Skandal bei Renault China weist Spionage-Vorwürfe zurück

Frankreichs Innenminister spricht von Wirtschaftskrieg, Präsident Sarkozy hat den Geheimdienst eingeschaltet. Die Franzosen vermuten, dass ein chinesischer Konkurrent den Geheimnisverrat bei Renault veranlasst haben könnte. Die Behörden in Peking weisen den Spionage-Vorwurf jedoch energisch zurück.

Renault: Eine Leuchttafel des französischen Autoherstellers

Renault: Eine Leuchttafel des französischen Autoherstellers


Peking - Wenn es um Diebstahl geistigen Eigentums geht, reagiert die chinesische Staatsführung im Allgemeinen gelassen. Eine gut gemachte Kopie betrachtet man im Reich der Mitte eher als Kompliment für das Original, denn als Frevel. Den Vorwurf der Industriespionage sieht man jedoch als weit ernsteres Vergehen an. Jedenfalls will man nicht einmal den Verdacht auf sich sitzen lassen, solange keine Beweise dafür vorliegen.

Entsprechend empfindlich reagierte Peking jetzt auch auf die Vorwürfe des französischen Industrieministers Eric Besson, das Land stecke hinter der Industriespionage beim französischen Autobauer. Die Vorwürfe seien "grundlos, unverantwortlich und nicht hinnehmbar", sagte ein Sprecher des Außenministeriums am Dienstag in Peking.

Besson hatte sich zu Wort gemeldet, nachdem der Renault-Nissan-Konzern vor kurzem drei führende Manager wegen der Weitergabe von Informationen zur Elektrostrategie suspendiert hatte. Er äußerte den Verdacht, dass chinesische Hintermänner den Geheimnisverrat veranlasst haben könnten und kündigte verbesserte Sicherheitsmaßnahmen an, um die heimische Industrie vor solchen Angriffen zu schützen.

Nach einem Bericht der französischen Zeitung "Le Figaro" soll das chinesische Energieunternehmen China Power Grid Corporation mehrere hunderttausend Euro an zwei der drei Manager, die der Spionage verdächtigt werden, auf Konten in der Schweiz und Liechtenstein überwiesen haben.

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Renault-Elektroautos: Die reine Lehre
Renault will offiziell von einem Verdacht gegen China bisher nichts wissen. Vizechef Patrick Pélata sprach am Wochenende lediglich von einem "organisierten internationalen Netzwerk", das hinter der Spionage stehe. Die drei verdächtigten Manager sollten sich am Dienstag zu den Vorwürfen äußern.

Renaults Zukunftsstrategie konzentriert sich auf den Elektroantrieb

Die Verräter treffen Renault an einer empfindlichen Stelle. Der Autobauer, der Klage gegen die Manager ankündigte, hat zusammen mit seinem japanischen Partner Nissan bereits vier Milliarden Euro in die Entwicklung der E-Autos investiert. 1,5 Milliarden davon flossen in die Batterieentwicklung.

Mitte dieses Jahres will das Unternehmen zwei Modelle mit Elektromotoren auf den Markt bringen, das Familienauto Fluence und das kleine Nutzfahrzeug Kangoo Express. Bis spätestens Mitte 2012 sollen zwei weitere Elektromodelle folgen, der Kleinwagen Twizy und die zur unteren Mittelklasse gehörende Limousine Zoe. Die Autos sollen keineswegs als Kleinserien auf den Markt kommen. Die Kapazitäten für die Batterieproduktion soll in den kommenden vier Jahren 500.000 Stück erreichen.

rom/AFP



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