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Solarmobil Stella Lux: Schnell, bequem, 100 Prozent öko

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Solarmobil: Positivenergie-Auto Stella Lux schafft 1000 Kilometer Reichweite Fotos
TU Eindhoven/ Bart van Overbeeke

Das Solarmobil Stella Lux erzeugt mehr Strom, als es verbraucht, fährt 1000 Kilometer weit und bietet Platz für vier Personen. Ein Zukunftsauto, das nicht nur zeigt, wie es geht, sondern vor allem: dass es geht.

Das Ziel war klar: mehr Reichweite, mehr Komfort, mehr Alltagstauglichkeit. Das Solarauto, dessen sich die Nachwuchsforscher der Technischen Universität Eindhoven angenommen haben, sollte seinen Vorgänger in jeglicher Hinsicht toppen. Das Ergebnis: das Solarmobil Stella Lux.

18 Monate hatten die Studenten entwickelt und gebaut. Der Stromer bietet Platz für vier Personen und fährt an Sonnentagen 1000 Kilometer weit - und stellt damit selbst den bisherigen Elektroauto-Reichweitenmeister Tesla Model S in den Schatten.

Das Solar Team Eindhoven verspricht, dass die 1000 Kilometer möglich sein sollen. Bei Nacht beziehungsweise schlechtem Wetter schaffe das Solarmobil immerhin rund 650 Kilometer. Die Höchstgeschwindigkeit liegt bei 125 km/h.

Stolz sind die Studenten auf die Energiebilanz ihres Wagens: "Das Auto ist ein Positivenergie-Fahrzeug, das heißt, dass es mehr Energie erzeugt, als es verbraucht", erklärt Projektmanager Tom Selten. Ein normales Auto diene dazu, von A nach B zu kommen. 95 Prozent des Tages stehe es entsprechend ungenutzt rum. "Unser Fahrzeug jedoch produziert in der Zeit Energie und lädt sich so auf", so Selten.

Dafür stehen 5,8 Quadratmeter Fläche für Solarzellen auf dem Dach bereit. Im Vergleich zum Vorgängerwagen haben die Nachwuchsforscher Platz für ein zusätzliches Solarpanel geschaffen, indem sie das Dach auf beiden Seiten um ein paar Zentimeter verbreiterten.

Zusammenspiel aus Leichtbau, Aerodynamik und Technik

Gespeichert wird die Energie in einem Akku. Der ist bei dem Solar-Viersitzer mit 15 Kilowattstunden sogar kleiner als bei einem Elektro-Smart mit seinen 17,6 Kilowattstunden. Schafft aber mindestens die vierfache Reichweite - mit doppelt so viel Personen an Bord.

Das gelingt den Nachwuchsingenieuren durch ein Zusammenspiel aus aerodynamischem Design und Leichtbau. Beides prägt das Aussehen des Wagens: Stella Lux ist 4,52 Meter lang, 1,75 Meter breit - aber nur 1,12 Meter hoch. Unübersehbar durchzieht das Fahrzeug ein Mitteltunnel auf der gesamten Länge - Katamaran-gleich steht Stella Lux so auf der Straße. So konnte der Luftwiderstand des Fahrzeugs gesenkt werden.

Die Studenten verbauten überwiegend kohlefaserverstärkte Kunststoffe und Aluminium. So bringt der Viersitzer insgesamt nur 375 Kilogramm auf die Waage. Zum Vergleich: Ein aktueller VW Golf wiegt rund eine Tonne mehr.

Leichtes Gewicht und niedriger Verbrauch sind zwei der Schlüsselkomponenten. Richtig clever wird Stella Lux durch das neu entwickelte Navigationsgerät: Es berechnet die sonnigste Route und plant im Voraus. Wenn im Kalender in den kommenden Tagen eine längere Fahrt ansteht, versucht das Fahrzeug bereits vorweg die Akkus vollzuladen.

Lux steht für Luxuriös - jedenfalls vergleichsweise

Im Innenraum legten die Forscher neben der Leichtbauweise auch ein Augenmerk auf Komfort. Die vier Schalensitzen sollen nicht nur leicht, sondern auch bequem sein. Der Zustieg erfolgt über vier Türen. Die öffnen sich automatisch, sobald man sich mit dem Handy nähert, auf dem eine spezielle App installiert ist.

Die Studenten haben außerdem versucht, Stella Lux möglichst luxuriös auszustatten: mit einem Touchscreen in der Mittelkonsole, Getränkehaltern, Gebläse, LED-Stimmungslichtern und hellen Farben.

Komfort-Extras und Navi in einem Sparmobil, in dem jedes Gramm zählt? Was nach einem Widerspruch klingt, war Teil der Herausforderung. "Wir wollten ja zeigen, dass unser Fahrzeug tatsächlich gebrauchsfähig ist", so Melvin de Wildt, einer der Studenten im Team Solar.

