60 Jahre Matchbox-Autos: Das Winzige muss ins Eckige

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60 Jahre Matchbox-Autos: Lauter alte Schachteln Fotos
Tom Grünweg

Carsten Oettler besitzt 10.000 Fahrzeuge - in Matchbox-Größe. Sein Laden in Berlin ist eine Schatzkammer für Sammler. Einige Exemplare sind so teuer wie echte Neuwagen - vorausgesetzt, die Verpackung stimmt.

Nein, der Laden von Carsten Oettler im Berliner Stadtteil Wilmersdorf ist kein Paradies für Kinder. In dem Geschäft wimmelt es zwar von Spielzeugautos - aber besucht wird es hauptsächlich von Erwachsenen. Denn die Kunden im Cars and Boxes wollen in der Regel nicht ihren Spieltrieb befriedigen, sondern frönen ihrer Sammelleidenschaft, den Matchbox-Autos.

Vor 20 Jahren eröffnete Oettler das Geschäft, inzwischen ist der 45-Jährige eine Instanz in der Welt der Modellauto-Maniacs. Zu seinen Kunden gehören Leute, die es sich auch leisten könnten, echte Autos zu sammeln. Der Südamerika-Chef des Nestlé-Konzerns, ein Mobilfunkmillionär aus der Türkei und ein sammelwütiger Unternehmer aus China: Sie alle bestellen laut Oettler via Internet oder schauen bei Berlin-Besuchen persönlich in dem winzigen Laden im schmucklosen Wohnviertel vorbei.

Der Herr der Sammlerträume begnügt sich mit zwei Modellen

In dem Raum sind die Wände mit Regalen und Vitrinen zugestellt, überall stapeln sich Kisten und Körbe mit Autos. Vor der Mischung aus Schreibtisch, Tresen und Kassentheke passt nicht mal mehr ein Stuhl. Auch die maßgeschneiderten Apothekerschränke im Hinterzimmer bergen die metallenen Kleinodien. "Mehr als 10.000 Matchbox-Autos sind auf Lager", sagt Oettler, der Herr über diese Garage der Sammlerträume.

Die Szene besteht allein in Deutschland aus mehr als tausend Sammlern - und ein paar wenigen Sammlerinnen. "Manche von ihnen sind mit wenigen Dutzend Autos oder einzelnen Jahrgängen zufrieden, andere besitzen Tausende von Fahrzeugen aus mehreren Jahrzehnten", sagt Oettler und schätzt, dass da schnell Werte von mehreren hunderttausend Euro zusammenkommen.

Er selbst hat sich aus dieser Liga längst verabschiedet, er fürchtete nämlich "Suchtgefahr". Bei ihm zu Hause stehen nur noch zwei Matchbox-Autos in der Vitrine: spezielle Umbauten, die er zur Hochzeit geschenkt bekam.

Riesige Summen für winzige Autos

Gerade in diesem Jahr ist das Sammelfieber anderer Matchbox-Fans dagegen besonders hoch: Die Marke feiert ihren 60. Geburtstag. Dank des Jubiläums brummt das Geschäft bei Oettler, ständig klingelt das Telefon, und der Posteingang ist vollgestopft mit E-Mail-Anfragen. Da wird zum Beispiel dringend ein cremefarbener Vauxhall Cresta aus den späten fünfziger Jahren gesucht, ein NASA-Command-Bus aus den Achtzigern oder ein blauer Lotus Europa aus den Siebzigern.

Die exotischen Wünsche vermitteln eine Ahnung davon, wie gewaltig die Auswahl bei den Spielzeugautos ist. Seit Jahrzehnten parkt in fast jedem Kinderzimmer mindestens eines der Miniaturmodelle. Matchbox hatte fast alles im Programm: Die zur jeweiligen Zeit aktuellen Serienmodelle der Autohersteller aus Asien, Europa und Amerika, natürlich besonders spektakuläre Filmfahrzeuge und Phantasiemodelle aus Märchen- oder Weltraumwelten. Außerdem Tuningtypen, dazu Lokomotiven, Hoovercraft-Fähren oder Raketen. Oettler kennt sie fast alle, und viele davon hat er im Sortiment.

