Sparwunder Loremo: Leicht und luftig

Von Tom Grünweg

Bislang war der Loremo nur eine Vision auf Rädern. Doch sechs Jahre nach ihrem ersten IAA-Auftritt fährt die sparsame Flunder nun tatsächlich. Binnen zwei weiteren Jahren soll die Serienfertigung des Öko-Flitzers beginnen.

Mit einem Auto ist es wie mit einem Umzugskarton - je geringer das Gewicht, desto leichter fällt es, das Ding zu bewegen. Das ist zwar keine neue Erkenntnis, aber trotzdem werden die Produkte der Autoindustrie immer schwerer. Falls doch mal ein Kilo eingespart wird, treiben teure Leichtbaumaterialien dafür den Preis in die Höhe.

Dass es auch anders gehen kann, will Gerhard Heilmaier beweisen. Er ist Chef der Loremo AG, die mit einer kleinen Flunder den Weg aus der Klimakrise weisen will. Leicht, schnell, sparsam und auch noch billig soll der 2+2-Sitzer sein, wenn in gut zwei Jahren die Serienfertigung beginnt. Eckdaten wie 600 Kilo Gewicht, 160 km/h Spitze, ein Verbrauch von weniger als zwei Litern sowie ein CO2-Ausstoß unter 50 g/km müssten den Entwicklungschefs bei VW, Mercedes oder BMW eigentlich Tränen in die Augen treiben.

Doch Heilmaier hat ein Problem: Während die Sparmodelle der großen Marken bald bei den Händlern stehen werden, ist sein auf der Internationalen Automobilausstellung (IAA) in Halle 4 geparktes Auto ein Einzelstück. Immerhin - nach mehr als sechs Jahren Entwicklungsarbeit und einem Weg, den Heilmaier als "steinig und von knappen Budgets geprägt" beschreibt, fährt der Erprobungsträger. Die Entwickler schwärmen vom Verbrauch, der bei den ersten Messfahrten tatsächlich eine Eins vor dem Komma gehabt habe.

Wie das geht? Des Rätsels Lösung trägt der Loremo im Namen. Das Akronym steht für Low Resistance Mobile oder, frei übersetzt, Wagen des geringsten Widerstandes. "Wir reduzieren Gewicht und Luftwiderstand und folgen einer simplen physikalischen Gesetzmäßigkeit. Je leichter und aerodynamischer das Fahrzeug ist, desto weniger Energie braucht es", sagt Heilmaier. Der Loremo ist 3,80 Meter kurz, lediglich 1,36 Meter breit und mit 1,14 Metern nicht einmal hüfthoch. Der cW-Wert liegt bei konkurrenzlos niedrigen 0,22.

Elektroversion ist in Planung

Um das zu erreichen, war ein neues Konstruktionsprinzip nötig. Deshalb hat der Wagen keine Türen, sondern eine umlaufende Karosserieschale, die nur 95 Kilogramm wiegt. Zum Einsteigen klappt man hoch, was bei einem normalen Auto vielleicht die Motorhaube plus Frontscheibe wäre und steigt wie über den Rand einer Badewanne in den Innenraum. Danach lässt man sich in eine Sitzschalen fallen, zieht das Lenkrad herunter und schließt damit gleichzeitig die Glaskanzel. Nach vorn gibt es noch 60 Zentimeter Knautschzone, direkt hinter den Sitzen rasselt der Motor. Und dahinter - entgegen der Fahrtrichtung - finden noch einmal zwei Passagiere Platz.

In der Vision der Entwickler soll es für den Loremo später einmal drei Motorisierungen geben, die jeweils die Hinterachse antreiben. Das Basismodell Loremo LS bekommt jenen Zweizylinder-Turbodiesel mit 20 PS, der eigentlich schon jetzt im Prototypen säuseln sollte. Doch das Triebwerk wurde nicht rechtzeitig zur IAA fertig. Daneben wird es auch einen Dreizylinder mit 50 PS geben, der den Sprint auf Tempo 100 in weniger als zehn Sekunden schafft und es bei über 200 km/h auch mit Sportwagen aufnehmen könnte. Und Pünktlich zur nächsten IAA hat Loremo zudem eine Elektroversion angekündigt.

Gewichtige Konkurrenz

So weit wie Loremo hat es schon so mancher Tüftler mit einem umweltfreundlichen Fahrzeugkonzept gebracht. Doch weder vom Jetcar noch vom Hotzenblitz hat man seitdem je wieder gehört. Projektleiter Olaf von Dehn-Rotfelser gibt sich dennoch zuversichtlich: "Wir werden unser Auto als erstes in der Nische der supereffizienten Fahrzeuge platzieren." Jährlich seien zunächst einmal 10.000 Autos denkbar. Um das zu erreichen, setzt Dehn-Rotfelser auf den Rekord-Verbrauch, ein sportliches Fahrgefühl vor allem auf einen "massenmarktfähigen" Preis: Mehr als 15.000 Euro soll das Basismodell nicht kosten.

Ob die Öko-Flunder dieses Ziel tatsächlich erreicht, billiger wird als jeder gewöhnliche VW Golf und sich öfter verkauft als ein Citroën C2 hängt nun neben der weiteren Entwicklung, den Crashtests und der Fahrerprobung vor allem von der Suche nach potenten Partnern, dem Aufbau der Produktion und der Suche nach einem geeigneten Vertriebsweg ab. Mit ihrer Zuversicht sind die Loremo-Leute zumindest nicht alleine. 50.000 Interessenten, so das Unternehmen, hätten sich schon vormerken lassen.

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