Offenbar ein vielversprechendes Konzept, an das auch andere glauben: De Wildt zufolge gibt es bereits Interessenten, die das Solarauto Stella Lux in Serie fertigen möchten. Näheres könne dazu jedoch noch nicht verraten werden, sagte de Wildt.

Ohnehin konzentriere sich das Team derzeit auf die Vorbereitungen zur World Solar Challenge im Oktober in Australien. Dabei treten alle zwei Jahre Solarmobile aus aller Welt in unterschiedlichen Kategorien gegeneinander an, 3000 Kilometer quer durch das australische Outback führt das Rennen. Die Besonderheit: Die Teilnehmer dürfen ihre Fahrzeuge ausschließlich mit Sonnenkraft betreiben.

Der Vorgänger vom Stella Lux meisterte die Fahrt so gut, dass es in der Kategorie "Reisefahrzeug" den ersten Platz belegte. Ein Ziel, das das derzeitige Team auch erreichen will. Nur eben deutlich komfortabler.

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1. Voll alltagstauglich und bildschön
Mertrager 23.07.2015
... sind die Attribute, die im Lobgesang noch fehlen. - Nix Komfort und so. Das ist eine experimentelle Seifenkiste mit krankem Design.
2. Voll alltagstauglich und bildschön
Mertrager 23.07.2015
... sind die Attribute, die im Lobgesang noch fehlen. - Nix Komfort und so. Das ist eine experimentelle Seifenkiste mit krankem Design.
3.
hintenhoeheralsvorn 23.07.2015
Bravo. Endlich wurde es erfunden, das perpetuum mobile! Also irgendwie!
4.
helmut.alt 23.07.2015
Wie kommt man mit diesem Auto über den Winter? Wenig Sonne, Kälte, nötige Heizung.
5. Solarauto
snowtime 23.07.2015
Gut gemacht und weiter so. Zeigt den Öl-Heinis mal was man schaffen kann ohne die Natur zu zerstören. Daumen hoch
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Welche Typen von Elektroautos gibt es?
Reiner Elektroantrieb
Diese Fahrzeuge haben keinen klassischen Antriebsstrang mehr, der vom Motor die Bewegungsenergie auf die Räder überträgt. Stattdessen sind in den Radnaben Elektromotoren, die Energie kommt aus einem Akku, der an der Steckdose aufgeladen werden kann. Weil die Speicherkapazität der Batterien noch nicht mit einem klassischen Automobil vergleichbar ist, haben einige Elektromobile einen sogenannten Range Extender an Bord - einen kleinen Generator, der die Elektromotoren mit Energie versorgt, wenn der Akku leer ist.

Beispiele: Tesla Model S, VW E-Up, VW E-Golf, Renault Zoe, BMW i3, Ford Focus Electric, Nissan Leaf, Mercedes B-Klasse E-Drive
Hybridantrieb
Hybridautos haben zusätzlich zum klassischen Verbrennungsmotor einen Akku an Bord. Wenn der leer ist, springt der Benziner an. Eine Variante sind sogenannte Mild-Hybrid-Systeme, bei denen der Stromantrieb nur parallel unterstützend läuft, um den Benzinverbrauch zu reduzieren. Der Akku wird in der Regel durch Bremskraftrückgewinnung und einen Dynamo geladen. Zukünftige Hybridfahrzeuge sollen aber auch an der Steckdose aufladbar sein.

Beispiele: Toyota Prius, Toyota Prius+, VW Golf GTE, Porsche Panamera S E-Hybrid, Porsche 918 Spyder, Volvo V60 PiH, BMW i8
Brennstoffzellenantrieb
Bei diesen Fahrzeugen tankt man statt Benzin flüssigen Wasserstoff. In einer chemischen Reaktion wird das Hydrogen in der Brennstoffzelle in elektrische Energie umgewandelt, die dann das Fahrzeug antreibt. Anders als bei reinen Elektrofahrzeugen ist die Infrastruktur für den Wasserstoff eine ungelöste Frage. Vorteil der Brennstoffzellenfahrzeuge ist ihre größere Reichweite.

Beispiele: Hyundai ix35, Honda FCX Clarity, Hamburger Nahverkehrsbusse (Mercedes-Benz), Toyota Mirai
Range Extender
Im Gegensatz zu den herkömmlichen Elektroautos haben Range Extender einen Verbrennungsmotor an Bord, der anspringt, wenn die Ladung der Batterie zur Neige geht. Vorteil: Die Reichweite steigt auf das Niveau eines Autos mit konventionellem Antrieb. Vorreiter dieser Spezies ist der Opel Ampera, der die Kraft des Verbrenners aber auch nutzt, wenn die volle Leistung zum Beispiel auf der Autobahn abgerufen wird.

Beispiele: Opel Ampera (baugleich mit Chevrolet Volt), BMW i3 (optional mit Benzinmotor)
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