Weltpremiere Smart Fourjoy Ein bisschen Platz muss sein

Der Smart ist alt, darüber kann auch die Integration in den Carsharing-Dienst Car2go nicht hinwegtäuschen. Deswegen präsentiert Daimler auf der IAA in Frankfurt nun eine Studie, die endlich einen realistischen Ausblick auf den nächsten Smart gibt - auch wenn noch zwei Sitze zu viel an Bord sind.

Daimler

Und noch ein Konzept! Längst wäre die Zeit reif für ein neues Smart-Modell, doch die Kleinwagenmarke des Daimler-Konzerns zeigt auch auf der IAA wieder mal nur eine Studie. Smart Fourjoy heißt das Auto, das niemals in den Verkauf gehen wird. Doch anders als die Showcars ForSpeed (Genf 2011), ForVision (Frankfurt 2011) oder ForStars (Paris 2012) ist der weiß lackierte Wagen mit der chromglänzenden Sicherheitszelle ein ernstzunehmender Hinweis auf das kommende Serienmodell.

Die Studie basiert auf der künftigen Plattform und zeigt daher die realen Proportionen des nächsten Fahrzeugs. Die Überraschung: Der markiert mit 3,50 Metern Länge das Comeback eines Smart-Viersitzers. Und damit das auch jeder sieht, gibt es keine Türen am Konzeptauto.

Drinnen erkennt man nahtlos ausgeschäumte Sitze im Eierschalen-Design, ein Armaturenbrett aus transparentem Kunststoff und ein Cockpit im Stil eines futuristischen Wasserkochers. Das schrille Interieur soll die Neugierde des Betrachters wecken, sagt Designer Kai Sieber. Außen allerdings komme die Studie dem Serienmodell schon ziemlich nahe, erklärt er.

Schluss mit den Verunglimpfungen

Der Smart von Morgen werde bulliger wirken, das One-Box-Design ablegen und eine selbstbewusstere Frontpartie erhalten. "Der Smart ist erwachsen geworden", laute die Botschaft, ohne dass der Wagen deshalb gleich aggressiv aussehe. "Wie wir dieses Gesicht entwickelt haben, zeigen die drei Studien davor", sagt Sieber. Ganz umsonst waren die letzten Schaustücke also offenbar doch nicht.

Es wird noch gut ein Jahr dauern, ehe der neue Smart endlich an den Start geht. Das liegt auch daran, dass Mercedes und Renault die Entwicklungskooperation für den Kleinwagen erst im April 2010 vereinbarten. Inzwischen jedoch geben sich die Verantwortlichen rundum happy - oder tun zumindest so. Das gilt auch für Smart-Chefin Annette Winkler, die das Absatzvolumen von Smart von rund 100.000 Autos pro Jahr halten konnte; das bedeutet nicht nur eine nennenswerte Senkung des Flottenverbrauchs im Konzern, sondern auch rund acht Prozent am Gesamtabsatz von Daimlers Pkw-Sparte.

Aufbruchstimmung!

Es herrscht sogar so etwas wie Aufbruchstimmung bei Smart. Die bisweilen als Kindergartentruppe verunglimpfte Kleinstwagenabteilung hat wieder Rückhalt im Konzern. Der äußert sich unter anderem dadurch, dass Daimler 200 Millionen Euro in die Smart-Fabrik in Hambach investiert, um sie fit für die neue Fahrzeuggeneration zu machen, die mit der Studie Fourjoy allmählich Form annimmt.

Dass Daimler den Smart nicht solo entwickelt, sondern das Auto gemeinsam mit dem nächsten Renault Twingo entsteht, ist Chance und Risiko zugleich. Eine Chance, weil das die Kosten senkt und das Projekt Smart vielleicht doch noch in die Gewinnzone führt. "Der Anspruch des Vorstands ist, dass wir Geld verdienen. Smart darf auf Dauer kein Zuschussgeschäft sein", sagt Chefverkäufer Martin Hülder.

