Verwirrte Verkehrsleitsysteme auf der A2: Die Spinnen

Autobahnverkehr bei Nacht: Auf der A2 mussten die Fahrzeuge auf 40 km/h runterbremsen Zur Großansicht
DPA

Autobahnverkehr bei Nacht: Auf der A2 mussten die Fahrzeuge auf 40 km/h runterbremsen

Ein Naturphänomen hat in der Nacht auf Montag beinahe die Autobahn 2 in Niedersachsen lahmgelegt: Das Verkehrsleitsystem warnte vor Nebel, wo gar kein Nebel war. Spinnen hatten den Infrarotsensoren die Sicht, nun ja, vernebelt.

Hannover - Die Autofahrer auf der A2 werden ihren Augen nicht getraut haben: Die Nacht war klar, und es herrschte wenig Verkehr - und trotzdem durften sie nur über die Fahrbahn kriechen. Denn eine Verkehrsanlage zwischen den Anschlussstellen Veltheim und Bad Eilsen warnte vor trüber Sicht und beschränkte die Geschwindigkeit. Mehr als Tempo 40 war nicht erlaubt.

Schuld daran waren Spinnen. Die Tierchen hatten die Infrarotsensoren der Verkehrsleitsysteme mit ihren Netzen umwebt und somit die Technik getäuscht. Das erklärte der Leiter der niedersächsischen Verkehrsmanagementzentrale, Hartmut Prüß, am Dienstag in Hannover und bestätigte damit einen Bericht des "Weser-Kuriers".

Gegen die Achtbeiner, die normalerweise gehäuft im Herbst auftreten, werde zwar bereits ein Spezialspray eingesetzt, so Prüß. Das soll die Tiere mit einem Duftstoff für etwa drei Monate von den Messstationen fernhalten. Auch würden die Anlagen regelmäßig gewartet und mit dem Besen gereinigt. "Zu 100 Prozent kann man solche Vorfälle jedoch nicht ausschließen", sagte Prüß. Und es seien nicht nur Spinnen, die die Anlagen in die Irre führen.

Auch Insekten oder Vögel, die vor den Infrarotröhren zur Sichtmessung flattern, stören die empfindliche Datenauswertung. Strauchwerk oder Mülltüten könne sich ebenfalls vor den Sensoren verfangen.

Dafür ist ein 24-Stunden-Notdienst eingerichtet, der zu den Messanlagen fährt, um sie von störenden Gegenständen zu befreien. Teilweise komme es dabei aber zu leichten Verzögerungen, wie es in der Nacht zu Montag der Fall gewesen sei.

Hasen können das System nicht mehr überlisten

Früher hätten sogar Hasen oder Rehe die automatischen Verkehrsleitsysteme irritiert, sagte Prüß. Allerdings habe man dieses Problem dadurch gelöst, die Messstationen mindestens 1,9 bis 3 Meter hoch zu montieren.

Auf dem 155 kilometerlangen Abschnitt der A2 in Niedersachsen stehen etwa alle drei bis neun Kilometer die Sensoren des automatischen Verkehrsleitsystems. Laut Prüß reagieren sie empfindlich und lösen rasch einen Alarm aus - schließlich gelte es, Unfälle oder sogar Massenkarambolagen zu verhindern.

Und was passiert, wenn man als Autofahrer mit Tempo 60 auf einer Strecke geblitzt wird, wo eigentlich 120 erlaubt ist? Man darf auf Milde hoffen. Das sagt Wolfgang Polacek aus dem Rechtsreferat des niedersächsischen Innenministeriums im "Weserkurier".

Angeordnete Tempolimits müssten zwar grundsätzlich eingehalten werden, jedoch seien Behörden bei Ordnungswidrigkeiten nicht verpflichtet, ein Bußgeld einzutreiben. Bei technischen Pannen, wie nun durch die Spinnennetze verursacht, werde meistens Verständnis gezeigt.

cst/dapd

Diesen Artikel...
Aus Datenschutzgründen wird Ihre IP-Adresse nur dann gespeichert, wenn Sie angemeldeter und eingeloggter Facebook-Nutzer sind. Wenn Sie mehr zum Thema Datenschutz wissen wollen, klicken Sie auf das i.

