Zweispurige Autobahnen SPD-Fraktionsvize fordert Überholverbot für Lkw während der Ferien

In der SPD denkt man offenbar über ein generelles Überholverbot auf zweispurigen Autobahnen in der Ferienzeit nach. Das soll für mehr Sicherheit und weniger Staus sorgen. Pkw-Fahrer dürften sich über den Vorschlag freuen, der ADAC warnt vor neuen Gefahren.

Elefantenrennen: Ein Lkw überholt einen Lastwagen auf der A2 bei Peine
DPA

Elefantenrennen: Ein Lkw überholt einen Lastwagen auf der A2 bei Peine


Berlin - Überholt ein Lkw einen anderen Lastwagen auf der Autobahn, brauchen nachkommende Autofahrer meist Geduld. Vor allem, wenn nur zwei Spuren pro Richtung zur Verfügung stehen. Wegen des oft geringen Geschwindigkeitsunterschiedes kann der Überholvorgang mehrere Minuten dauern. Das will der Landesvorsitzender der SPD in Bayern und Fraktionvize, Florian Pronold, nun ändern.

Der Sozialdemokrat fordert ein generelles Überholverbot für Lastwagen auf Autobahnen mit nur zwei Richtungsspuren. Diese Regel soll während der sommerlichen Hauptreisewelle gelten. "Das fördert den Verkehrsfluss, verbessert die Verkehrssicherheit und verhindert Staus", sagte Pronold am Freitag.

"Wenn in Ferienzeiten ein klares bundesweites Lkw-Verbot gilt, hat es auch die Polizei einfacher, die Einhaltung zu kontrollieren", sagte Pronold der "Mittelbayerischen Zeitung". Ausnahmen sollten aber möglich bleiben. "Wenn tatsächlich ein Lkw unterwegs ist in einer Geschwindigkeit, die auf einen Unfall oder einen Defekt schließen lassen, dann kann man ein solches fast stehendes Hindernis selbstverständlich überholen", sagte Pronold im Deutschlandfunk.

Dafür soll die bundesweit gültige Ferienreiseverordnung geändert werden, die jährlich im Juli und August gilt. Pkw-Fahrer dürften sich über diesen Vorschlag freuen, und auch die Gewerkschaft der Polizei (GdP) zeigte sich offen für die Überlegungen. Vom ADAC und dem Bundesverkehrsministerium hingegen kam Kritik.

Neue Gefahren

Der Autoclub nannte ein mögliches Überholverbot für gefährlich. Wenn Lkw-Fahrer stundenlang auf der rechten Spur hinter langsameren Wagen herführen, senke dass die Aufmerksamkeit der Trucker. Außerdem führe ein "Verbannen" der Lastwagen auf die rechte Spur zu einer undurchdringbaren Lkw-Schlange. "Auffahren auf die Autobahn und Abfahren wird für Pkw-Fahrer zur echten Herausforderung." Das Bundesverkehrsministerium bekräftigte auf Anfrage ebenfalls seine ablehnende Haltung. Ressortchef Peter Ramsauer (CSU) hatte vor möglichen neuen Unfallrisiken gewarnt, wenn Laster dicht an dicht führen und nicht ausweichen dürften.

Der Vorsitzende der Gewerkschaft der Polizei, Oliver Malchow, verwies dagegen auf die Gefahren der aktuellen Regelung. Beim starken Abbremsen von Pkw hinter langsam überholenden Lkw und durch Rückstaus entstünden "echte Gefahrensituationen". Das vorgeschlagene Lkw-Überholverbot könnte etwa bei einem Pilotversuch erprobt werden, sagte Malchow.

rom/dpa



Forum - Diskutieren Sie über diesen Artikel
insgesamt 102 Beiträge
Alle Kommentare öffnen
Seite 1
u.loose 26.07.2013
1. Die SPD hat Sorgen....
Das ist ja ein Thema, das taugt nicht mal für einen Gemeinderat eines 5000 Seelen Dorfes.
marthaimschnee 26.07.2013
2.
Zitat von sysopDPAIn der SPD denkt man offenbar über ein generelles Überholverbot auf zweispurigen Autobahnen in der Ferienzeit nach. Das soll für mehr Sicherheit und weniger Staus sorgen. Pkw-Fahrer dürften sich über den Vorschlag freuen, der ADAC warnt vor neuen Gefahren. http://www.spiegel.de/auto/aktuell/spd-fordert-ueberholverbot-fuer-lkw-in-den-ferien-a-913057.html
die StVo behauptet hier: "Lastkraftwagen mit einem zulässigen Gesamtgewicht über 3,5 t und Kraftomnibusse müssen auf Autobahnen, wenn ihre Geschwindigkeit mehr als 50 km/h beträgt, von vorausfahrenden Fahrzeugen einen Mindestabstand von 50 m einhalten." das sollte reichen, um sich als PKW einzureihen
Festus_Tank 26.07.2013
3. typisch Sozen
schwachsinnige Verbote die in der Realität nicht durchzusetzen sind und nur populistischer Müll...so wie meistens...
xysvenxy 26.07.2013
4. Ich wäre klar dafür
Auf den meisten NRW Autobahnen mit 2 Spuren ist dieses Überholverbot tagsüber doch eh schon lange in Kraft. Und es funktioniert bestens. Weder gibt es an Ein- und Ausfahrten Probleme für PKW Fahrer noch hat es wegen dieses Überholverbots mehr LKW Unfälle dort gegeben. Dass Laster 'dicht an dicht' fahren ist eine Unsitte und eigentlich komplett verboten - warum da nicht sowieso mal seitens der Polizei oder des BAG mit dem Hammer draufgehauen wird ist mir komplett unbegreiflich - es gibt schließlich einen Mindestsicherheitsabstand der einzuhalten ist. Mit anderen Worten: Der ADAC gibt hier einfach Dünnsinn von sich. Einen Pilotversuch kann man sich natürlich auch gleich schenken - wie gesagt wird das in NRW doch schon länger so praktiziert und man sollte das sicher auch von 'tagsüber' auf 'Ferienzeit' übertragen können.
sven glückspilz 26.07.2013
5. optional
Wenn aus der zu großen Geschwindigkeitsdifferenz von LKW und PKW "echte Gefahrensituationen" resultieren, wie der Oberpolizeigewerkschafter kompetent feststellt, dann könnte das vielleicht nicht daran liegen, dass die LKW zu langsam, sondern die PKW zu schnell sind. Der Blick in Länder mit genereller Geschwindigkeitsbegrenzung reicht aus. Und wenn der bayerische SPD-Chef meint, den mitunter debakulösen Situationen auf Deutschlands Autobahnen in der Ferienzeit sei mit einem generellen LKW-Überholverbot beizukommen, ist das von Sachkenntnis ungetrübter Populismus. Die Masse an fahrtechnisch ungeübten und überforderten PKW-Lenkern in der Ferienzeit mit überladenen Autos, unkonstanten Geschwindigkeiten, sinnlosem Kolonnenfahren, Verstößen gegen das Rechtsfahrgebot und vielen anderen der Unsicherheit, Unkonzentriertheit und schlichten Unkenntnis geschuldeten Verhaltensweisen am Steuer sind ein echtes Problem, nicht die gelegentlichen längerdauernden Überholmanövern von LKW.
Alle Kommentare öffnen
Seite 1

© SPIEGEL ONLINE 2013
Alle Rechte vorbehalten
Vervielfältigung nur mit Genehmigung der SPIEGELnet GmbH


Die Homepage wurde aktualisiert. Jetzt aufrufen.
Hinweis nicht mehr anzeigen.