Das Risiko wiederum liegt darin, dass Kooperationen immer Kompromisse bedeuten und Daimler zuletzt schlechte Erfahrungen damit machte. Der Kastenwagen Mercedes Citan als Klon des Renault Kangoo zum Beispiel fiel beim Crashtest durch - eine Blamage für die schwäbischen Autobauer. Und der erste Smart Forfour war als Ableger des Mitsubishi Colt derart an der Marke vorbei entwickelt, dass er von den Kunden weitgehend ignoriert wurde - und 2006 nach zwei Jahren Laufzeit bereits wieder eingestellt wurde.

Der Smart soll nicht als Renault-Ableger wahrgenommen werden

"Das darf uns diesmal nicht passieren", sagt Hülder. Er pocht darauf, dass die geistige Urheberschaft des neuen Modells in Stuttgart liegt. "Wir haben kein vorhandenes Renault-Modell zum Smart umgestaltet, sondern gemeinsam auf einem weißen Blatt Papier begonnen und alles in die Kooperation eingebracht, was einen Smart ausmacht", sagt der Vertriebschef und nennt als Beispiel den Antrieb. Im Fourjoy steckt die bereits in Serie gebaute Elektro-Maschine mit 75 PS aus dem Smart ED. Der E-Motor der Studie sitzt - anders als etwa im bisherigen Twingo - genau wie beim aktuellen Smart hinten. Das bringt Vorteile bei der Raumausnutzung und sorgt für kurze Überhänge.

Denn auch wenn Smart künftig tatsächlich wieder einen Viertürer bauen will, um neue Kundenkreise zu erschließen, und mit Modellen wie dem VW Up, dem Mini oder dem Opel Adam zu konkurrieren, bleibt der Zweisitzer gesetzt.

Denn auf einer gekürzten Plattform, sozusagen hinter den Vordersitzen der Studie abgeschnitten, wird auch ein Smart mit der bekannten und beliebten Bestuhlung entstehen. Hülder: "Der Fortwo ist das Herz der Marke und noch immer konkurrenzlos. Wir wären dumm, würden wir den zur Disposition stellen."

