Skoda Citigo: Der erste Up-Leger

Von Tom Grünweg

Skoda hat große Pläne und setzt dabei auf ein kleines Auto: den Citigo. Dass einem dieses Modell bekannt vorkommen könnte, hat einen einfachen Grund: Eben erst wurde auf der IAA das Original gefeiert: Der VW Up. Und es steht schon ein weiterer Ableger bereit.

Skoda Citigo: Die tschechische Up-Variante Fotos

Skoda ist der Shooting-Star des VW-Konzerns. Seit 20 Jahren gehört die tschechische Marke zum Wolfsburger Autokonzern, und in dieser Zeit hat sich der Hersteller aus Mlada Boleslav vom maroden Staatskonzern zum Erfolgsgaranten entwickelt - die Bilanzen werden seither von Jahr zu Jahr erfreulicher. Erst 2010 erzielte Skoda ein Plus von nahezu zwölf Prozent und stellte mit 762.600 Autos einen neuen Produktionsrekord auf. In Deutschland ist Skoda die stärkste Importmarke und kam 2010 auf gut 130.000 Neuzulassungen. Markenchef Winfried Vahland jedoch will noch höher hinaus. "Bis 2015 wollen wir unseren Absatz verdoppeln und die 1,5-Millionen-Marke knacken", sagt er. Das klingt schon fast überheblich, doch ganz abwegig ist es nicht.

Die Zuwächse sollen laut Vahland vor allem auf neuen Märkten erzielt werden, etwa in China oder Indien. "Skoda muss zur Weltmarke werden", zitiert ihn das "Handelsblatt"; derzeit macht Skoda 40 Prozent des Umsatzes außerhalb Europas, bald sollen es mindestens 60 Prozent sein. Neben den neuen Märkten sind es vor allem neue Modelle, auf die Vahland baut. "Ab 2012 bringen wir in jedem Halbjahr ein neues Fahrzeug", sagt er.

Ankündigen lässt sich so was leicht, nun aber folgen die ersten Fakten. Vor zwei Wochen auf der IAA wurde die nahezu serienreife Limousinen-Studie "Mission L" vorgestellt; ein Auto, das Mitte nächsten Jahres auf den Markt kommen soll. Und nun, nur wenige Tage nach der Premiere des VW Up, enthüllte Vahland die tschechische Version des Kleinwagens, die bei Skoda unter dem Namen Citigo firmiert. Das kleine Auto wird die siebte Modellreihe der tschechischen Marke und in Bratislava gebaut. In Tschechien soll der Wagen noch in diesem Jahr in den Verkauf gehen, hierzulande dann Anfang 2012.

Mit dem kleinen Auto will Skoda in großem Stil wachsen

"Der Citigo ist ein zentraler Baustein unserer Wachstumsstrategie und erschließt für unsere Marke ein stark wachsendes Marktsegment", sagt Vahland. Kompakt und doch geräumig, wirtschaftlich und gleichzeitig agil, attraktiv und mit vielen pfiffigen Ideen ausgestattet, vereine der Citigo alle Markenwerte auf kleinstem Raum und passe perfekt in die ambitionierten Pläne.

Zwar trägt der Citigo ein eigenständiges, frisch gezeichnetes Skoda-Gesicht und wirkt auch innen ein wenig emanzipiert vom VW-Pendant. Doch technisch gibt es nichts, was Up und Citigo trennt. Beide Kleinwagen sind 3,54 Meter lang, 1,48 Meter hoch und bieten Platz für vier Personen und 251 Liter Gepäck. Legt man die Rückbank um, passen 951 Liter unter die Heckklappe. Beide Modelle starten als Dreitürer und werden wenige Monate später auch mit fünf Türen lieferbar sein. Auch unter der Haube machen die Konzern-Zwillinge gemeinsame Sache: Hier wie dort gibt es zunächst zwei neue Dreizylindermotoren mit je einem Liter Hubraum, die auf 60 oder 75 PS kommen. In der sparsamsten Variante ist der Citigo mit 4,2 Litern je 100 Kilometer zufrieden. Ob Skoda auch die aus Wolfsburg angekündigte Erdgasversion oder gar das Elektroauto übernimmt, ist noch offen.

