Smart Fortwo Electric Drive III: Tritt in den Hintern

Von Ralf Bielefeldt

Smart Fortwo Electric Drive III: Der Zwergenaufstand Fotos
Daimler

Der neue Elektro-Smart hängt die Konkurrenz locker ab - an der Ampel, und beim Preis. Aber reicht das, um die Welt zu elektrisieren? Mit 150 Kilometer Reichweite hat der kleine Kampfzwerg durchaus das Zeug zum Bestseller.

Jürgen Schenk grinst übers ganze Gesicht. "Noch mal?", fragt er rhetorisch. Daimlers Entwicklungsleiter für E-Antriebe latscht voll aufs Gas. Der Elekto-Smart schießt nach vorn, als wäre ein Nashorn hinten rein gerannt, nur der Knall bleibt aus. Eine Vollbremsung beendet das lautlose Spektakel.

"Boost & Slow" nennt sich dieser Fahrversuch in der flirrenden Hitze von Upington, Südafrika. Kickdown und Vollbremsung. Immer und immer wieder. "Was Schlimmeres kann man einem E-Motor nicht antun", erklärt Schenk. "Maximaler Strom - erst in die eine Richtung, dann in die andere." Energie-Entnahme beim Gasgeben, Energie-Rückgewinnung beim Bremsen. Dauerbelastung für die Leitungen, bei Außentemperaturen über 45 Grad. Aber da muss er jetzt durch, der Smart mit dem komplizierten Namen Fortwo Electric Drive III. Im späten Frühjahr 2012 startet der weltweite Verkauf.

Mehr als 30 Märkte soll die neue, nunmehr dritte Generation des Steckdosen-Smart elektrisieren - und dabei alles besser machen als die Vorgänger, angefangen bei der Produktion. Der Elektroantrieb wird als komplettes Heckmodul eingesetzt, genau wie beim Smart mit Benzin- oder Dieselmotor. Die Vorgänger wurden noch einzeln vom normalen Band geholt, in der ehemaligen Halle des Smart Roadster aufwendig zusammengefrickelt und dann zur Endabnahme wieder in die Fertigung eingereiht. Damit war eine Massenproduktion natürlich aus der Welt.

Vom Electric Drive III dagegen peilt Daimler fünfstellige Produktionszahlen im Jahr an, bei Bedarf ginge auch mehr. Jeder soll ihn fahren, kaufen oder leasen können - und natürlich mieten, über den hauseigenen Service Car2go. Generation I, ab 2007 exakt hundertmal gebaut, und Generation II (ab 2009, 2000 Stück) standen nur einem kleinen Kreis von Testpersonen zur Verfügung. Was vielleicht ganz gut war: Echte Begeisterung für E-Mobilität kam nicht auf bei den eher behäbigen, lautstark säuselnden Stromern.

Tempo 60 als magische Marke

Ganz anders sieht es bei E-Smart Nummer drei aus. Der ist fahraktiv wie ein Kart und spielt die Stärke des Elektromotors - volles Drehmoment ab null Umdrehungen - ungeniert aus. Nach fünf Sekunden erreicht er Tempo 60, die magische Marke für E-Mobile. Danach geht es dann deutlich langsamer zur Sache, nach 13 Sekunden sind 100 km/h erreicht, aber "die Beschleunigungszeiten auf höhere Geschwindigkeiten interessieren nicht so", meint Schenk. Elektroautos werden für die Stadt gebaut, der Smart Fortwo sowieso.

Die offizielle Höchstgeschwindigkeit beträgt "mehr als 120 km/h", je nach Ladezustand und Gegenwind. Viel schneller ist der Smart cdi mit 135 Sachen auch nicht. Bis auf zwei Instrumente und die Schaltung unterscheidet sich der E-Winzling nicht vom konventionellen Smart. Statt Drehzahlmesser und Uhr gibt es Ladestandsanzeige und Energiewaage (für genutzte und rekuperierte Energie), statt sechs Gängen nur einen, wie bei Elektromotoren üblich. Das fiese turbinenartige Säuseln des E-Triebwerks der Vorgänger haben die Smart-Akustiker fast komplett eliminiert. Nur wer auf Radio oder Smalltalk verzichtet und ganz genau hinhört, nimmt den Singsang des Permanentmagnetmotors wahr. Menschen mit Hang zu Science-Fiction-Filmen haben vermutlich ihren Spaß daran.