Allerdings sprengen die meisten seiner Exemplare das gewöhnliche Taschengeld-Budget. Während die allerersten Matchbox-Modelle 1953 in England für 7,50 Pence verkauft wurden und aktuelle Autos heute kaum mehr als 1,50 Euro kosten, tragen die Typen bei Oettler meist Preisschilder von 20 Euro aufwärts. Mal abgesehen von den leicht lädierten Fahrzeugen in den Grabbelkisten und Wäschekörben. Für die teuersten Sammlerstücke wurden in der Szene dagegen auch schon mal fünfstellige Summen gezahlt.

Bei Matchbox zählt nicht nur der Inhalt

Nachschub für sein Sortiment besorgt sich Oettler aus Nachlässen und bei Insolvenzen von Spielzeugläden. Auf Börsen und Flohmärkten wird er ebenfalls oft fündig, manchmal werden ihm auch Bestände angeboten, die in Speichern und Kellern lagerten.

Stammen die Autos von Sammlern, ist das für Oettler gut - wird dagegen ein altes Kinderzimmer entrümpelt, winkt er meist vorher schon ab. "Sobald die Autos mal in Kinderhand waren, sind sie für die Sammler praktisch wertlos", sagt er. Denn die Minifahrzeuge sind dann oft mit Unfallschäden übersät, und meistens fehlt auch noch ein sehr wichtiger Zusatz: die Originalverpackung. Und ohne die Pappschachtel sind die Modelle nur noch die Hälfte wert.

Dass Matchbox-Sammler so großen Wert auf die Schachteln legen, liegt wohl am Namen und der Entstehungsgeschichte der Modellautos. Denn erfunden hat sie der englische Ingenieur Jack Odell angeblich deshalb, weil er seiner Tochter Anne etwas zum Spielen mit in die Schule geben wollte. Weil die Schulleitung aber nur Spielzeug erlaubte, das in eine Streichholzschachtel (Matchbox) passte, bastelte Odell ein Auto in der passenden Größe.

Auf diesem netten Einfall gründete sich die wohl berühmteste Spielzeugautomarke der Welt. Ein Zufall machte es auch möglich, dass der Arbeitgeber von Odell, der Spielwarenhersteller Lesney, über genügend Geld für die Produktion der Erstauflage von Matchbox-Autos verfügte: 1953 wurde Queen Elizabeth II. nämlich zur Königin von England gekrönt - und Lesney verdiente ordentlich an einem Miniaturmodell der Krönungskutsche.

Ein Geschäft ohne Zukunft

Heute gehört die Marke Matchbox einem großen US-Spielzeugkonzern. Die aktuellen Produktionszahlen werden wie ein Staatsgeheimnis gehütet, doch laut Angaben aus dem Jahr 2007 wurden bis zum damaligen Zeitpunkt insgesamt drei Milliarden der Minimodelle hergestellt. Dagegen verblassen selbst Autogiganten wie VW oder Toyota.

Für die Zeit nach dem Jubiläum erwartet Oettler weiter steigende Umsätze. "Die meisten Sammler fangen das Hobby im Alter zwischen 30 und 40 Jahren an und kaufen die Autos ihrer Kindheit. Deshalb stehen jetzt gerade die Modelle der siebziger und achtziger Jahre hoch im Kurs."

Langfristig sieht er allerdings schwarz für sein Geschäft - denn er hat sehr wohl registriert, dass Autos als Statussymbole mittlerweile ausgedient haben, sowohl richtige Exemplare als solche im Maßstab 1:64. "Wenn die Kinder von heute mal erwachsen sind, werden sie sich wohl kaum für Matchbox-Autos interessieren", sagt er. "Deshalb kann ich meinen Laden in 20 Jahren dichtmachen - oder muss das Sortiment auf die Software der ersten Spielekonsolen umstellen."

