Schutzmaßnahmen an Autobahnen: Mit Krallen und Radar gegen Falschfahrer

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Autobahn: Was hilft gegen das Risiko Falschfahrer?

Die Karambolage auf der A5 ist der dritte schwere Unfall mit einem Falschfahrer in wenigen Wochen. Wie können Geisterfahrten verhindert werden? Die Polizei fordert Asphalt-Krallen an Autobahnauffahrten - dabei bieten moderne Autos billigere Möglichkeiten.

Hamburg - Übermüdung, Unachtsamkeit, Alkohol oder Vorsatz - die Gründe für eine Falschfahrt sind unterschiedlich. Nur eines ist meistens gleich: Kommt es deshalb zu einem Unfall, sind die Folgen oft dramatisch. Wie jetzt wieder an diesem Sonntagmorgen. Bei einer durch einen Falschfahrer ausgelösten Kollision sind auf der A5 in Südbaden sechs Menschen ums Leben gekommen, fünf wurden zum Teil schwer verletzt. Es ist bereits der dritte schwere Unfall dieser Art in wenigen Wochen.

Deshalb fordern immer mehr Verkehrsexperten Schutzmaßnahmen gegen Falschfahrer. Die Deutsche Polizeigewerkschaft zum Beispiel drängt schon seit längerem auf den Einsatz spezieller Fahrbahn-Krallen im Asphalt. Sie sind so konstruiert, dass sie bereits an der Autobahnauffahrt nur die Reifen des Falschfahrers beschädigen und ihn somit an der Weiterfahrt hindern (mehr dazu hier).

Fotostrecke

5  Bilder
Zwischen Offenburg und Lahr: Horrorunfall auf der A5
Das ist zweifellos eine sehr effektive Methode - aber auch eine sehr teure. In Deutschland gibt es etwa 2000 Autobahnauffahrten. Bundesverkehrsminister Peter Ramsauer macht deshalb wenig Hoffnung: "Überall Metallzacken zu installieren, wäre extrem aufwendig und von vorsätzlichen Geisterfahrern auch wieder umgehbar", sagte der CSU-Politiker in einem Interview mit der "Bild"-Zeitung. Stattdessen erwägt er große, neonfarbene Warntafeln an den Anschlussstellen, wie sie zum Beispiel in Österreich oft eingesetzt werden.

Der Alpenstaat erwägt derzeit noch weitere Schutzmaßnahmen: So schlägt das Kuratorium für Verkehrssicherheit (KFV) in Wien - eine gemeinnützige Organisation - eine elektronische Erfassung von Falschfahrern an besonders gefährlichen Anschlussstellen vor: das sogenannte Ghost Rider Information System (Gris). Dazu müssten die Fahrzeuge über Radarsender verfügen - in vielen modernen Autos kommen sie zum Beispiel bei Assistenzsystemen wie Abstandskontrolle oder Einparkhilfen zum Einsatz.

Alarm in wenigen Sekunden

Ein spezieller Empfänger würde den Falschfahrer dann bereits an der Auffahrt erfassen. Diese Information könnte direkt an die Polizei und die Verkehrsredaktionen der Radiosender übermittelt werden. So lassen sich Falschfahrer zwar nicht verhindern - aber andere Verkehrsteilnehmer viel schneller warnen. Theoretisch dauert die Übermittlung nur wenige Sekunden. Gefährdete Fahrer auf dem betroffenen Abschnitt könnten ihr Verhalten sofort der Situation anpassen: Die Geschwindigkeit reduzieren, am Fahrbahnrand oder auf einem Parkplatz anhalten. Außerdem hält das KFV die Einbindung von Navigationsgeräten zur Darstellung von Warnungen für wünschenswert.

Ein automatischer Alarm wäre grundsätzlich auch in Deutschland umsetzbar. Doch es gibt einige Hürden. Die Fahrzeughersteller müssten sich etwa mit den Autobahnbetreibern auf eine einheitliche Technik einigen. Außerdem müssten datenschutzrechtliche Bedenken beseitigt werden. Schließlich könnte man Verkehrsteilnehmer auch zu anderen Zwecken überwachen.