Auf anderen Social Networks teilen

  • Xing
  • LinkedIn
  • Tumblr
  • studiVZ meinVZ schülerVZ
  • deli.cio.us
  • Digg
  • reddit
Forum - Diskutieren Sie über diesen Artikel
insgesamt 21 Beiträge
Alle Kommentare öffnen
    Seite 1    
1.
hador2 22.05.2012
Das entsprechende Teilstück der A2 und das zugehörige Verkehrsleitsystem ist ohnehin eine Krankheit. Bin dort bis vor einiger Zeit fast täglich gefahren: Die Strecke ist praktisch kerzengerade, recht gut ausgebaut, eine auch nicht wirklich tragische Steigung über das Wiehen'gebirge' und das wars, dann wieder kerzengerade bis Hannover....dennoch ist die Strecke eine der unfallreichsten der Bundesrepublik. Der einzige echte Grund dafür dürfte wohl in der hohen LKW Dichte liegen, sowie darin dass die Einfachheit der Strecke schlicht zum schlafen verleitet.
2.
michaelXXLF 22.05.2012
Zitat von hador2Die Strecke ist praktisch kerzengerade, recht gut ausgebaut,
DAS ist der wahre Grund. Da wird draufgehalten was geht.
3. Bitte geben Sie keinen Titel für den Beitrag an!
Walter Sobchak 22.05.2012
Zitat von michaelXXLFDAS ist der wahre Grund. Da wird draufgehalten was geht.
Ne, da wirds oede und man wird muede. Das ist ja auch der Grund warum in Deutschland BABen fuer gewoehnlich nicht schnurgerade gebaut werden, auch wenn es die Landschaft erlauben wuerde.
4. 250
der_pirat 22.05.2012
Ich bin jahrelang mindestens einmal pro Woche diese Strecke gefahren. Mittlerweile habe ich nicht einmal mehr ein Auto, weil ich in einem anderen Bereich tätig bin und es auch nicht brauche... Aber das ist ein anderes Thema. Jedenfalls kann ich mich von meinen Fahrten an Strecken erinnern, die schnurgerade waren und ich habe dort gerne Vollgas gegeben (wer es nicht glaubt: Auch tagsüber kann man durchaus zeitweise 250 fahren; mit meinem Auto in weniger einer halben Minute erreicht). Schlimm fand ich immer Abschnitte, bei denen ich mit höheren Geschwindigkeiten beinahe aus der Spur geflogen bin. Lange Rede, kurzer Sinn: Warum gibt es keine Schilder mit "max. 200" oder "max. 180"? Muss man immer auf 120 runtergebremst werden? Es kann doch nicht so schwer sein, auszurechnen, welche Geschwindigkeiten möglich sind.
5. Kein Titel
Hans Blafoo 22.05.2012
Zitat von sysopUnd was passiert, wenn man als Autofahrer mit Tempo 60 auf einer Strecke geblitzt wird, wo eigentlich 120 erlaubt ist? Man darf auf Milde hoffen. Das sagt Wolfgang Polacek aus dem Rechtsreferat des niedersächsischen Innenministeriums im "Weserkurier". Angeordnete Tempolimits müssten zwar grundsätzlich eingehalten werden, jedoch seien Behörden bei Ordnungswidrigkeiten nicht verpflichtet, ein Bußgeld einzutreiben. Bei technischen Pannen, wie nun durch die Spinnennetze verursacht, werde meistens Verständnis gezeigt.
Verstehe ich das richtig? Man verletzt kein Gesetz (sofern wir jetzt mal nicht von einer Mindestgeschwindigkeit > 60 km/h ausgehen) und soll dann aufgrund eines technischen Fehlers auf Milde hoffen? Also mal ehrlich, wenn das Zeug nicht richtig funktioniert, sehe ich nicht ein, dann im Zweifelsfall doch zahlen zu müssen.
Alle Kommentare öffnen
    Seite 1    
News verfolgen

HilfeLassen Sie sich mit kostenlosen Diensten auf dem Laufenden halten:

alles aus der Rubrik Auto
Twitter | RSS
alles zum Thema Autobahnen
RSS

© SPIEGEL ONLINE 2012
Alle Rechte vorbehalten
Vervielfältigung nur mit Genehmigung der SPIEGELnet GmbH

SPIEGEL ONLINE Schließen


  • Drucken Versenden
  • Nutzungsrechte Feedback
  • Kommentieren | 21 Kommentare
  • Zur Startseite
Facebook


Aktuelles zu