnen.


Ob Reifenpanne, Elektronik-Blackout oder Stau - wenn das Auto nicht mehr rollt, gibt es mindestens genau so viele Dinge zu beachten wie bei voller Fahrt. Oft entstehen gerade aus anfänglich kleinen Pannen schlimme Verkehrsunfälle, weil die Beteiligten entscheidende Verkehrsregeln missachtet haben. So gehört es zu den wichtigsten Dingen, das liegen gebliebene Auto richtig abzusichern. Das bedeutet, schon im Ausrollen bei einer Reifen- oder Motorpanne die Warnblinkanlage einzuschalten und schnellstmöglich den fließenden Verkehr zu verlassen. Auf dem Standstreifen sollte man nachts oder bei schlechter Sicht auf jeden Fall das Licht eingeschaltet lassen.

Richtig stehen: Auch im Stau gilt es, einige Regeln zu beachten
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Richtig stehen: Auch im Stau gilt es, einige Regeln zu beachten

Alle mitfahrenden Insassen sollten, wenn das Auto gefährlich nahe am vorbeifahrenden Verkehr steht, auf der Beifahrerseite aussteigen und sich hinter der Leitplanke in Sicherheit bringen. Der Fahrer selbst kontrolliert sehr genau, wann für ihn ein sicherer Zeitpunkt zum Aussteigen gekommen ist. Danach geht er mit aufgeklapptem Warndreieck vor der Brust dem Verkehr entgegen und baut das Dreieck etwa 100 Meter hinter dem Fahrzeug auf. Liegt die Pannenstelle hinter einer Kurve oder Kuppe, sollte man das Warndreieck auf jeden Fall davor postieren. Anschließend ruft man die Pannenhilfe und wartet hinter der Leitplanke. Auch wenn man einem anderen, liegen gebliebenen Fahrer Pannenhilfe leistet, muss das eigene Auto entsprechend mit Warnblinklicht und eventuell Warndreieck abgesichert werden. Einem Urteil des Landgerichts Hildesheim zu Folge trägt der Helfer 25 Prozent des Schadens, wenn ein nachfolgendes Auto auf ein nicht gesichertes Auto auffährt - auch bei gerader Strecke und guter Sicht.

Empfehlenswert kann auch das Tragen einer Warnweste sein, wie sie in vielen europäischen Ländern bereits vorgeschrieben ist. Ob Spanien, Portugal oder Österreich - wer sein Auto bei einem Unfall oder eine Panne außerhalb geschlossener Ortschaften verlässt, ist dort zum Tragen einer roten, orangefarbenen oder gelben Weste verpflichtet. Wer zum Beispiel in Portugal keine solche Weste an Bord hat, zahlt bis zu 300 Euro Strafe. Dies gilt aber nur für in Portugal zugelassene Fahrzeuge. In Deutschland ist das Mitführen des auffälligen Kleidungsstücks noch nicht Pflicht. Auf der Innenministerkonferenz im Frühjahr dieses Jahres haben die Minister und Senatoren der Bundesländer allerdings an die Autofahrer appelliert, "zur eigenen Sicherheit eine Warnweste griffbereit im Fahrzeug zu haben", wie der Baden-Württembergische Ressortchef Heribert Rech sagte. Derzeit sind die Westen nur in gewerblich genutzten Fahrzeugen vorgeschrieben.

Viele bleiben mit Spritmangel im Tunnel liegen

Zu besonders stressigen Erlebnissen gehört eine Autopanne im Tunnel. Daher ist es besonders wichtig, in dieser heiklen Situation einen kühlen Kopf zu bewahren. Zunächst einmal gilt es, ein Liegenbleiben unter Tage zu vermeiden - was in den meisten Fällen problemlos gelingen könnte. "Die meisten Autos, die in einem Tunnel liegen bleiben, haben einfach keinen Sprit mehr im Tank", sagt Verkehrsexperte Klaus Reindl vom ADAC. Daher also gilt: Nicht versuchen, mit dem letzten Tropfen Treibstoff ausgerechnet die Tankstelle hinter einem Tunnel erreichen zu wollen. Wer aber doch einmal im Tunnel zum Stillstand verurteilt ist, muss einige Regeln beachten.

Bei einem simplen Stau die Warnblinkanlage einschalten, mit einem genügend großen Abstand zum Vordermann stehen bleiben und den Motor abstellen. Das Auto nur verlassen, wenn man über Lautsprecher von der Tunnelleitstelle dazu aufgefordert wird. Bei einer Panne möglichst weit rechts halten und mit eingeschalteter Warnblinkanlage kurz warten. Wenn keine Reaktion der Tunnelleitstelle erfolgt, möglichst auf der Beifahrerseite aussteigen, über eine der vorhandenen Notrufsäulen Hilfe rufen und beim Auto warten. Ist im Tunnel allerdings ein Unfall passiert und Autos brennen, bringt man sich auf dem schnellsten Weg über den nächsten Notausgang in Sicherheit. In Tunneln mit einer Röhre keinesfalls den Wagen wenden und zurückfahren - das Auto mit im Zündschloss steckenden Schlüssel zurücklassen.

Staugefahr: Nicht einfach aus dem Auto springen

In den meisten Fällen allerdings bleibt man nicht wegen einem platten Reifen oder dampfenden Kühler stehen, sondern wegen zu hohem Verkehrsaufkommens oder einem Unfall weiter vorn auf der Straße. Und im Stau kann man einiges falsch machen. Wichtig ist auch hier, besonnen zu reagieren und sich mit der Situation, eventuell zu einem Termin zu spät zu kommen, abzufinden. Ein Anruf bei der Zielperson mit der Bitte um Verständnis und Verschiebung der Verabredung mindert in der Regel das Stresspotenzial. Für Rettungs- und Polizeifahrzeuge muss eine Gasse freigehalten werden. Bei einer dreispurigen Autobahn ist dafür ein Korridor zwischen der linken und mittleren Spur einzurichten. Wenn sich absehbar nichts mehr bewegt, stellt man den Motor aus. Das Auto allerdings sollte nur im Notfall verlassen werden. Gerade durch unvorsichtige Motorradfahrer, die sich zwischen den Blechkolonnen durchschlängeln, besteht eine erhöhte Unfallgefahr. Am besten das Autoradio anstellen, auf Verkehrsdurchsagen achten und ein bisschen über den Stillstand in der mobilen Gesellschaft meditieren.



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