Tipps zum richtigen Verhalten bei Falschfahrern
Nachrichten über einen Falschfahrer
Befindet man sich auf einer Autobahn oder Bundesstraße, auf der ein Falschfahrer unterwegs ist, gibt es drei Dinge zu tun: Tempo reduzieren, auf keinen Fall überholen - und ruhig bleiben. Bei der ersten Möglichkeit soll man die Straße verlassen oder auf einen Parkplatz fahren. Wenn genug Platz am Streckenrand vorhanden ist, kann man auch rechts ranfahren und warten, bis im Radio Entwarnung gegeben wird.
Sie haben einen Falschfahrer gesehen
Hat man einen Falschfahrer gesehen, sollte die nächste Notrufsäule abgewartet und dort die Meldung durchgegeben werden. Somit ist gewährleistet, dass die Polizei sofort den genauen Standort kennt. Bei Meldungen übers Handy sind diese Informationen meistens nicht gegeben.
Eigener Fehler
Hat man festgestellt, selbst zum Geisterfahrer geworden zu sein, muss sofort das Tempo reduziert und der nächstgelegene Fahrbahnrand angesteuert werden. Auf keinen Fall darf die Fahrbahn gekreuzt oder gar gewendet werden. Steht das Auto, muss man die Warnblinker einschalten, sich hinter die Leitplanke stellen und die Polizei verständigen.

rom

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insgesamt 393 Beiträge
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    Seite 1    
1. Selbstmörder
mischamai 18.11.2012
Wenn wie so oft beschrieben Selbstmörder auf Parkplätzen oder anderswo einfach drehen ist diese Art der Verhinderung nutzlos.
2. Nachrüstpflicht, Leihgeräte, Strafe?
anders_denker 18.11.2012
Zitat von sysopdapdDie Karambolage auf der A5 ist der dritte schwere Unfall mit einem Falschfahrer in wenigen Wochen. Wie können Geisterfahrten verhindert werden? Die Polizei fordert Asphalt-Krallen an Autobahnauffahrten - dabei bieten moderne Autos billigere Möglichkeiten. http://www.spiegel.de/auto/aktuell/so-lassen-sich-falschfahrer-frueh-erkennen-oder-vermeiden-a-867898.html
Wenn, dann muss für ein elektronisches System eine Nachrüstpflicht her. Es gibt noch ausreichend Fahrzeuge die schon seit 20-30 Jahren unterwegs und noch immer in in gutem Zustand sind. Aktive Abstandssysteme - ja der aktuelle Golf 7 hat das, einige Asiaten, seit 1-2 Jahren in der Mittelklasse. Was ist mit ausländischen KFZ - hier müsste wohl ein System mit mobilen Leihgeräten aufgebaut werden. Welche Strafe soll fällig werden wenn jemand vorsätzlich die Sicherheitsvorkehrungen ignoriert. Lächerliche 20 Euro? Oder schmerzhafte 2000?
3. Katastrophale Auffahrten
altefrau99 18.11.2012
Zitat von sysopdapdDie Karambolage auf der A5 ist der dritte schwere Unfall mit einem Falschfahrer in wenigen Wochen. Wie können Geisterfahrten verhindert werden? Die Polizei fordert Asphalt-Krallen an Autobahnauffahrten - dabei bieten moderne Autos billigere Möglichkeiten. http://www.spiegel.de/auto/aktuell/so-lassen-sich-falschfahrer-frueh-erkennen-oder-vermeiden-a-867898.html
Aus beruflichen und familiären Gründen müssen wir fahren. Leider müssen wir immer feststellen, dass eine falsche Auffahrt auf der deutschen Autobahnen sehr leicht ist. Besonders gefährlich ist im Winter. Unser Minister sollte statt neue Kfz - Kennzeichen über eine bessere Beschilderung nachdenken.
4. optional
angsthoch10 18.11.2012
Orangefarbene Warntafeln werden vorsätzliche Falschfahrer wohl kaum aufhalten. Auch dürfte bezweifelt werden, dass diese bei dichtem Nebel wirklich effektiv sind. Die beschriebenen "Krallen" sind die einzig wirkliche Hilfe. Zu teuer sind nicht diese Krallen, sondern jedes einzelne Menschenleben, dass durch Falschfahrer ausgelöscht wird!
5. Metallzacken sind extrem aufwändig?
Jupp J. 18.11.2012
Metallzacken sollen zu aufwändig sein und eine Lösung, die nur bei Neuwagen mit zusätzlich zu installierender Technik funktioniert soll besser sein? Aber mal ehrlich: 2000 Metallzacken und ein bisschen zusätzliche Leitplanke, die ein Umfahren unmöglich machen erscheinen doch jedem, der halbwegs bei Vernunft ist als totaler Blödsinn. Vor allem, wenn man es mit einer Lösung vergleicht, die 2000 elektronische Kontrollstellen benötigt und nebenbei eine Nachrüstung von über 50.000.000 Fahrzeugen mit einer Anti-Falschfahrer-Box erfordert. Einfacher geht's nicht!
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