Kleinserien von Luxusautomarken Schnell am Limit

Bentley, Jaguar, Ferrari: Diese Hersteller klingen für Normalos nach Exklusivität - und für besonders Anspruchsvolle nach Massenware. Das wollen einige Luxusautobauer jetzt ändern und setzen auf Kleinserien. Bei der Frage nach den Preisen lautet die Antwort fast überall gleich.

Ferrari

Autos und Abendkleider haben etwas gemeinsam: Mag das Teil auch noch so exklusiv sein - wenn jemand das gleiche hat, wird es in gewissen Kreisen schnell peinlich. Weil sich Sehr-gut- und Noch-besser-Verdiener mit der Wahl ihres Wagens nicht nur aus der breiten Masse, sondern auch innerhalb des eigenen Zirkels hervorheben wollen, ist es mit gewöhnlichen Luxuskarossen also nicht immer getan.

Bisher wurden solche besonders anspruchsvollen Geschmäcker vor allem von Tunern und Automanufakturen bedient. Nun drängen aber immer häufiger auch die Großen der PS-Welt in diese lukrative Nische und legen selbst Sonderserien auf.

Bentleys Supersprinter

Bentley zum Beispiel hat erst vor ein paar Wochen den Continental GT3-R vorgestellt, die bislang schärfste Variante des englischen Gran Turismo, der sich am Rennwagen der GT-3 Serie orientiert. Das bedeutet einerseits, dass der Besitzer des Autos auf nichts außer der Rücksitzbank verzichten muss, und andererseits, dass der Wagen äußerlich Vollgas-Aufschneiderei betreibt: der Lack ist bunt beklebt und auf dem Heck thront ein großer Spoiler.

Der vier Liter große V8-Motor des Wagens leistet 580 PS und stellt maximal 700 Nm Drehmoment bereit. In 3,8 Sekunden beschleunigt das Trumm von 0 auf 100 - so spurtstark ist kein anderes Auto von Bentley. Ausgeliefert wird der Renner ab Jahresende, die Stückzahl ist auf 300 Autos begrenzt, der Preis noch nicht bekannt gegeben. Die Zielgruppe braucht diese Angabe wahrscheinlich auch nicht.

Jaguars schnellste Nummer

Noch seltener und zugleich extrovertierter wird ein anderes britisches Extremauto, der Jaguar "Project 7". Die schnelle Nummer basiert auf dem neuen Modell F-Type und soll an die sieben Siege der Marke beim 24-Stunden-Rennen von Le Mans erinnern - insbesondere an das legendäre Modell D-Type.

Deshalb legten nicht nur die Ingenieure, sondern auch die Karosseriebauer Hand an das Auto. Die Frontscheibe ist nun kleiner als beim Großserienmodell, am Heck kam eine große Finne hinzu. Dazu gibt es, wie bei solchen Gelegenheiten üblich, einige Extrawürste bei den Lackfarben und Materialien, außerdem straffere Sportsitze mit höheren Seitenwangen und Hosenträgergurten und natürlich mehr Motorkraft als beim F-Type: Die Leistung des fünf Liter großen V8-Kompressormotors steigt auf 575 PS - das reicht für den verkaufsfördernden Superlativ "stärkstes Serienmodell der Firmengeschichte".

Mindestens genauso wichtig wie die große PS-Zahl ist die kleine Auflage. Weltweit wird es ab Mitte 2015 lediglich 250 Exemplare geben, und nur 20 von denen sollen nach Deutschland kommen. Der Preis? Jaguar schweigt dazu.

Das "Project 7" ist das erste Produkt aus einer neu gegründeten Abteilung des Autokonzerns Jaguar Land Rover. "Special Operations" heißt diese vielsagend, laut offiziellen Angaben sind dort 150 Mitarbeiter damit beschäftigt, sich um exklusive Kleinserien zu kümmern, Rennwagen zu entwickeln oder Oldtimer zu restaurieren.

