Spielwarenmesse Nürnberg: Autos für das Kind im Manne

Aus Nürnberg berichtet Tom Grünweg

Kinderspielzeug war nur ein Teil der Spielwarenmesse in Nürnberg. Der andere waren zum Beispiel Highend-Modellfahrzeuge, die allein fast zwei komplette Hallen belegen. Die Miniaturen werden immer detaillierter und luxuriöser. SPIEGEL ONLINE stellt die spektakulärsten Stücke vor.

Spielwarenmesse Nürnberg: Luxusautos im Kleinformat Fotos
Tom Grünweg

Kinder, nehmt die Finger weg! Werner Junginger ist zwar eher der Typ grundgütiger Opa, doch wenn es um Spielsachen geht, versteht der Produktmanager der Denkendorfer Firma CMC keinen Spaß. Was seine Kollegen in Schwaben konstruieren und in China von Hand fertigen lassen, ist nichts für kleine Grabscher. CMC baut vielmehr die Bugatti unter den Modellautos und zeigte in den Vitrinen auf der Spielwarenmesse in Nürnberg Kunstwerke auf Rädern, die liebevoller ausgestattet sind als manches echte Serienauto - und mehr kosten als viele Gebrauchtwagen.

Star auf dem Stand - und für einige Branchenkenner auch auf der gesamten Messe - war der Ferrari Dino 156 "Sharknose". Ein Modell, von dem nach der gewonnen Formel-1-Weltmeisterschaft 1961 kein Original überlebte. "Monatelang haben wir alte Fotos, Skizzen und jedes Papier studiert, das wir zu dem Wagen bekommen konnten", berichtet Junginger. Die Mühe hat sich gelohnt. Gefertigt aus knapp 2000 Teilen ähnelt das Auto dem Original bis ins Detail.

Das gilt auch für andere CMC-Fahrzeuge, etwa den neuen Bugatti 57 SC Atlantic im Maßstab 1:18, der aus mehr als 1700 Teilen besteht. Schon der Blick in die Kabine mit echten Ledersitzen, Türscharnieren und täuschend echter Instrumentierung lässt staunen. Doch dann öffnet Junginger mit spitzen Fingern und Uhrmacherwerkzeug die Doppelflügel-Haube über dem komplett verkabelten Achtzylinder und löst vorsichtig die Flügelmuttern der Speichenräder und zeigt, wie weit die Detailtreue reicht. Sogar unter dem Blech ist alles dem Vorbild nachempfunden.

Bei etwa 250 Euro beginnt der Autobesitz in diesen Sphären, der Ferrari kostet allerdings rund 2500 Euro. Dennoch sei die Nachfrage enorm, berichtet Junginger: "Die auf 500 Exemplare limitierte Serie war im Nu ausverkauft."

Panzer, Bagger, Kräne oder auch Supersportwagen im Swarovski-Look

Solche Highend-Modelle bietet nicht allein CMC. Auf jedem zweiten Stand in den beiden Hallen voller Autos konnte man sehr edle und feine Modelle sehen. Besonders viele standen etwa bei Premium Classixxs, wo sich Mercedes-Flügeltürer im Rampenlicht drehten - und zwar der neue SLS und der alte 300 SL. Ebenfalls ein Highlight war der schokoladenbraune Mercedes 500K Spezialroadster von 1935, den die Firma Bauer erstmals zeigt (Preis etwa 1000 Euro). Weniger geschmackssicher, aber nicht minder begehrt sind ein Mercedes SLS und ein Lamborghini Murcielago aus der Maisto-Kollektion im Swarovski-Look in der gleichen Preisregion.

Kinder gehörten hier gar nicht zur Zielgruppe, und das nicht nur, weil die Messe erst für Besucher ab 16 Jahre geöffnet war. Man erkennt das auch am Angebot vieler Automodelle, die von längst unter gegangenen Marken stammen. Facel-Vega, Glas oder Borgward - Typen, die längst von der Straße verschwunden sind, leben in den Vitrinen der Sammler weiter.

Die noch heute aktiven Autohersteller waren en miniature zwar omnipräsent, doch für einen eigenen Auftritt in Nürnberg interessierten sie sich offenbar nicht. Nur Audi machte eine Ausnahme und feierte sogar eine Weltpremiere: die Designstudie "Auto Union Typ C Etron". Das Modellauto zum Selberfahren wird angetrieben von einem Elektromotor mit 1,5 PS, schafft Tempo 30 und kommt mit der Energie aus einem Lithium-Ionen-Akku etwa 25 Kilometer weit. Gefertigt aus Aluminium und Karbon und mit einem Interieur aus Leder passt der Einsitzer prima zum Luxustrend. Auch wenn die Hightech-Seifenkiste noch ein Prototyp ist - sollte das Minimobil gebaut werden, kostet es vermutlich mehr als mancher Kleinwagen. Schon die Tretauto-Version des Edel-Spielzeugs ist rund 10.000 Euro teuer.

Audi ist der einzige Autohersteller auf der Spielwarenmesse

Es waren aber nicht nur die Sportwagen und Oldtimer, die in Nürnberg im Blickpunkt standen. Für kriegerische Gemüter gab es detailgetreue Panzer aller Größen, Epochen und Länder; für agrarisch geprägte Sammler hunderte zum Teil ferngesteuerte Traktoren, Mähdrescher und anderer Landmaschinen und die Einsatzfahrzeuge von Polizei und Feuerwehr waren eh' überall zu sehen. Die Firma Conrad wiederum hat sich auf Baufahrzeuge spezialisiert. Auf dem Stand waren mannshohe Kräne aufgebaut, es gibt Muldenkipper in der Größe von Bierkästen und Schwertransporter, die so lang sind, dass sie kaum auf den Schreibtisch passen. Obwohl sie nicht ganz so fein ausgearbeitet wie die Edelkarossen im Maßstab 1:12, sind auch sie nicht Taschengeld-kompatibel. Mindestens 200 Euro muss man für die meterlangen Sattelzüge anlegen.

Wie in der echten Autowelt hat sich auch um die Modellfahrzeuge eine Tuning- und Zubehörszene entwickelt. Spezialisten lackieren die Modelle mit Airbush-Motiven, es gibt Werkzeug im Liliput-Format, und sogar mobile Fotostudios für Modellauto-Shootings kann man bestellen. Der absolute Clou ist jedoch die Modellautoreinigungsanlage von Momira, die ein Tüftler aus Bad Reichenhall entwickelt hat. Das Ding ist im Prinzip eine Aluminium-Schachtel, gefüllt mit "Zauberwatte": Schiebt man das Auto vorsichtig hinein, saugt der Staubmagnet alle Schmutzpartikel vom Blech und die Karosse strahlt wieder wie am ersten Tag.

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