18. November 2012, 15:44 Uhr

Schutzmaßnahmen an Autobahnen

Mit Krallen und Radar gegen Falschfahrer

Die Karambolage auf der A5 ist der dritte schwere Unfall mit einem Falschfahrer in wenigen Wochen. Wie können Geisterfahrten verhindert werden? Die Polizei fordert Asphalt-Krallen an Autobahnauffahrten - dabei bieten moderne Autos billigere Möglichkeiten.

Hamburg - Übermüdung, Unachtsamkeit, Alkohol oder Vorsatz - die Gründe für eine Falschfahrt sind unterschiedlich. Nur eines ist meistens gleich: Kommt es deshalb zu einem Unfall, sind die Folgen oft dramatisch. Wie jetzt wieder an diesem Sonntagmorgen. Bei einer durch einen Falschfahrer ausgelösten Kollision sind auf der A5 in Südbaden sechs Menschen ums Leben gekommen, fünf wurden zum Teil schwer verletzt. Es ist bereits der dritte schwere Unfall dieser Art in wenigen Wochen.

Deshalb fordern immer mehr Verkehrsexperten Schutzmaßnahmen gegen Falschfahrer. Die Deutsche Polizeigewerkschaft zum Beispiel drängt schon seit längerem auf den Einsatz spezieller Fahrbahn-Krallen im Asphalt. Sie sind so konstruiert, dass sie bereits an der Autobahnauffahrt nur die Reifen des Falschfahrers beschädigen und ihn somit an der Weiterfahrt hindern (mehr dazu hier).

Das ist zweifellos eine sehr effektive Methode - aber auch eine sehr teure. In Deutschland gibt es etwa 2000 Autobahnauffahrten. Bundesverkehrsminister Peter Ramsauer macht deshalb wenig Hoffnung: "Überall Metallzacken zu installieren, wäre extrem aufwendig und von vorsätzlichen Geisterfahrern auch wieder umgehbar", sagte der CSU-Politiker in einem Interview mit der "Bild"-Zeitung. Stattdessen erwägt er große, neonfarbene Warntafeln an den Anschlussstellen, wie sie zum Beispiel in Österreich oft eingesetzt werden.

Der Alpenstaat erwägt derzeit noch weitere Schutzmaßnahmen: So schlägt das Kuratorium für Verkehrssicherheit (KFV) in Wien - eine gemeinnützige Organisation - eine elektronische Erfassung von Falschfahrern an besonders gefährlichen Anschlussstellen vor: das sogenannte Ghost Rider Information System (Gris). Dazu müssten die Fahrzeuge über Radarsender verfügen - in vielen modernen Autos kommen sie zum Beispiel bei Assistenzsystemen wie Abstandskontrolle oder Einparkhilfen zum Einsatz.

Alarm in wenigen Sekunden

Ein spezieller Empfänger würde den Falschfahrer dann bereits an der Auffahrt erfassen. Diese Information könnte direkt an die Polizei und die Verkehrsredaktionen der Radiosender übermittelt werden. So lassen sich Falschfahrer zwar nicht verhindern - aber andere Verkehrsteilnehmer viel schneller warnen. Theoretisch dauert die Übermittlung nur wenige Sekunden. Gefährdete Fahrer auf dem betroffenen Abschnitt könnten ihr Verhalten sofort der Situation anpassen: Die Geschwindigkeit reduzieren, am Fahrbahnrand oder auf einem Parkplatz anhalten. Außerdem hält das KFV die Einbindung von Navigationsgeräten zur Darstellung von Warnungen für wünschenswert.

Ein automatischer Alarm wäre grundsätzlich auch in Deutschland umsetzbar. Doch es gibt einige Hürden. Die Fahrzeughersteller müssten sich etwa mit den Autobahnbetreibern auf eine einheitliche Technik einigen. Außerdem müssten datenschutzrechtliche Bedenken beseitigt werden. Schließlich könnte man Verkehrsteilnehmer auch zu anderen Zwecken überwachen.

rom


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