Mit Turbo-Lader in einer Stunde voll

17,6 Kilowattstunden speichert das neue Lithium-Ionen-Akku-Pack. Es steckt crash-sicher unter den Sitzen im Fahrzeugboden. Dort, wo beim normalen Fortwo der Kraftstoff im Tank hin und her schwappt. Die neue Batterie ist eine Eigenentwicklung der Daimler-Tochter Deutsche Accumotive und speziell auf Elektroautos zugeschnitten. Das bislang genutzte Akku-Pack von E-Pionier Tesla haben die Schwaben entsorgt. Zu anfällig, zu schwach, außerdem paktieren die Amerikaner mit Hybrid-Gigant Toyota.

11,4 kWh auf 100 km weist der Bordcomputer als Durchschnittsverbrauch am Rande der Kalahari aus, macht rund 150 Kilometer mit einer Batterieladung. Das reicht Pendlern und Shoppern gleichermaßen. 30 bis 40 Kilometer, mehr legen Autofahrer in Ballungsgebieten pro Tag nicht zurück, haben Smarts Elektro-Feldversuche ergeben. Drei bis vier Stunden dauert es, um 100 Kilometer Reichweite zu laden. Ist der Akku komplett leer, vergehen bis zu sieben Stunden, bis er an einer normalen Steckdose wieder voll ist. In der Halle in Upington reichen knapp 60 Minuten: Die Testfahrzeuge haben einen Schnell-Lader an Bord. Was das höchst sinnvolle Extra kosten soll, verrät Smart noch nicht.

Eine Million Elektroautos sollen bis 2020 über Deutschlands Straßen stromern. Der E-Smart könnte der Bestseller werden. "Deutlich unter 16.000 Euro netto" hat Smart-Chefin Annette Winkler als Basispreis versprochen. Das wären maximal 19.000 Euro mit Mehrwertsteuer - plus 60 bis 70 Euro im Monat für die Batterie (1000 Ladezyklen garantiert). Ein echter Kampfpreis, mögliche Förderungen noch nicht eingerechnet. Smarts Mission Zero Emission bereitet sich bereits auf Level IV vor. Laden ohne Kabel - "das ist das nächste große Ding", orakelt Schenk. Wie es geht, zeigt ein Musterhaus in Berlin. Mit einer E-Version der Mercedes A-Klasse vor der Tür.