Unterschiede wird es dagegen beim Preis geben. Wenn VW den Up ab 9850 Euro verkauft, muss der Skoda schon aufgrund der vom Konzern vorgegebenen Markenstrategie billiger werden. Optimistische Schätzungen nennen eine Summe in der Region von 8800 Euro. Das klingt nicht schlecht, zumal es angeblich bei der Ausstattung keine Abstriche geben wird - zumindest nicht in Punkto Sicherheit: Neben vier Airbags soll deshalb auch das City-Safe-Drive genannte Notbremssystem ab Werk an Bord sein. Die Technik leitet bis Tempo 30 in Gefahrensituationen automatisch eine Notbremsung ein.

Eine Up-Variante von Seat wird in wenigen Tagen erwartet

Der Citigo ist aber nicht der einzige Up-Leger, den VW für die so genannte New Small Family in petto hat. Auch die spanische Konzernmarke Seat scharrt schon mit den Hufen und wird bereits in den nächsten Tagen die Seat-Variante des Kleinwagens enthüllen. Konkrete Informationen zu dem Auto gibt es derzeit aus Barcelona noch nicht. Den mutmaßlichen Modellnamen "Mii" findet man nur als Indiskretion bei Google, und dass der Seat wahrscheinlich das flotteste Design haben und im Preis zwischen Skoda und VW liegen wird, kann man sich auch ohne offizielles Statement denken.

Auch wenn Skoda und Seat den Start ihrer Kleinwagen-Ableger kaum erwarten können - andere Konzernmarken halten sich im Falle eines so mickrigen Modells zurück. Audi-Entwicklungsvorstand Michael Dick zum Beispiel hat zwar schon im Frühjahr klar gemacht, dass es durchaus noch ein Modell unterhalb des Audi A1 geben könne. Zugleich hat er aber auch signalisiert, dass der Up für eine Premiummarke wohl nicht die richtige Basis sei.

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insgesamt 12 Beiträge
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1. Copy, Paste, Fertig.
f.k 28.09.2011
Hier gibt es ja noch nicht einmal den Versuch von Eigenständigkeit. Und das, was geändert wurde (Scheinwerfer, Grill), zerstört die klare Linie vom Up mit einer aufgeweichten 90er-Jahre-Formsprache.
2. Alles richtig gemacht!
nickname123 28.09.2011
Zitat von f.kHier gibt es ja noch nicht einmal den Versuch von Eigenständigkeit. Und das, was geändert wurde (Scheinwerfer, Grill), zerstört die klare Linie vom Up mit einer aufgeweichten 90er-Jahre-Formsprache.
Wenn stört das? Günstige & wartungsfreie Autos bedeutet solch eine Modellbaukastenproduktion. Der Wagen sieht anders als der UP und in der Preisklasse kann man nun wirklich keine großen Markendesignspiele erwarten. Dafür drückt es Kosten in der Herstellung, Reperatur und Konstruktion. Top :)
3. Strategie
UHamm 28.09.2011
Zitat von f.kHier gibt es ja noch nicht einmal den Versuch von Eigenständigkeit. Und das, was geändert wurde (Scheinwerfer, Grill), zerstört die klare Linie vom Up mit einer aufgeweichten 90er-Jahre-Formsprache.
Es war schon immer VW- Strategie, erst die Töchter vorpreschen zu lassen und sehen, was am Markt läuft. So wurde der Seat Altea viel früher gebaut als der darauffolgende Golf-Plus. Die Strategie ist gut, VW läßt die Töchter testen und kommt selber nicht ins Gerede. Stellt sich ein Modell als Rohrkrepierer heraus, fällt das höchstens auf die Tochter zurück, nicht auf die Mutter.
4. Copy, Paste
cor 28.09.2011
Zitat von f.kHier gibt es ja noch nicht einmal den Versuch von Eigenständigkeit. Und das, was geändert wurde (Scheinwerfer, Grill), zerstört die klare Linie vom Up mit einer aufgeweichten 90er-Jahre-Formsprache.
Skoda ist per Definition copy und paste von VW. Haben Sie jetzt ein eigenes Design erwartet, oder wie? Hier geht es einzig darum, ein Auto mit VW Qualität zu einem günstigen Preis anzubieten, wie auch beim Rest der Skoda-Palette.
5. Kommt bekannt vor
vandermerwe 28.09.2011
Erinnert stark an die Abkommenschaft des SEAT Arosas vom VW Lupo. Selbst die Farbe: http://www.autoplenum.de/Bilder/P/p0001853/SEAT/SEAT-Arosa-1-4-16V--2000-2000-.jpg
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