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insgesamt 15 Beiträge
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1. wenn man keine Ahnung hat...
Indigo76 27.07.2013
Zitat von sysopTom GrünwegCarsten Oettler besitzt 10.000 Fahrzeuge - in Matchbox-Größe. Sein Laden in Berlin ist eine Schatzkammer für Sammler. Einige Exemplare sind so teuer wie echte Neuwagen - vorausgesetzt, die Verpackung stimmt. http://www.spiegel.de/auto/aktuell/spielzeugautos-von-matchbox-jubilaeum-der-kinderzimmer-flitzer-a-911850.html
Wenn man keine Ahnung von Sammlern hat, dann sollte man nicht so einen Artikel schreiben. Der Name des Herstellers mag ein zusätzlicher Beweggrund für den Sammler sein, aber er macht nur eine mikroskopisch kleinen Teil aus. Eine intakte Verpackung garantiert den unveränderten Herstellungszustand des Sammlerstücks. Das beste Beispiel sind Comicbücher. Originalverschweißt bringen die bei Sammlerauktionen ein Vielfaches dessen, was sie ohne Verpackung kosten würden. Und hierbei ist das nur eine einfache Klarsichtfolie.
2. "wenn man keine Ahnung hat" die 2.
medwediza 27.07.2013
Zitat von Indigo76Wenn man keine Ahnung von Sammlern hat, dann sollte man nicht so einen Artikel schreiben. Der Name des Herstellers mag ein zusätzlicher Beweggrund für den Sammler sein, aber er macht nur eine mikroskopisch kleinen Teil aus. Eine intakte Verpackung garantiert den unveränderten Herstellungszustand des Sammlerstücks. Das beste Beispiel sind Comicbücher. Originalverschweißt bringen die bei Sammlerauktionen ein Vielfaches dessen, was sie ohne Verpackung kosten würden. Und hierbei ist das nur eine einfache Klarsichtfolie.
Sie mögen von Comics was verstehen, aber nichts von Modellautos, bzw. deren Sammler. Selbstverständlich ist der Hersteller für Matchbox-Sammler das absolut entscheidende Merkmal. Wer Matchbox sammelt, sammelt ausschliesslich Matchbox und nicht irgendwelche Modelle anderer Hersteller. Den Vorwurf der Ahnungslosigkeit können Sie somit an sich selbst richten.
3.
Indigo76 27.07.2013
Zitat von medwedizaSie mögen von Comics was verstehen, aber nichts von Modellautos, bzw. deren Sammler. Selbstverständlich ist der Hersteller für Matchbox-Sammler das absolut entscheidende Merkmal. Wer Matchbox sammelt, sammelt ausschliesslich Matchbox und nicht irgendwelche Modelle anderer Hersteller. Den Vorwurf der Ahnungslosigkeit können Sie somit an sich selbst richten.
Lesen sie meinen Kommentar ein zweites Mal, dann verstehen sie ihn vielleicht. Ich habe nicht behauptet, dass ein reiner Matchboxsammler auch andere Modelle sammelt. Die Verpackung mag der letztendliche Beweis sein, dass das Modell von Machtbox ist, aber die Verpackung macht das Modell nicht zu einem Matchboxmodell. Die Tatsache, dass es von Matchbox gefertigt wurde, macht es dazu. Die Verpackung ist und bleibt in erster Linie ein Schutz der eigentlichen Ware. In dieser Hinsicht gibt es keinen Unterschied zu den Comicbüchern (Niemand außer Kindern sagt Comics). Auch hier gibt es Sammler bestimmter Hersteller (Marvel, DC, usw).
4. Die Packung macht's
emantsol 27.07.2013
Zitat von Indigo76Wenn man keine Ahnung von Sammlern hat, dann sollte man nicht so einen Artikel schreiben. Der Name des Herstellers mag ein zusätzlicher Beweggrund für den Sammler sein, aber er macht nur eine mikroskopisch kleinen Teil aus. Eine intakte Verpackung garantiert den unveränderten Herstellungszustand des Sammlerstücks. Das beste Beispiel sind Comicbücher. Originalverschweißt bringen die bei Sammlerauktionen ein Vielfaches dessen, was sie ohne Verpackung kosten würden. Und hierbei ist das nur eine einfache Klarsichtfolie.
Das sehe ich auch so und lege beim Kauf älterer Modelleisenbahn-Fahrzeuge (bevorzugt PIKO) auch Wert auf die Verpackung. Das scheint in vielen Bereichen so zu sein. Übrigens: Habe noch einen London-Bus aus dem Jahr 1978 von Matchbox, ist kaum bespielt, aber trotzdem ein Teil meiner Kindheit. Würde ich (fast ;-) ) nie hergeben. http://cars-and-boxes.com/afterbuyshop/55468+.jpg
5. Natürlich
digitus_medius 27.07.2013
ist die Originalverpackung für Sammler extrem wichtig und wertsteigernd. Nicjt ohne Grund gibt es.sogar gefälschte Verpackungen von Modellautos. Und.hohe Preise nur für leere Verpackungen in der Bucht etc.
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