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insgesamt 95 Beiträge
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    Seite 1    
1. Kalkulation
smartphone 01.03.2012
Tja , den Kunden interessiert nihct nur der Tritt in den Allerwertesten.... Entscheidend ist die Kalkulation ... Und ihre scheint sich zu zeigen ,daß man bei Daimler ( analog Renault ) noch nicht begriffen hat seit Jahren smarte BWLer gefälligst durchsetzungsfähige Ingenieure einzustellen. Was bietet man denn .... Das Auto(chen) soll 19000 kosten zzgl 70 Euro PRO Monat für die Batterie . 1000 Zyklen will man garantieren ( und dann , wer zahlt ? ) Wir können also bestenfalls von 5 Jahren Batterielebensdauer ausgehen , also 4200 Euro kommen hinzu , macht also schlappe günstige 23000 für einen unexotischen Zwei(t)sitzer. 70 Euro vertankt man schnittlich wohl kaum pro Monat udn - dies sei bemerkt ein Verbrennermotor altert nicht wie solche Li-Akkus... Der "Bumbs" dürfte bestenfalls 1 Jahr vorfühbar sein. Fazit . man bekommt für 10000 Euro einen guten Viersitzer, kann ggfs für DAS Geld sich gar noch nen Zweiten leisten .... Fazit : Mit solchen Angeboten kann man nur Technikfetischisten reizen , aber keinen nüchtern kalkulierenden zB Ingenieur ( der sich heute eh schon kaum ein Auto leisten kann ... ) Achja nochwas , im Winter brauchts viel Strom für die Heizung .....
2. Zeitalter des Halb- und Viertelwissens
rechnernetzstecker 01.03.2012
Zitat von sysop... die Stärke des Elektromotors - volles Drehmoment ab null Umdrehungen...
Endlich schreibt's mal einer richtig, sonst liest man "ab der ersten Umdrehung"! Aber beim ADAC sitzen auch nicht unbedingt Profis - in einer diesjährigen Ausgabe der Motorwelt las ich, dass neue E-Motoren für Autos nicht mehr den Rohstoff "seltene Erden" enthalten. Selten so losgelacht... *g*
3.
erlachma 01.03.2012
Zitat von smartphoneFazit : Mit solchen Angeboten kann man nur Technikfetischisten reizen , aber keinen nüchtern kalkulierenden zB Ingenieur ( der sich heute eh schon kaum ein Auto leisten kann...)
Das sehe ich auch so - mein 7 Jahre alter Diesel braucht 5,7l, modernere Diesel kommen auch mit 3-4 Litern zurecht. 12kWh/100km Strom kostet ca. 3 Euro und entspricht damit etwa 2l Diesel. Sprich: würde die Batterie nichts kosten, wäre das eine vom Unterhalt her günstige Alternative. 60 Euro Gebühren allerdings, also rund 40l Diesel, müssten erstmal verfahren werden, um auf Gleichstand zu kommen, und damit kommt man mit modernen Motoren rund 1000km weit. Und erst danach sind die Stromer-Kosten halb so hoch wie die Verbrenner-Kosten... Das Auto ist ein Schritt in die richtige Richtung, da der Unterhalt nicht weit vom Verbrenner weg liegt, und die Anschaffungskosten schon beinahe akzeptabel sind (wenn man das mal mit Tesla oder Ampera vergleicht). Aber es muss sich noch gewaltig etwas tun, um wirklich ein Erfolg zu werden.
4.
kainkommentar 01.03.2012
Zitat von smartphoneTja , den Kunden interessiert nihct nur der Tritt in den Allerwertesten.... Entscheidend ist die Kalkulation ... Und ihre scheint sich zu zeigen ,daß man bei Daimler ( analog Renault ) noch nicht begriffen hat seit Jahren smarte BWLer gefälligst durchsetzungsfähige Ingenieure einzustellen. Was bietet man denn .... Das Auto(chen) soll 19000 kosten zzgl 70 Euro PRO Monat für die Batterie . 1000 Zyklen will man garantieren ( und dann , wer zahlt ? ) Wir können also bestenfalls von 5 Jahren Batterielebensdauer ausgehen , also 4200 Euro kommen hinzu , macht also schlappe günstige 23000 für einen unexotischen Zwei(t)sitzer. 70 Euro vertankt man schnittlich wohl kaum pro Monat udn - dies sei bemerkt ein Verbrennermotor altert nicht wie solche Li-Akkus... Der "Bumbs" dürfte bestenfalls 1 Jahr vorfühbar sein. Fazit . man bekommt für 10000 Euro einen guten Viersitzer, kann ggfs für DAS Geld sich gar noch nen Zweiten leisten .... Fazit : Mit solchen Angeboten kann man nur Technikfetischisten reizen , aber keinen nüchtern kalkulierenden zB Ingenieur ( der sich heute eh schon kaum ein Auto leisten kann ... ) Achja nochwas , im Winter brauchts viel Strom für die Heizung .....
Rechnen Sie noch ca. 2,85€ pro 100km für Strom hinzu. Somit rechnet sich das Auto am Sanktnimmerleinstag. Im übrigen gibt es Autos auf dem Markt, die kann man für ein wenig mehr als die SMART-Batteriekosten bereits einen Monat lang leasen....
5. jopp
silberstern 01.03.2012
Zitat von smartphoneDas Auto(chen) soll 19000 kosten zzgl 70 Euro PRO Monat für die Batterie . 1000 Zyklen will man garantieren ( und dann , wer zahlt ? ) Wir können also bestenfalls von 5 Jahren Batterielebensdauer ausgehen , also 4200 Euro kommen hinzu , macht also schlappe günstige 23000 für einen unexotischen Zwei(t)sitzer.
Ich würde noch anders rechnen: 19k EUR + 70 EUR * 1,19* 12 *10 = knapp 30k EUR. Sicherlich noch ohne Ausstattung. 150km Reichweite unter Idealbedingungen (= 75 km real), zwei Sitzplätze. Und das Problem, das Teil ohne Batterie wieder loszukriegen?! Mitsubishi iMieV (2009!) derzeitiger Straßenpreis ab 27k EUR mit Batterie. 160 km Reichweite unter Idealbedingungen (= 80 km real), Vollausstattung, vier Sitzplätze + Kofferraum, 0-50 5,4s, 0-100 ca. 15s. Wahnsinn Mercedes, was für ein Quantensprung!
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