Solarauto-Rennen in Australien Wettkampf der Straßenflundern

Seit Sonntag flitzen brettflache Solar-Rennautos durch die australische Wüste. Die "World Solar Challenge" entschied ein niederländisches Team für sich. Bochumer Studenten erreichten mit "Hans Go" den fünften Platz, doch noch immer sind Hightech-Renner unterwegs - ihre Geschwindigkeit richtet sich nach der Sonne.


Im Ziel: Das niederländische Team feiert mit "Nuna II" zum zweiten Mal den Sieg
REUTERS

Im Ziel: Das niederländische Team feiert mit "Nuna II" zum zweiten Mal den Sieg

"Noch 1 Stunde Zeit. Die Geschwindigkeit pendelt um 80 km/h, das könnte reichen. Das Verfolgerteam Principia ist 20 Minuten hinter uns und holt weiter auf. Die Spannung lässt die Hände feucht werden. Christian meldet vom Hinterreifen eigenartige Geräusche. Jetzt nur keine Reifenpanne. Die Batteriespannung sinkt bedrohlich tief, jedes Gefälle wird sehnsüchtig erwartet.

Die Zeitmesslinie kommt in Sicht. Freudengeschrei, es ist geschafft! Hans Go rollt über den Strich und fährt in die Innenstadt. Unglaublicher Jubel und eine bayerische Musikkapelle empfängt Hans Go am offiziellen Ziel der World Solar Challenge 2003. So stellt sich der Australier eben Deutschland vor..."

Und dann liegt sich das Team der Fachhochschule Bochum in den Armen, mit ihrem Solar-Rennauto "Hans Go" erreichten sie am Donnerstag um 16.26 Uhr Ortszeit als Fünfte das Ziel im südaustralischen Adelaide. Teammitglied Stefan Spychalski tickert den Erfolg sofort begeistert ins Tagebuch auf die FH-Homepage.

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Solarauto-Rennen in Australien: Wettkampf der Straßenflunder

Es ist der fünfte Tag der "World Solar Challenge", des weltweit bedeutendsten Rennens für Solarmobile, das quer durch die australische Wüste von Darwin im Norden nach Adelaide führt. Am Sonntag setzten 22 internationale Teams ihre mit Solargeneratoren ausgerüsteten Hightech-Renner in Bewegung. 3010 Kilometer durch Gluthitze lagen vor ihnen.

Am Mittwoch erreichten die ersten sonnenbetriebenen Gefährte die Ziellinie. Das wohl leiseste Autorennen der Welt gewann zum zweiten Mal eine niederländische Studentengruppe. Mit 30 Stunden und 54 Minuten stellte "Nuna II" einen neuen Rekord auf und war eine Stunde und 45 Minuten schneller als ihre Vorgängerin 2001, die "Nuna". "Wir waren wirklich schnell", berichtet der Fahrer Mark Olsthoorn der Nachrichtenagentur AP, "es ist unglaublich, wie weit man nur mit Sonnenenergie kommen kann. Ich hätte nicht geglaubt, dass das möglich ist." Die "Nuna II" erreichte eine Durchschnittsgeschwindigkeit von 97 km/h.

Die zwölf Studenten der Technischen Universitäten von Delft und Rotterdam haben ihren Solar-Boliden mit Hilfe des früheren Astronauten Wubbo Ockels und der European Space Agency (Esa) zusammengebaut. Die hochmoderne Solarzellen, Hochleistungsbatterien und Kunststoffe waren ursprünglich für den Einsatz in der Raumfahrt entworfen worden. BBC berichtet, dass die gleichen Batterien in der Esa-Raumsonde "Smart 1" gerade auf dem Weg zum Mond sind.

"Hans Go" erreicht den fünften Platz im World Solar Challenge 2003
David Hancock/ SkyScans.

"Hans Go" erreicht den fünften Platz im World Solar Challenge 2003

Als Zweite erreichten noch am Mittwoch die australische "Aurora" und als Dritte ein US-Team des Massachusetts Institut of Technology das Ziel. Nach und nach werden die restlichen Teilnehmer bis zum Sonntag in Adelaide erwartet - je nachdem, wie oft die Sonne scheint. Die Autos starten mit den ersten Strahlen des Tages und fahren, solange es ihre Batterien im Dunklen erlauben.

Für die zehn deutschen Studenten des Solarcar-Teams der Fachhochschule Bochum ist der Platz unter den Top Five ein voller Erfolg, obwohl sie mit Problemen beim Fahrwerk und dem Solargenerator zu kämpfen hatten. "Hans Go" ist die zweite Entwicklung eines Solar-Autos, das die FH in Zusammenarbeit mit der Southbank University London geplant und realisiert wurde. "Mad Dog II" kam im letzten Rennen vor zwei Jahren auf den 16. Platz. "Hans Go" erreicht eine Höchstgeschwindigkeit von 125 km/h , dabei leistet der Solar-Generator 2,4 kW bei einem Motor-Wirkungsgrad von 96 Prozent.



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