Autogramm Skoda Rapid Spaceback Raumfahrt zum Schnäppchenpreis

Die VW-Tochter Skoda ist so erfolgreich, dass es der Konzernmutter langsam unheimlich wird. Jetzt starten die Tschechen mit dem Kurz-Kombi Rapid Spaceback den nächsten Angriff, und zwar mitten ins Herz des VW-Imperiums - die Golf-Klasse.

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Skoda

Der erste Eindruck: Ist dieses Auto wirklich noch ein Kompaktwagen? Wenn man zum ersten Mal in den neuen Skoda Rapid Spaceback steigt, ist man vom Platzangebot überrascht. Hinten sitzt man eher wie in einem VW Passat als in einem Golf, und der Kofferraum schluckt mit 415 Litern auch deutlich mehr als der des Platzhirsches aus Wolfsburg. Dabei wurde die Rapid Limousine um fast 18 Zentimeter auf 4,30 Meter gekürzt, um den Spaceback abzuleiten. Mit dieser Länge überragt das neue Modell von Skoda den aktuellen VW Golf um vier Zentimeter - das ist nicht der Rede wert.

Das sagt der Hersteller: Skoda-Chef Winfried Vahland sagt, der Spaceback sei ein Auto, "auf das wir sehnlich gewartet haben". Denn während Skoda in Indien, China, Osteuropa oder Russland stetig fast wie von selbst wächst, sind in Westeuropa neue Modelle nötig, wenn man mehr Autos verkaufen möchte. Die Limousine Rapid war zwar so ein neues Modell, doch diese Karosserieform ist in Westeuropa nicht sonderlich beliebt.

Das sieht beim knackig und schräg endenden Spaceback ganz anders aus, der Wagen zielt laut Vahland "auf das Herz der Kompaktklasse". Und die ist nach wie vor das stärkste Segment in Deutschland und soll die Skoda-Verkaufszahlen entsprechend erhöhen. Hierzulande, so kalkulieren die Verantwortlichen, werden sieben von acht verkauften Rapid-Exemplaren Spaceback-Varianten sein. Und die meisten Kunden des Kompaktwagens sollen von Konkurrenzmarken angelockt werden.

Das ist uns aufgefallen: Zwar nennt Skoda Autos wie den Hyundai i30, den Kia Cee'd und den Chevrolet Cruze als wichtigste Wettbewerber, doch bei einer ersten Ausfahrt mit nur noch leicht getarnten Vorserienmodellen kurz vor der Weltpremiere des Wagens auf der IAA in Frankfurt fällt auf, wie nah der Sportback dem VW Golf kommt.

Vielleicht ist das Ambiente im Innenraum - trotz einem aufgemöbelten Cockpit, einer breiten Zierleiste und einem schicken Lenkrad - nicht ganz so vornehm wie das des Wolfsburger Bestsellers. Und das Angebot an teuren Extras wie etwa einer Abstandsregelung oder LED-Scheinwerfern ist vergleichsweise dürftig, ebenso fällt die Motorenauswahl bescheidener aus. Dafür kostet der Spaceback rund 3000 Euro weniger als ein Golf.

Wir waren in der Variante mit dem 1,2 Liter großen Benzinmotor unterwegs, die in Deutschland das Basismodell sein wird. Der Vierzylinder kommt auf 86 PS und reicht völlig aus, um den 1150 Kilo schweren Kompaktwagen zu bewegen. Allerdings klingt er ein wenig kerniger als erwartet und dem Getriebe fehlt der sechste Gang. Doch wenn man den Wagen erst einmal auf Touren hat, dann rollt man locker dahin, spürt die gegenüber der Limousine etwas komfortablere Fahrwerksabstimmung und gewöhnt sich schnell an die neue Lenkung, die mit einer elektrischen Unterstützung arbeitet. Mehr Auto, diese Überzeugung wächst mit jedem Kilometer, braucht man eigentlich nicht.

Das muss man wissen: Der Rapid Spaceback fährt zwar in einer Klasse mit dem VW Golf, doch um das Auto deutlich billiger als das VW-Modell anbieten zu können, hat Skoda einen Bogen um den sogenannten modularen Querbaukasten gemacht. Stattdessen wurden für den Spaceback Bauteile des aktuellen Polo und der letzten Golf-Generation miteinander kombiniert, die je nach Bedarf modifiziert wurden.

Der Radstand von 2,60 Metern ist mit dem der Limousine identisch. "Aber ab den hinteren Türen ist alles neu", sagt Designer Jozef Kaban mit Blick auf die wohlproportionierte Karosse, die irgendwo zwischen Kombi und Schrägheckmodell angesiedelt ist. "An diesem Effekt und den passenden Proportionen haben wir lange gefeilt", sagt der Designer. Eine eigenständige Karosserievariante ist der Wagen natürlich nicht, ganz ähnlich ist zum Beispiel der Audi A3 Sportback proportioniert.