Einzelstück von Ferrari

Wie weit die Arbeit einer solchen Abteilung gehen kann, zeigt ein neuer Ferrari, der kürzlich seine Jungfernfahrt auf Sizilien absolvierte: der F12 TRS. Bei dem Wagen handelt es sich um das wohl exklusivste Sondermodell, das ein Autohersteller auf die Räder stellen kann, nämlich um ein Einzelstück.

Exakt nach den Vorgaben eines Ferrari-Fanatikers wurde der F12 in wochenlanger Handarbeit vom Coupé zum Roadster umgebaut. Dabei haben die Ferrari-Experten nicht nur das Dach abgetrennt und die Frontscheibe coupiert, sondern auch noch ein Fenster in die Motorhaube eingebaut, durch das der 740 PS starke Zwölfzylindermotor grüßt. Ferrari schweigt eisern zu den Details des Deals, und man kann nur schätzen, dass sich der Preis des sonst rund 270.000 Euro teuren F12 durch die Umbauten sicher verdoppelt hat.

Der stolze Besitzer jedenfalls wird künftig über limitierte Kleinserien, nummerierte Plaketten oder signierte Urkunden nur milde lächeln. Mögen auch noch so viele Ferraris durch Blankenese, Berverly Hills oder Peking röhren - selbst bei einem weltweiten Ferrari-Treffen wie kürzlich auf Sizilien wird sein Auto stets im Mittelpunkt stehen. Und zwar ganz allein.



insgesamt 11 Beiträge
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tillw 05.08.2014
1. Umweltschutz...
Und Fußgängersicherheit beschneiden die Automobilhersteller leider in ihren Möglichkeiten. Wenn ich an die teils aufregenden Automobilkarrosserien der Vergangenheit denke, finde ich es echt schade, dass Bentley und Jaguar nur noch aggressive Umbauten ihrer Stromlinien-Umwelt-Unfallverhütungsvorschriften-Fahrzeuge bauen dürfen. Aber es gibt ja auch Regionen dieser Welt, wo vielleicht freier gestaltet werden darf, die Fahrzeuge können dann halt nicht mehr in Europa verkauft werden.
felisconcolor 05.08.2014
2. Wie sagte mal jemand
Zitat von sysopFerrariBentley, Jaguar, Ferrari: Diese Hersteller klingen für Normalos nach Exklusivität - und für besonders Anspruchsvolle nach Massenware. Das wollen einige Luxusautobauer jetzt ändern und setzen auf Kleinserien. Bei der Frage nach den Preisen lautet die Antwort fast überall gleich. http://www.spiegel.de/auto/aktuell/sportwagen-kleinserien-bentley-jaguar-ferrari-mit-exklusiv-rennern-a-980062.html
für denjenigen der nach dem Preis fragt ist der Wagen eh zu teuer.
spontanistin 05.08.2014
3. Ersatzbefriedigung
Welche elementaren Grundbedürfnisse wurden da wohl früher nie befriedigt, um heute solche Extravaganzen zu benötigen? Diese frühkindlichen Defizite sind die Basis für das Entstehen der Überflussgesellschaft.
nguelk 06.08.2014
4. Peinlich...
Einfach nur peinlich - wieviele Schulen in Afrika könnte man mit diesem sinnfrei ausgegebenen Geld betreiben! Da hätte der Investor meinen Respekt!
assiwichtel 06.08.2014
5. ?
Zitat von nguelkEinfach nur peinlich - wieviele Schulen in Afrika könnte man mit diesem sinnfrei ausgegebenen Geld betreiben! Da hätte der Investor meinen Respekt!
Vielleicht hat der Investor ja schon 5 Schulen in Afrika auf die Beine gestellt und will sich auch mal was gönnen? Wissen Sie das? Nein, was ist hier also peilich? Zum Thema: ein wirklich individuelles Auto ließe die Basis nicht mehr erkennen (vgl. Aga-Kahn-Quattroporte von Maserati/Frua).
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