Mehr zum Thema


Forum - Diskutieren Sie über diesen Artikel
insgesamt 45 Beiträge
Alle Kommentare öffnen
Seite 1
Wololooo 06.09.2013
1.
Zitat von sysopDaimlerDer Smart ist alt, darüber kann auch die Integration in den Carsharingdienst Car2Go nicht hinwegtäuschen. Deswegen präsentiert Daimler auf der IAA in Frankfurt nun eine Studie, die endlich einen realistischen Ausblick auf den nächsten Smart gibt - auch wenn noch zwei Sitz zu viel an Bord sind. http://www.spiegel.de/auto/aktuell/smart-fourjoy-mercedes-kleinwagenmarke-zeigt-studie-auf-der-iaa-a-920372.html
Klasse. Daimler und BMW scheinen bereit für die Zukunft zu sein. Leider hinkt VW/ Audi hier ein wenig hinterher. Solch kleine Elektroautos haben übrigens beste Chancen auf dem chinesischen Markt (inkl. Subventionen).
Mierscheid 06.09.2013
2.
Der erste Twingo war absolut wegweisend und bot ein im Kleinwagensektor bis dahin unbekanntes Raumkonzept im Oneboxdesign. Damals fuhr ich einen R5 Baccara mit Vollausstattung (Leder, etc.), bei dem tatsächlich einem Bekannten, der einen aktuellen Siebener fuhr, die Kinnlade im Wortsinne nach unten klappte. Im positiven Sinne, um den üblichen Forendeppen zuvor u kommen. :-P Der Twingo stellte zu meinem Auto einen Kontrastpunkt in der Ausstattung dar. Nacktes Blech, nur Stoff und Plastik, keine ZV, keine eFH, nichts. Trotzdem war ich nach einer Probefahrt, die ich während einer Inspektion machte, absolut begeistert, so dass ich mir einen der ersten Twingos mit Faltdach bestellte. Das Ding fährt noch heute rum, wie ich hörte. Der müsste also nun 20 Jahre alt sein. Klar, das war von Renault nie so beabsichtigt, der sollte nach max. 10 Jahren verrostet und verschlissen sein. Aber wenn man den ein wenig pflegt, ist er ein robustes Auto mit einfachster Technik. Was nicht drin ist, kann auch nicht kaputt gehen. Selbst der Motor in dem Auto war im Grunde so ein Gusseisenmonster aus dem R4 (oder früher). Der aktuelle Twingo ist ein schlechter Scherz und ein normaler Kleinwagen, der es nicht einmal zum Lifestylemobil geschafft hat. Mit dem Auto wird einem nie das passieren, was mir mit meinem neuen Twingo damals passierte: An einer Ampel neben einer Strassenbahnhaltestelle meinte ein kleines Mädchen zu mir: "Du fährst aber ein schönes Auto!" Auf das Urteil gebe ich mehr als auf Stammtischgeschwätz von selbsternannten Autoexperten. ;-) Ich bin gespannt, wie der künftige Twingo/Smart aussehen wird, fürchte aber, dass dieser Kompromiss für beide Seiten kein großer Wurf sein wird.
caspense 06.09.2013
3.
Zitat von WololoooKlasse. Daimler und BMW scheinen bereit für die Zukunft zu sein. Leider hinkt VW/ Audi hier ein wenig hinterher. Solch kleine Elektroautos haben übrigens beste Chancen auf dem chinesischen Markt (inkl. Subventionen).
Momentmal, werden auf der IAA nicht die Serienfahrzeuge E-Golf und E-Up präsentiert? Damit ist der VW-Konzern doch tatsächlich einer Studie von Mercedes in Bezug auf die Marktreife ein wenig voraus. Reine Elektroserienfahrzeuge können sind damit bei sehr vielen Herstellern vorhanden: BMW, VW, Renault, nur Daimler steht noch hinten an. Aber das große Geschäft mit echtem Gewinnen liegt noch bei den Hybriden, wie man an Toyota sieht. Die reinen Elektros fahren noch immer Verluste ein, wenn man sich nicht das Geschäftsergebnis schön rechnet, wie es ein Tesla macht. OB VW damit aber wirklich BMWs i3 technisch unterlegen ist, wird die Zukunft zeigen, wo der i3 doch dank Carbonkarosse nach seiner Lebensdauer nur noch Sondermüll aber die Hälfte des jährlich erzeugten Stahls recycled ist.
+.+ 06.09.2013
4.
---Zitat--- Der Kastenwagen Mercedes Citan als Klon des Renault Kangoo zum Beispiel fiel beim Crashtest durch - eine Blamage für die schwäbischen Autobauer ---Zitatende--- Soweit ich weiß war hier das Problem der Seitenaufprallschutz - wie ich sehe hat man beim Smart reagiert - einfach die Schwachstelle (Tür) weglassen! Ich bin beeindruckt....nicht.
Limus 06.09.2013
5. Stammtischgeschwätz
Wieder diese typisch deutschtümelnde Herablassung. Daimler hat keine schlechten Erfahrungen mit Renault gemacht, sondern umgekehrt. Der Ruf des Kangoo leidet, weil die beim Daimler vor lauter Geiz aus einer guten Basis eine schlechte Kopie gemacht haben. Oder wie sonst wäre es möglich, dass das französische Original im Crashtest viel besser abschneidet als die schwäbische Kopie?
Alle Kommentare öffnen
Seite 1

© SPIEGEL ONLINE 2013
Alle Rechte vorbehalten
Vervielfältigung nur mit Genehmigung der SPIEGELnet GmbH


TOP
Die Homepage wurde aktualisiert. Jetzt aufrufen.
Hinweis nicht mehr anzeigen.