Weltpremiere feiert der Spaceback Mitte September auf der IAA in Frankfurt, ab Ende Oktober kommt er in Deutschland in den Handel. Die Preise stehen noch nicht endgültig fest, sollen aber knapp unter 15.000 Euro beginnen. Anboten wird der Spaceback hierzulande mit drei Benzin-Motorisierungen mit 1,2 oder 1,4 Litern Hubraum und mit Leistungen von 86 bis 122 PS; außerdem mit zwei Dieselvarianten mit 1,6 Liter Hubraum, die 90 oder 105 PS leisten. Der schnellste Spaceback aus diesem Angebot erreicht ein Spitzentempo von 203 km/h, das sparsamste Modell kommt auf einen Normverbrauch von 3,8 Liter Diesel je 100 Kilometer.

Das werden wir nicht vergessen: Wie viel Mühe sich Skoda mit der Verjüngung des Designs gegeben hat - und wie erfolgreich die Marke damit ist. Möglich macht das ein sogenanntes Style-Paket, zu dem nicht nur die üblichen Extras wie größere Räder oder abgedunkelte Scheinwerfergläser gehören, sondern auch ein durchgehendes Panoramadach und eine komplett neue Heckklappe.

Die schließt unten nicht wie üblich mit einer Blechkante ab, sondern hat eine durchgehende, etwas abgedunkelte Scheibe. Das erinnert nicht nur an die traditionelle Glaskunst aus Tschechien, sondern auch an moderne Smartphones oder Tablet-Computer. Zwar müssen Kunden für dieses Paket voraussichtlich rund 2000 Euro extra zahlen, doch macht es den Spaceback zu einem Auto mit Hinterherschau-Garantie.

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insgesamt 46 Beiträge
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Seite 1
pedro090 30.08.2013
1. optional
welcher Marketingmensch ist eigentlich auf die seltsame Idee gekommen daß ein Kombi sportlicher/trendiger ist als eine Limousine? Der Kombi ist doch die ultimative Familien- bzw- Vertreterkutsche, da hilft auch kein Zusatz "sports tourer" oder ähnliches. Aber hauptsache SPON glaubt auch daran. Mir gefällt die Rapid Limousine besser, liegt vielleicht aber auch daran, daß ich viel in Amerika und Asien unterwegs bin wo man so gut wie keine Kombis sieht.
the_dodger 30.08.2013
2.
Zitat von pedro090welcher Marketingmensch ist eigentlich auf die seltsame Idee gekommen daß ein Kombi sportlicher/trendiger ist als eine Limousine? Der Kombi ist doch die ultimative Familien- bzw- Vertreterkutsche, da hilft auch kein Zusatz "sports tourer" oder ähnliches. Aber hauptsache SPON glaubt auch daran. Mir gefällt die Rapid Limousine besser, liegt vielleicht aber auch daran, daß ich viel in Amerika und Asien unterwegs bin wo man so gut wie keine Kombis sieht.
So unterschiedlich können Geschmäcker sein. Ich finde den Spaceback viel hübscher als die Limousine und habe weder Familie noch einen Vertreterjob. ;-) Könnte mein nächstes Auto werden.
humpensack 30.08.2013
3. optik
Über Optik läßt sich ja bekannterweise gut streiten, aber die neue Optik der Skodas sieht furchtbar aus. Das schaut aus, wie die aktuellen Golf und Polo Modelle. Diese komische platte Front mit den seltsamen Scheinwerfern. Das Bild von hinten links erinnert irgendwie an einen geschrumpften A3. Bin selbst mal Skoda gefahren, aber bei der aktuellen Reihe würd ich nicht mal ins Autohaus gehen. Übrigens wird es eigentlich "Schkoda" mit kruz betohntem "o" ausgesprochen, was "schade" heißt. Passt ja!
inhabitant001 30.08.2013
4. Optik
Muß mich meinem Vorgänger anschließen: die Optik ist gewöhnungsbedürftig. Die Scheinwerfer wirken zu klein, der Kühlergrill sieht aus als hätte man das Logo vergessen (heute schämt sich doch keiner mehr für einen Skoda?!), und das Heck wirkt irgendwie plump und unstimmig (erinnert an den A3 Sportback in schlecht). Das Cockpit allerdings ist schick und trotz Hartplastik angenehm. Und schließlich sitzt man ja meistens drin und schaut sich das Auto nicht von außen an. Die Limousine ist übrigens deutlich stimmiger. Wenn ich einen Kombi von Skoda möchte dann ist der Octavia zumindest das deutlich schönere Auto.
emantsol 30.08.2013
5. Artikel nicht gelesen?
Zitat von inhabitant001Muß mich meinem Vorgänger anschließen: die Optik ist gewöhnungsbedürftig. Die Scheinwerfer wirken zu klein, der Kühlergrill sieht aus als hätte man das Logo vergessen (heute schämt sich doch keiner mehr für einen Skoda?!), und das Heck wirkt irgendwie plump und unstimmig (erinnert an den A3 Sportback in schlecht). Das Cockpit allerdings ist schick und trotz Hartplastik angenehm. Und schließlich sitzt man ja meistens drin und schaut sich das Auto nicht von außen an. Die Limousine ist übrigens deutlich stimmiger. Wenn ich einen Kombi von Skoda möchte dann ist der Octavia zumindest das deutlich schönere Auto.
Du hast den Artikel nicht gelesen, stimmt's? Scheinwerfer und Logo sind noch abgeklebt, weil die Fotos vor der offiziellen Präsentation gemacht wurden. Wer lesen kann ... Mir gefällt die Kiste. Ein reines Vernunfts-Auto.
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